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Exklusiv-Interview

Vom Biathlon zu Maloja: Bernd Eisenbichler wird neuer Geschäftsführer der Rimstinger Sportbekleidungsfirma

Maloja-Geschäftsführer Klaus Haas (links) und Peter Räuber (rechts) begrüßen ihren neuen Maloja Geschäftsführer Bernd Eisenbichler (Mitte). Nach einem Jahr Einarbeitung werden sich Haas und Räuber aus dem aktiven Geschäft zurückziehen.
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Maloja-Geschäftsführer Klaus Haas (links) und Peter Räuber (rechts) begrüßen ihren neuen Maloja Geschäftsführer Bernd Eisenbichler (Mitte). Nach einem Jahr Einarbeitung werden sich Haas und Räuber aus dem aktiven Geschäft zurückziehen.
  • VonKatharina Koppetsch
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Bernd Eisenbichler war bis vor kurzem Sportlicher Leiter im Biathlon des Deutschen Skiverbandes. Jetzt wird er neuer Geschäftsführer der nachhaltigen Sport- und Streetwear-Firma Maloja aus Rimsting.

Rimsting – Warum wechselt Bernd Eisenbichler vom Biathlon zu Maloja? Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen erklären die Maloja-Geschäftsführer Klaus Haas und Peter Räuber die Gründe hinter ihrer Entscheidung und Eisenbichler verrät, warum er den Schritt vom Biathlon in die Textilbranche wagt.

Wie sind Sie zu der Entscheidung gekommen, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen?

Klaus Haas: Peter und ich haben Maloja über die vergangenen 18 Jahren aufgebaut. Wir können heute sagen, dass sich Maloja etabliert hat, über eine gute Struktur verfügt und erfolgreich ist. Jetzt geht es darum, die Marke weiter zu entwickeln. Und da stellte sich auch für uns die Frage, ob wir noch jung und beweglich genug sind, hier die richtigen Akzente zu setzen. Gleichzeitig haben wir ein junges motiviertes Team, das bereit ist, mehr Verantwortung zu übernehmen. Also haben wir uns gesagt, das ist ein guter Zeitpunkt. Wahrscheinlich gibt es nie einen richtigen Zeitpunkt. Klar ist aber auch, dass die meisten Generationenwechsel zu spät eingeleitet werden. Das wollten wir vermeiden.

Vom Biathlon zu Maloja? „Eine enge Verbindung zu Bernd Eisenbichler“

Wie sind Sie auf Bernd Eisenbichler als neuen Geschäftsführer gekommen?

Haas: Seit mehr als vier Jahren gibt es eine enge Verbindung zwischen Bernd Eisenbichler und uns. Damals haben wir zusammen den Sponsoringvertrag für das US Biathlonteam auf den Weg gebracht. In dieser Zeit haben wir die besonderen Führungsfähigkeiten von Bernd kennen und schätzen gelernt. Bei den Überlegungen zu unserer künftigen Führungsstruktur war uns klar, dass wir gute Mitarbeiter haben, die in ihren jeweiligen Fachgebieten auch hervorragende Führungskräfte sein können. Diese wollten wir auf alle Fälle stärker in die Verantwortung nehmen. Was uns aber fehlte, war der Dirigent. Eine Führungspersönlichkeit, die ein gutes Gespür für Stärken der Menschen hat. Es sollte auch jemand sein, der ein gutes Verständnis für unsere Sportarten mitbringt. Da ist uns dann schnell der Bernd Eisenbichler eingefallen. Er war für uns der absolute Wunschkandidat.

Wie ist der Fahrplan für das kommende Jahr?

