Besucher des römischen Ziergartens in Seeon-Seebruck reisen durch die Zeit

Bei ihrer Römergartenführung nimmt Natur- und Museumsführerin Martina Ziereis ihre Zuhörer mit auf eine botanische, kulturelle Zeitreise in die Antike.
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Bei ihrer Römergartenführung nimmt Natur- und Museumsführerin Martina Ziereis ihre Zuhörer mit auf eine botanische, kulturelle Zeitreise in die Antike.

Die vor rund 2000 Jahren in Bedaium, dem heutigen Seebruck, lebenden Römer fanden dort alles vor, was sie zum Leben brauchten: Handwerksbetriebe, Händler, einen Marktplatz, Verköstigungsstätten, Unterkünfte, einen Tempel und vieles mehr.

Seeon-Seebruck – Die luxuriös mit Mosaiken, Glasfenster und fließendem Wasser ausgestatteten Römervillen „villae rusticae“ wurden zwar bisher nur in der Umgebung ausgegraben, doch einen gewissen Luxus gönnten sich auch die Bewohner von Bedaium. Davon zeugen im Römermuseum ausgestellte Artefakte wie Schmuck, Gewandspangen, Hygiene- und Schönheitsutensilien. Ästhetik sei den Römern auch bei der Gestaltung ihrer Gärten wichtig gewesen, so Museums- und Naturführerin Martina Ziereis bei ihrer ersten Führung durch den Seebrucker Römergarten, der 2009 in der Ortsmitte auf Initiative des 2014 verstorbenen Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Bedaium und Museumsleiters Dr. Alfons Regnauer angelegt worden war.

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Da sie die klimatischen Verhältnisse nördlich der Alpen nicht vertragen, habe man damals anstelle von Zypressen Hainbuchen gepflanzt und ihnen einen säulenförmigen Schnitt verpasst, so Ziereis. Das Selbe gilt für die Olivenbäume, für die eine Ölweide Pate steht. Eine Bitterorange erinnert an die bei den Römern beliebten Zitrusfrüchte. Neben einigen Wildstauden aus der Mittelmeerregion können Besucher vor Ort mediterrane Gehölze und Kübelpflanzen wie Buchs, Zistrosen, Feige, Ginster, Mönchspfeffer und Wein sowie mediterrane Kräuter wie Ysop, Weinraute, Lavendel, Salbei und Thymian und weitere Heilkräuter begutachten.

Ins Auge stechen auch wunderschöne und duftende Rosen, darunter alte Sorten mit insektenfreundlichen ungefüllten Blüten. „Die Römer hatten riesige Rosengärten, die zur Produktion von Rosenöl gedient haben“, verriet Ziereis. Es sei überliefert, dass sie ihren Nahrungsmitteln, Häusern, Kleidern und Körpern einen selbst hergestellten Rosenduft auftrugen.

Ziereis zufolge hätten die Römer strikt getrennt zwischen Lust- und Ziergärten, die in „perfektionierter Natur“ der Entspannung, Muße und Inspiration dienten, und Nutzgärten, in denen sie Obst, Gemüse und Kräuter anbauten. Neben farbenprächtigen Blumen setzten sie in ihren Ziergärten auf Brunnen, Wasserflächen, Skulpturen und Säulen, in deren Umgebung man entspannen konnte.

Auch die Besucher des Seebrucker Römergartens, der im vergangenen Jahr von einer Fachfirma saniert wurde, können dies in herrlicher Natur an einem kleinen Brunnen tun und dabei den Blick auf den Chiemsee und die Alz genießen. mmü

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