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Baumpflanzung soll zum Nachdenken anregen

Beuys-Eiche als Symbol der Schöpfung in Bernauer Kurpark

Das zarte Eichenbäumchen ist gepflanzt. Laut Gemeindegärtner Gerhard Kintscher trägt die sorgfältig ausgewählte Baumsorte im Herbst rote Blätter. In etwa 150 Jahren wird sie stolze 20 Meter groß und ausgewachsen sein.
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Das zarte Eichenbäumchen ist gepflanzt. Laut Gemeindegärtner Gerhard Kintscher trägt die sorgfältig ausgewählte Baumsorte im Herbst rote Blätter. In etwa 150 Jahren wird sie stolze 20 Meter groß und ausgewachsen sein.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Seine Kunst war Josef Beuys Mittel, um sich für einen nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung und für gemeinschaftliches Handeln von Menschen einzusetzen. Bernau trägt diese Gedanken seit Sonntag (7. November 2021) mit einer gepflanzten Eiche und einer Stele als Teil einer überregionalen Aktion weiter.

Bernau – „Wir sind stolz und froh als Gemeinde Bernau Teil dieses überregionalen Projekts zu sein“, sagte Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber am Sonntagvormittag bei der „Eichenpflanzung zu Ehren von Josef Beuys“. Im Kurpark war im Rahmen einer Feierstunde und im Beisein von zahlreichen Gästen ein etwa viereinhalb Meter hoher, 15 Jahre junger Baum zusammen mit einer Basaltstele in den Boden gesetzt worden. Sie tragen den gedanklichen Samen des berühmten, verstorbenen Künstlers nach Bernau, der sich für den Zusammenhalt der Menschen und für einen nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung einsetzte.

Pflanzort ist ein Ort der Gemeinschaft

Freudestrahlende Gesichter und ein sonniger Herbsttag begleiteten die Feierstunde. Biebl-Daiber gab in ihrer Begrüßung zu, der Idee anfangs skeptisch gegenüber gestanden zu sein, ob Bernau der richtige Ort für eine solche Beuys-Eichenpflanzung sei. Heute sei ihre Meinung, dass es dafür keinen besseren Ort als den Bernauer Kurpark gebe. Ein Ort, an dem Kunstausstellungen, Konzert und Open-air-Kino stattfänden und wo Menschen zusammenkommen.

„Es geht Joseph Beuys um gemeinschaftliches Handeln zum Wohle der Gesellschaft“, sagte Dr. Maria Schindelegger, Museumsleiterin von DASMAXIMUM in Traunreut. Im Jahr 2015 habe es die Idee von Beuys aufgegriffen, der im Jahr 1982 bei der Kunstausstellung „documenta“ in Kassel die Aktion „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ ins Leben rief. Josef Beuys wäre heuer hundert Jahre alt geworden, er starb 1986 im Alter von 64 Jahren in Düsseldorf. Für jedes seiner Lebensjahre pflanzt DASMAXIMUM mit Partnern im Sinne der Kassel-Aktion Eichen. „Die Idee war, sein Werk und Leben in Erinnerung zu halten“, sagte Schindelegger.

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Beuys habe den Kunstbegriff um soziale und ökologische Aspekte erweitert. Das gemeinschaftliche Wirken zum Wohle der Gesellschaft und der Schöpfung sei ihm ein wichtiges Anliegen gewesen. 30 Eichen inzwischen gepflanzt, fuhr Schindelegger fort. Aus Bernau sei eine der ersten Anfragen gekommen. Die stammte von der Bernauer Galeristin Jutta Strohmeyer-Haider, die sich nun bei der Eichenpflanzung im Kurpark „überwältigt“ zeigte.

Vor sieben Jahren habe sie im DASMAXIMUM zahlreiche Basaltstelen liegen sehen und sich nach deren Sinn erkundigt, berichtete sie. Immer wieder habe sie dann für eine Eichenpflanzung in Bernau nachgefragt und schließlich vom Museum ein Ja erhalten.

