Bernaus neue Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber findet Ablenkung bei Söder und Schröder

Irene Biebl-Daiber auf dem Chefsessel im ersten Stock des Rathauses. Berger
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Irene Biebl-Daiber auf dem Chefsessel im ersten Stock des Rathauses. Berger

Irene Biebl-Daiber ist auf dem Teppich geblieben. Die Freude über den Sieg in der Stichwahl Ende März mit 53,8 Prozent gegen den bisherigen Amtsinhaber Philipp Bernhofer ist nach 100 Tagen im Amt größtenteils dem politischen Alltag gewichen.

Bernau – „I g´frei mi über den vielen Zuspruch der Bürger, den i immer no erleb, über viel Positive Rückmeldungen von außen. Aber gleichzeitig merkt man schon, dass es keine leichte Aufgabe ist, die man übernommen hat“, zieht sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung Zwischenbilanz. Und wechselt dabei unbewusst vom Bairischen ins Hochdeutsche. Die verheiratete Gymnasiallehrerin, die bis zur Wahl in Altötting unterrichtete, beherrscht nicht nur sprachlich den Spagat zwischen Bodenständigkeit und dem politischen Parkett. Da kommen der 34-Jährigen zwölf Jahre Gemeinderatserfahrung für dieCSUund Beobachtungen im Elternhaus zugute. Vater Klaus Daiber war zwölf Jahre lang bis 2014 Bernauer Bürgermeister.

„Ohne Corona wär´s schöner“

Deshalb wusste Biebl-Daiber ziemlich gut, was auf sie zukam, gibt aber unumwunden zu: „Ohne Corona wär´s schöner. Es ist schon so, wie ich es mir vorgestellt habe, aber was das Ganze echt ein bissl eindämmt ist Corona.“ Aber auch wenn sie von der Pandemie gewusst hätte, hätte sie kandidiert, sagt die 34-Jährige ohne Zögern. „Es wird ja auch eine Zeit nach Corona geben.“ Und die Arbeit mit den Bürgern, das Gespräch suchen, miteinander Lösungen entwickeln sei davon unabhängig.

Die neue Gemeindechefin ist sich darüber im Klaren, dass das ohnehin finanziell nicht auf Rosen gebettete Bernau durch die Pandemie vor großen Herausforderungen steht. „Ich sehe es jeden Tag an den Stundungen, die ich unterschreibe. Der Boomerang wird in zwei Jahren ganz massiv kommen, wenn es um die ganzen Gewerbesteuerzahlungen, Kreisumlage und andere Einbrüche geht.“

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Es fällt Biebl-Daiber oft noch sehr schwer, wenn sie Bürgern ihre Hoffnungen nehmen muss, die mit ihren Anliegen auf sie zukommen, wenn gesetzliche oder andere zwingende Gründe dagegen stehen.

Überraschungen erlebt sie kaum, nach zwölf Jahren im Gemeinderat war sie über das Geschehen im Ort auf dem Laufenden. Aber darauf angesprochen macht sie kein Hehl daraus, dass auch ihr Vaters, der 2014 in Bürgermeisterrente ging, ihr noch einige Hereausforderungen hinterlassen haar. „Das beste Beispiel ist das Parkleitsystem am See. Das sollte eigentlich schon sehr lange in Betrieb sein.“ Weitere Beispiele möchte sie lieber für sich behalten, um den Familienfrieden nicht zu gefährden. Die 34-Jähriger gibt zu, dass es schon in der ersten Woche beim Mittagessen mal ein bisschen dicke Luft gegeben habe. Aber das Positive überwiege natürlich, sie könne immer wieder rückfragen, auch beim Vorgänger ihre Vaters, Lenz Steindlmüller (CSU), zudem sie ebenfalls einen sehr guten Draht habe. „Das ist Gold wert“, zum Beispiel jetzt beim bevorstehenden Abriss und Neubau des Kampenwandsaals. Er habe ihr gleich gesagt, welche Fördertöpfe möglicherweise angezapft werden könnten, damit die Gemeinde nicht zuviel selbst zahlen muss.

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Auch 100 Tage nach Amtsantritt sind die Wogen aus dem Kommunalwahlkampf noch nicht alle geglättet und das wirke sich auf die Arbeit im neu formierten Gemeinderat aus. „Man hat eine sehr breite Basis, mit der man sehr gut arbeiten kann. Aber das ein oder andere wirkt dann doch noch sehr emotional nach. Da merkt man dann, dass es gar nicht mehr um die Sache geht, sondern die Emotionen ein wenig aufkochen.“

„Einfach da sein für seine Leute“

Um die Neuzugänge schnell in die sachbezogene Arbeit zu integrieren, bietet Biebl-Daiber wöchentliche Gesprächstermine an, was auch gut angenommen werde. Auf ihrer To-do-Liste stehe unter anderem noch ein Grundlagen- und ein Baurechtsseminar für den Gemeinderat.

Dass sie mehr denn je eine öffentliche Person ist, damit hat Biebl-Daiber kein Problem. Das war ihr vorher klar, sie konnte es bei ihrem Vater ja hautnah beobachten.

„Ich werd am See angesprochen, die Leute rufen am Wochenende auf dem Handy an und ich komm oft zwei Stunden vom Einkaufen nicht mehr heim“, schildert sie ihren Alltag. „Das ist aber völlig in Ordnung, dafür ist man ja Bürgermeisterin, dass man einfach da ist für seine Leute“, beschreibt sie ihr Selbstverständnis.

Die Zusammenarbeit ist „wunderbar und vertrauensvoll“, lobt Sekretärin Rita Fitzner die Arbeit mit ihrer neuen Chefin. Alles laufe „sehr gut“. Sogar ihren Kaffee hole sich die Bürgermeisterin selbst, lacht Fitzner, auf eine klischeehaft typische Sekretärinnenaufgabe angesprochen. „Den gibts bei uns ja auf Knopfdruck.“

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