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HAUPTVERKEHRSSTRASSE GEFÄHRDET

Biber untergräbt Bernauer Straße

Bis an die Leitplanke hatte sich der Biber schon durchgegraben.  Berger
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Bis an die Leitplanke hatte sich der Biber schon durchgegraben. Berger

Das hatte Biberexperte Jürgen Pohl auch noch nie gesehen: Dass einer der Nager seinen Bau unter einer viel befahrenen Hauptstraße anlegen will. Durch einen Zufall wurden die Tunnel an der Bernauer Straße entdeckt.

Prien – Es war ein Angler, der am Mühlbach eine gute Stelle suchte und plötzlich im Erdreich einsank. Der Mann verständigte die Gemeinde und hat so wahrscheinlich Schlimmeres verhindert.

Fast genau unterhalb der Bahnbrücke der Chiemgau-Bahn auf der Ostseite der Bernauer Straße hatte ein Biber an zwei Stellen angefangen, sich ins Erdreich zu graben, wohl um eine geeignete Stelle für einen Bau zu finden. Die beiden unterirdischen Gänge reichten vom Wasser einige Meter bis knapp einen halben Meter an die Asphaltdecke der viel befahrenen Staatsstraße heran, also praktisch bis unter die Leitplanke. An einer Stelle hatte das Tier sogar unterirdische Stromkabel freigelegt.

Der frische Kies, den der Biber aus der Erde gegraben und in den Mühlbach geschoben hatte, lässt laut Pohl, der offizieller Biberbeauftragter des Landkreises Rosenheim bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt ist, vermuten, dass sich das Tier innerhalb der vergangenen 14 Tage dort ins Erdreich gegraben hat. Pohl vermutet, dass ihn ein Maisfeld auf der Ostseite des Mühlbachs als Nahrungsquelle angezogen hatte. Das Feld ist inzwischen abgeerntet.

Der Biber wurde während der Ortsbesichtigung am Dienstag und der Reparaturarbeiten gestern nicht gesehen. Ob das nachtaktive Tier noch in diesen Bereichen des Mühlbachs zugange ist, ist unklar.

Wahrscheinlich war er aus dem Irschener Winkel den Mühlbach flussaufwärts die rund zwei Kilometer geschwommen, auf der Suche nach Nahrung und einem geeigneten Platz, sich niederzulassen. Junge Biber müssen in der Regel nach gut zwei Jahren den Bau der Eltern verlassen und sich eigene Reviere suchen. Dabei legen sie mitunter gewaltige Strecken zurück.

Im Irschener Winkel sind Pohl zufolge schon sehr viele Jahre Biber heimisch, auch im Mühlbach wurden schon öfter Spuren der Tiere entdeckt – allerdings noch nie so nah an Häusern und Straßen. Die bekannteste Biberburg rund um den Chiemsee ist die nahe der Prienmündung in Westernach. Sie war vor gut zehn Jahren eine der ersten Biberburgen, als sich die Tiere in der Region wieder ausbreiteten.

An der Bernauer Straße hat ein Arbeitstrupp des Bauhofs gestern zunächst das zugewachsene Mühlbachufer ausgeholzt und die Bibertunnel freigelegt. Am Nachmittag wurde damit begonnen, Betonbalken einzuziehen. Um am Ufer arbeiten zu können, war der Pegel des Mühlbachs vorübergehend am Wehr oberhalb der Baustelle abgesenkt worden.

Parallel zu den Grabungsarbeiten machten sich die Arbeiter daran, das Mühlbachufer mit großen Wasserbausteinen zu befestigen, damit der Biber keine Möglichkeit mehr hat, weiterzugraben.

Das lockere Erdreich um die Betonbalken soll dann mit Beton aufgefüllt werden. Weil das Material auch Zeit braucht, zu trocknen und hart zu werden, rechnete Bauhofchef Sepp Furtner gestern Nachmittag damit, dass die Arbeiten wohl noch den ganzen Donnerstag andauern werden.

Die Bernauer Straße muss deshalb halbseitig gesperrt und der Verkehr mit einer Ampel geregelt werden. Es kann deshalb heute auf der Hauptverkehrsstraße durch Prien immer wieder zu Stauungen kommen.

Weil einige kleinere Eschen gefällt werden mussten, um arbeiten zu können, ist der leicht abschüssige Uferbereich des Mühlbachs etwas instabil geworden auf dem betroffenen, etwa 50 Meter langen Abschnitt. Furtner kündigte an, dass 2019 dort eine neue, endgültige Uferverbauung in Angriff genommen werden soll.

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