Sie erinnerte an das Ansinnen von Beuys: „Dass die Menschen ins Gespräch kommen und Dinge machen, die der Erde guttun.“ Der Traunreuter Stiftungsvorstand Dr. Peter Lämmerhirdt sagte bei dem Festakt hoch erfreut: „So viele Menschen waren noch nie bei einer Baumpflanzung, wie heute.“

Eiche ist ein Sinnbild des Lebens und für Lebenskraft

Er schilderte die Kassel-Kunstaktion von Beuys und dass er das Wunder vollbracht habe, dass im „öden und tristen“ Kassel der Nachkriegszeit innerhalb von sieben Jahren alle 7000 Eichen gepflanzt worden seien.

Basalt entstehe durch das langsame Erkalten der Lava im Schlund eines Vulkans und sei unbehauen. Eichen könnten tausend Jahre und älter werden und seien Sinnbild des Lebens und der Lebenskraft. Wenn Menschen überleben wollten, müssten sie mit den Ressourcen haushalten, so Dr. Lämmerhirth: „Wirklich helfen kann nur eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft, die unsere Lebensgrundlagen nicht verbraucht, sondern immer regeneriert.“

Nicht Nachlassen im Bemühen um Gutes

Der Stiftungsvorstand erinnerte an die Aufforderung von Beuys, nie aufzuhören mit den Pflanzungen und nie nachzulassen, im gemeinsamen Bemühen um den Erhalt der Erde. Schindelegger fügte hinzu: „Die Pflanzung ist der Anfang der Aktion.“ Baum und Stele sollten zum Nachdenken anregen: „Es geht darum, dass die Pflanzaktion in uns weiterlebt.“ Projektleiter Lothar Müller vom DASMAXIMUM ergänzte: „Ihr seid angestiftet. Jeden Tag kann man aufwachen und darüber nachdenken, etwas Gutes zu tun.“ Das sei im Sinne von Joseph Beuys.

Dank an die Unterstützer und Urkunden für die Baumpaten:

Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter ihre Stellvertreter Gerhard Jell und Franz Praßberger, Altbürgermeister Klaus Daiber, Gemeinderäte, aber auch interessierte Bürger. Die Bürgermeisterin erinnerte an das Engagement der Galeristin Jutta Strohmeyer-Haider, auf das die Beuys-Eichenpflanzung in Bernau zurückgeht. Unterstützt wurde Strohmeyer-Haider vom KunstKreis Bernau . Biebl-Daiber dankte auch Kulturreferentin Michaela Leidel für ihr Zutun in der Sache, ebenso dem Bauhof, der beratend und tatkräftig zur Seite stand. Die Bauhofmitarbeiter waren es auch, die mit den entsprechenden Gerätschaften und ihrem Fachwissen Baum und Stele im Boden versenkten und befestigten – mit Unterstützung von Gästen, die vorher zum Spaten gegriffen hatten.

Urkunden für die Baumpaten

Laut Biebl-Daiber waren 1500 Euro an Spenden für die Eichenpflanzung zusammengekommen. Dr. Maria Schindelegger, Museumsleiterin von DASMAXIMUM in Traunreut, übergab Baumpaten-Urkunden an die Bürgermeisterin, an Strohmeyer-Haider, die von Künstlern gestiftete Postkarten verkaufte und zusammen mit der gespendeten Gage einer Band insgesamt 700 Euro zusammengebracht hatte, sowie an Corinna Brandl, die dem KunstKreis zusammen mit Dorothee Tielemann vorsteht.

Ausstellungen:

Begleitend zur Baumpflanzung finden in Bernau zwei Ausstellungen statt. Im Rathaus zeigt der KunstKreis „Unter Bäumen“. Der Traunsteiner Künstler Helmut Mühlbacher präsentiert Werke in der Galerie MarahART unter dem Titel „Wohin werden wir gegangen sein“. Öffnungszeiten sind dienstags, donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie donnerstags zusätzlich von 10 bis 12 Uhr.

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