Die ersten 100 Impfdosen

Binnen drei Wochen wurde das Corona-Impfzentrum des Landreises Traunstein eingerichtet

Das Impfzentrum des Landkreises Traunstein am Aubergtunnel in Altenmarkt.
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Das Impfzentrum des Landkreises Traunstein am Aubergtunnel in Altenmarkt.

Corona-Impfzentrum des Traunsteiner Landkreises gestartet: Ein Tsunami an Arbeit ist über die Kliniken Südostbayern (KSOB) als Betreiber des Zentrums hereingebrochen.

Traunstein/Altenmarkt – Es war ein historischer Moment an einem für alle Beteiligten besonderen Zweiten Weihnachtsfeiertag: Bei einem Besuch am Samstagnachmittag im Corona-Impfzentrum des Landkreises Traunstein am Aubergtunnel in Altenmarkt hatten die Verantwortlichen von Landkreis, Gesundheitsamt und Ärztlichem Kreisverband (ÄKV) den Zentrumsleitern gerade gedankt und ihnen den Rücken für ihre herausfordernde Aufgabe in den kommenden Monaten gestärkt, als es an der Tür läutete. Aktive des Technischen Hilfswerks (THW) brachten in einem Kühlbehälter die ersten 100 Impfdosen für die Landkreisbürger, die ab Sonntagfrüh geimpft wurden.

Baubürocontainer in eine große Arztpraxis verwandelt

Wie mehrfach berichtet, waren Parkplätze und RVO-Bushaltestellen eingerichtet und die früheren Baubürocontainer binnen drei Wochen in eine große Arztpraxis verwandelt worden: Unter anderem wurden der Empfang, ein Warteraum, je vier Aufklärungs- und Impfzimmer und ein Beobachtungsraum sowie eine EDV- und Telefonzentrale auch für die mobilen Impfteams geschaffen. „Ein Tsunami an Arbeit“ sei über die Kliniken Südostbayern (KSOB) als Betreiber des Zentrums hereingebrochen, sagte Klaus Fischbacher aus Heiligkreuz.

Klaus Fischbacher (rechts), der Verwaltungsleiter des Impfzentrums, und Landrat Siegfried Walch nahmen am Samstag die ersten 100 Impfdosen entgegen und verstauten sie in einem Kühlschrank.

Der Verwaltungsleiter des Impfzentrums ist ansonsten für die Abteilung Zentrales Belegungsmanagement (ZBM) in der Kreisklinik Trostberg verantwortlich – und sei damit prädestiniert gewesen für die Aufgabe als Koordinator, wie Landrat Siegfried Walch beim Ortstermin herausstellte. „Ich bin angerufen worden, ob ich’s mache, und habe letztlich nicht lange überlegt“, so Fischbacher. „Wir haben quasi einen zusätzlichen Geschäftsbereich der Kliniken aufgebaut.“ Das sei in der kurzen Zeit nur möglich gewesen, da die Kliniken in kommunaler Trägerschaft geführt werden, ergänzte ÄKV-Vorsitzende Dr. Melanie Kretschmar unter zustimmendem Nicken der Gästeschar.

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Eigenes Planungsteam eingerichtet

Bewährt habe sich dabei auch, dass die KSOB ein eigenes Planungsteam (Lean-Team) unter anderem für den millionenschweren Umbau des Kreisklinikums Traunstein eingerichtet hatte, das nun beim Aufbau des Impfzentrums wertvolle Dienste leistete, sagte Dr. Herbert Bruckmayer. Der Chefarzt der Akutgeriatrie an der Kreisklinik Vinzentinum Ruhpolding ist der Ärztliche Leiter des Impfzentrums. Eine gewaltige Aufgabe sei es gewesen, das Personal zu rekrutieren, betonte er rückblickend.

