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Besonders perfide Masche

Schockanrufe falscher Töchter und Polizisten: Traunsteiner (83) nach üblem Betrugsversuch „völlig verstört“

Die Betrüger rufen momentan in der Region wieder bevorzugt ältere Menschen an und jagen ihnen mit erfundenen Geschichten einen Schrecken ein. So versuchen sie Geld zu erbeuten.
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Die Betrüger rufen momentan in der Region wieder bevorzugt ältere Menschen an und jagen ihnen mit erfundenen Geschichten einen Schrecken ein. So versuchen sie Geld zu erbeuten.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Die betrügerischen Anrufe bei älteren Menschen nehmen kein Ende. Jetzt meldete sich die Tochter eines 83-jährigen Mannes aus Traunstein bei den OVB-Heimatzeitungen.

Traunstein – Die „Masche“ der Täter gleicht jener, die wie berichtet in den vergangenen Monaten quer durch die Region bei der Polizei angezeigt worden waren.

Die Frau (Name der Redaktion bekannt) möchte ebenso wie ihr Vater ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. In erster Linie möchten die Beiden vermeiden, dass der Mann von vielen Seiten angesprochen wird. Aufgrund seines früheren Berufes kennen in viele Menschen, erklärt die Tochter.

Schockanruf von „Polizei“ aus Eichstätt

Sie schildert, was sich am Mittwoch zugetragen hatte. Demnach erhielt ihr Vater den Anruf eines angeblichen Polizisten aus Eichstätt. Die Nummer sie unterdrückt gewesen. Der Anrufer habe behauptet, dass die Tochter des Traunsteiners einen Unfall verursacht habe, bei dem eine Person gestorben sei. Nur durch Zahlung einer Kaution könne sie auf freiem Fuße bleiben.

Denn Mann an zwei Telefonen „bearbeitet“

Ihr Vater sei zutiefst erschrocken, berichtet die Frau. Der angebliche Polizist habe dann gefragt, ob ihr Vater noch ein Handy besitze und auf einer zweiten Nummer erreichbar sei. In seinem Schrecken habe er die Nummer herausgegeben und kurz darauf habe das Handy geklingelt. Am anderen Ende habe sich ein Mann unter dem Namen Dr. Andreas Lindemann als Rechtsanwalt ausgegeben und ein Mädchen habe geheult und geschluchzt. An beiden Telefonen hätten die Anrufer ihren Vater „bearbeitet“ und mit der erlogenen Geschichte unter Druck gesetzt. So hätten sie gefragt, wie viel Geld der Traunsteiner im Hause habe. Er habe von 200 Euro und einer Goldmünze gesprochen. Die habe er auf Geheiß herausgesucht und genau angegeben, um welche Münze es sich handelte. „Da haben die Anrufer dann schon deutlich das Interesse verloren“, schildert die Tochter. Trotzdem hätten die Anrufer nach dem Vermögen auf dem Bankkonto gefragt.

Betrüger legten auf

Da sei ihr Vater langsam hellhörig geworden und habe keine Angaben gemacht. Den Anrufern dürfte wohl gedämmert sein, dass sie hier nicht mehr weiterkommen: „Sie haben dann einfach aufgelegt.“

Ihr Vater, so schildert die Tochter weiter, habe sich hinterher über sich selbst geärgert, als im klar geworden war, dass eben versucht worden war, ihn abzuzocken. Er zeigte das Geschehene bei der Polizei an.

Was der Tochter Kopfzerbrechen bereitet ist die Tatsache, dass ihre eigene Tochter in Eichstätt studiert. Sie denkt, dass es fast kein Zufall sein, dass sich der Betrüger als Polizist aus Eichstätt ausgegeben hat und dort der Unfall passiert sein sollte. Was die Anrufer offenbar aber nicht wussten war, dass die junge Frau momentan gar nicht in Eichstätt ist.

Die Täter kennen die psychologischen Tricks

Die Polizei nennt die perfide Vorgehensweise der Anrufer „Legendenbetrug“. Erst vor zwei Wochen klärte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim im Rahmen eines Pressetermins über diese Betrügereien auf (wir berichteten). Leider kommt es auch immer wieder vor, dass die psychologisch geschulten Betrüger Erfolg haben und ältere Menschen um ihr Erspartes bringen. „Senioren werden auf das Übelste ausgebeutet“, sagte etwa Polizeisprecher Martin Emig.

Polizei spricht von Betrugswelle

Im vergangenen Jahr seien bei solchen Anrufen allein in der Region 600.000 Euro nur an Bargeld erbeutet worden. Die Dunkelziffer schätzt die Polizei sogar noch höher. Emig sprach von einer regelrechten Welle an Telefonbetrugsversuchen in der Region.

Im Falle des 83-jährigen Traunsteiners ging die Sache zumindest insofern gut aus, als ihm kein finanzieller Schaden entstanden ist. Doch traf ihn die Tochter später tief verstört an, wie sie schildert. Und sie sagt: „Selbst zu erleben, wie ein älterer Mensch völlig verstört wird, ist echt heftig.“

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