Haas: Wir werden Maloja mindestens ein Jahr lang zusammen mit Bernd Eisenbichler führen. Auf diese gemeinsame Zeit freuen wir uns, auch wenn Peter und ich wissen, dass wir langsam umdenken müssen. Wir haben das bereits in unserer Unternehmensbiografie „Eigene Wege gehen“ beschrieben: 18 Jahre lang durften wir in die Verantwortung hineinwachsen. Jetzt müssen wir lernen, die Verantwortung wieder abzugeben. Ich glaube, dass uns das Jahr guttut, um das Gefühl zu bekommen: Maloja ist in guten Händen und wir können loslassen. Natürlich stehen wir der neuen Führung auch künftig beratend zur Seite, wir bleiben ja auch Anteilseigner. Es soll aber nicht so sein, dass wir uns ins operative Geschäft einmischen. Es ist ganz wichtig, dass die neue Führung ihre eigenen Erfahrungen, manchmal auch ihre eigenen Fehler macht, sonst kann sie nicht erfolgreich sein.

Maloja in Zahlen

70 Prozent der Maloja-Produkte werden in Europa produziert, 30 Prozent in Asien. Seit 2014 hat die Outdoormarke ihre eigenen Produktionsstätten in Bulgarien. Maloja generiert mit ihren Tochterfirmen, der VioModa Produktion, einen Umsatz von über 30 Millionen Euro pro Jahr.

Maloja ist nicht nur der Markenname, sondern „Maloja“ steht bei Euch für alles, was gut ist. Was ist an Bernd Eisenbichler „Maloja“?

Haas: Es gibt ein paar Dinge, die uns wichtig sind. Bei uns steht der Mensch im Vordergrund, wir wollen einen ehrlichen und respektvollen Umgang mit Mensch und Natur und wir wollen unseren eigenen Weg gehen. Für all diese Punkte steht auch Bernd Eisenbichler, auch deswegen bringt er schon viel mit. Bernd hat zudem viele Jahre lang mit unterschiedlichen Nationalitäten zusammengearbeitet und wir glauben, dass uns diese Erfahrung sehr gut tut. Was wir nicht zwingend brauchen, war Branchen Know-how. Das haben wir im eigenen Haus. Ich bin selber vor 18 Jahren branchenfremd eingestiegen. Deswegen weiß ich, wie es ist, sich einzuarbeiten. Es braucht ein bisschen Zeit, aber man stellt andere Fragen. Das kann sehr hilfreich sein, gerade wenn es darum geht, sein eigenes Profil auszuprägen.

Eisenbichler freut sich auf sein Team, das aus „jungen, kreativen und innovativen Menschen“ besteht.

Euer Lookbook Motto für die Kollektion 2022 ist Enrosadira – das Alpenglühen. Ist das Thema in Anlehnung an den kommenden Führungswechsel gewählt worden?

Peter Räuber: Die Kollektionsthemen spiegeln eine tiefe Philosophie von Maloja wieder. Wir haben in der Covid-Phase eine Philosophie gesucht, die den Menschen guttut. Wir haben nach einem Naturereignis geschaut, das in hohem Maße für Zuversicht steht. Das Alpenglühen, mit all der Kraft, die das Licht hat und der Gewissheit, dass am nächsten Tag schönes Wetter wird, steht für Zuversicht. Als wir das Thema vor eineinhalb Jahren entwickelten, war uns nicht bewusst, wie topaktuell das Thema gerade jetzt ist und wie wichtig diese Werte aktuell für die Menschen um uns herum sind.

Vom sportlichen Leiter Biathlon des DSV zum Geschäftsführer von Maloja – fiel die Entscheidung dafür schnell?

Bernd Eisenbichler: Sofort sagt man nicht Ja. Ich habe mich geehrt gefühlt, dass Peter und Klaus an mich herangetreten sind. Wir brauchten ein bisschen Zeit zusammen, damit mir klar wurde: Welche Erwartungen haben Peter und Klaus an mich? Und dann stellt man sich die Frage: Kann ich das? Im Laufe der Gespräche wurde immer deutlicher, das passt. Natürlich habe ich 23 Jahre in einem anderen Business gearbeitet. Da fällt es einem nicht leicht, eine solche Entscheidung zu treffen. Es handelt sich um Neuland. Aber Führung kann ich und das weiß ich und es macht mir Spaß. Wichtig ist, dass wir ein gemeinsames Ziel haben, wie wir die Firma weiterentwickeln. Das ist aus dem Leistungssport übertragbar. Wenn wir gemeinsam an einem Ziel arbeiten, nehmen wir uns selber nicht so wichtig. Wie Klaus und Peter schon gesagt haben, die Mitarbeiter wurden jahrelang aufgebaut. Das sind junge, kreative und innovative Menschen. Das habe ich auch schon bei meinen vorherigen Positionen immer geliebt: Wenn jemand einen Raum bekommt, ihn mit Kreativität ausfüllt – auch mit der gewissen Fehlerkultur, die man erlauben muss – um sich zusammen weiterzuentwickeln.