Für die ärztlichen Dienste hätten sich etliche Mediziner der KSOB zur Verfügung gestellt. Zusätzlich habe der ÄKV aus seinem großen Pool schöpfen können, so Kretschmar: „Anders als beim verpflichtenden Bereitschaftsdienst konnten sich die Ärzte hier freiwillig eintragen lassen – und das haben ganz viele getan.“ Auch Ärzte, die schon im Ruhestand sind, helfen im Impfzentrum aus.

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Ähnlich groß war die Resonanz bei den Medizinischen Fachangestellten (MFA) und Krankenschwestern. „Das war logistisch schon eine große Herausforderung, weil der jeweilige Klinik- und Praxisbetrieb ja auch weiterlaufen muss“, so Bruckmayer. Auch für die Verwaltungstätigkeiten hätten sich genügend Freiwillige gemeldet, unter anderem aus der Corona bedingt brach liegenden Hotellerie. „Das Impfzentrum hat täglich, auch sonntags, von 9 bis 20 Uhr geöffnet und ist ja auch die Organisationszentrale für die mobilen Teams, die in die Alten- und Pflegeheime fahren. Gearbeitet wird in zwei Schichten mit jeweils 50 Köpfen“, verdeutlichte der Ärztliche Leiter.

Vorübergehend konnten Termine nicht mehr gebucht werden

Die Resonanz bei der Bevölkerung auf den Impfstart war so groß, dass sowohl telefonisch, als auch über das Anmeldeportal vorübergehend gar keine Termine mehr gebucht werden konnten. Am Sonntag wurde mit den 100 Dosen gestartet, morgen und an Silvester sollen 1200 weitere angeliefert werden. Der Stoff von Biontech muss bekanntlich bei minus 70 Grad gelagert werden. In der Kreisklinik Trostberg stehen spezielle Kühlschränke zur Verfügung.

Sie müssen momentan aber gar nicht genutzt werden: „Bei Kühlschranktemperatur hält der Impfstoff vier Tage – in dieser Zeit haben wir die uns derzeit zur Verfügung stehenden Mittel längst verimpft“, so Bruckmayer. Im neuen Jahr würden die Lieferketten massiv ausgebaut, zeigte er sich zuversichtlich. „Momentan ist die Verfügbarkeit des Impfstoffs der limitierende Faktor – nicht die Kapazität unseres Impfzentrums“, wiederholte Walch eine Kernaussage seiner jüngsten Videobotschaft (wir berichteten). Er deutete auch einen deutlichen Ausbau der Impfkapazitäten an, Details könne er derzeit aber noch nicht nennen.

Impfberechtigte per Brief informiert

Alle Impfberechtigten – im Kern die Bürger über 80 Jahre, die Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen und medizinisches Personal – waren per Brief informiert worden, dass sie sich für die Impfung anmelden können.

Einen Impfzwang gibt es zwar nicht, die Verantwortlichen hoffen aber, dass möglichst viele das Angebot nutzen, wenn sie an der Reihe sind. „Es ist die einzige Chance, aus diesen blödsinnigen Lockdowns rauszukommen“, verdeutlichte Bruckmayer. Und er entgegnete Sorgen, dass der sehr rasch entwickelte Impfstoff zu wenig getestet worden sei: „Kein Impfstoff in der Geschichte wurde an so vielen Menschen getestet wie dieser.“ Dank neuer RNA-Technik sei der „Botenstoff, der der menschlichen Zelle erklärt, was sie machen soll“, völlig frei von Verunreinigungen und in kürzester Zeit im Körper abgebaut.

Leichte Reaktionen wie nach einer Grippeimpfung

Und so könne man andere Spätfolgen, „als sie auch eine Infektion mit dem Virus selbst gehabt hätte“, ausschließen. Nicht geimpft werden könne, wer Symptome irgendeiner Krankheit oder eine schwere Autoimmunkrankheit hat, wer schwanger oder unter 16 Jahren ist. Alle anderen müssten allenfalls mit einer leichten Reaktion des Körpers rechnen, wie nach einer Grippeimpfung auch: Erhöhte Temperatur, leichte Gliederschmerzen, Schnupfen oder Husten seien möglich.

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