Welche Expertise bringen Sie mit, um Maloja als Sportmarke weiter voranzutreiben?

Eisenbichler: Die Sportbekleidung, die Maloja herstellt, sind meine Sportarten. Langlaufen kann ich, seitdem ich drei Jahre alt bin. Skitourengehen liegt mir sehr nahe; Radfahren und Mountainbiken ebenfalls. In den Bereichen habe ich ein hohes Know-how in der Verwendung der Produkte, da ich die Sportarten zum Teil im Hochleistungsbereich betreiben habe. Von daher traue ich mir diese neue Aufgabe zu, ohne aus der Textilwirtschaft zu kommen. Jemand, der von Außen kommt, stellt Fragen, die anderen nicht einfallen würden. So etwas erzeugt auch eine positive Reibung und führt zum Nachdenken und das ist für den Weiterentwicklungsprozess sehr wichtig.

Worauf freuen Sie sich?

Eisenbichler: Ich freue mich auf die sehr enge Zusammenarbeit mit den Gründern Klaus und Peter. Mich interessiert, wie sie an die Dinge herangehen. Ich freue mich aber auch auf hoch motivierte Mitarbeiter und darauf, sehr nahe führen zu können. Im Leistungssport sind Trainer und Athleten über ganz Deutschland verteilt und du führst eher aus der Entfernung. Aber natürlich reizt mich auch die Herausforderung, die mit der neuen Aufgabe verbunden ist. Das ist immer eine gewisse Ungewissheit, die Mut erfordert. Nach 23 Jahren einen neuen Schritt zu gehen – dazu habe ich noch viel Kraft.

Factbox: Der Krieg in der Ukraine

Klaus Haas: Es fällt sehr schwer, über geschäftliche Auswirkungen durch die Ukrainekrise zu sprechen, angesichts der menschlichen Schicksale, die wir täglich sehen. Tatsächlich ist es so, dass sich die Ukraine in den letzten 20 Jahren zu einem wichtigen textilen Produktionsstandort entwickelt hat. Die Produktionen sind jetzt weitgehend zum Stillstand gekommen. Wir selbst sind davon nicht direkt betroffen, weil wir nicht in der Ukraine produzieren. Allerdings bekommen wir bei unserem eigenen bulgarischen Produktionsbetrieb jetzt viele Anfragen. Die Gespräche, die wir in den vergangen zwei Wochen mit einigen befreundeten Marken geführt haben, drehten sich darum, wie wir mit unserer Produktion aushelfen könnten. Wir sehen auch Auswirkungen im Logistikbereich. Durch den Krieg kommt es zu Verzögerungen, auch weil viele Ukrainer als Hafenarbeiter und LKW Fahrer gearbeitet haben und jetzt in den Krieg gezogen sind. Die Situation war aufgrund von Corona eh schon angespannt. Aber das steht natürlich nicht im Verhältnis zu dem Leid vor Ort. Das müssen wir im Fokus behalten. Wir haben uns natürlich auch gefragt, wie wir in dieser Situation Flüchtlingen helfen können. Wir sind zur Zeit im Gespräch mit der bulgarischen Regierung und versuchen bis zu 50 Frauen und Männern aus der Ukraine in unserem Produktionsbetrieb in Plovdiv eine Beschäftigung zu geben. Wir sind auch in der Lage, ihnen Wohnraum zur Verfügung zu stellen und gegebenenfalls für die Kinderbetreuung zu sorgen.