Bernauerin entdeckt nach 80 Jahren ihren gefallenen Vater im Fernsehen

Die BR-Aufnahmen zeigen Marille Praßberger und ihren ersten Mann Karl in den Dreißigerjahren bei der Brotzeit auf der Steinlingalm. hoe
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Die BR-Aufnahmen zeigen Marille Praßberger und ihren ersten Mann Karl in den Dreißigerjahren bei der Brotzeit auf der Steinlingalm.

Die Bernauerin Rudine Burock hatte ihren Vater nie kennengelernt, noch vor ihrer Geburt war er im Krieg gestorben. Dann entdeckte ihn ihr Bruder zufällig auf alten Filmaufnahmen im Fernsehen.

Bernau – Das Leben schreibt Geschichten, die zuweilen kaum zu glauben sind – so ergeht es Vielen, wenn sie den ungewöhnlichen Zufall im Leben einer Hundertjährigen hören. 80 Jahre nach ersten Farbfilmaufnahmen eines unbekannten Filmers strahlte das Bayerische Fernsehen eine Szene auf der Kampenwand aus. Helmut Praßberger konnte seinen Augen kaum trauen: Im Fernsehen erkannte er seine Mutter Anna-Maria Praßberger mit ihrem ersten Mann Rudi Bauer. Seine Halbschwester Rudine hatte ihren Vater nie kennengelernt und sah ihn nun erstmals in bewegten Bildern.

Film über die Anfänge des Tourismus

Im November des vergangenen Jahres sendete das Bayerische Fernsehen eine Dokumentation mit dem Titel „Jahre der Verführung“, unter anderem mit ersten Farbfilmaufnahmen aus den Jahren 1931 bis 1939. Dabei wurde der beginnende Fremdenverkehr in Oberbayern festgehalten, darunter waren Bilder vom Rasthaus Chiemsee und von der Kampenwand.

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Rudine und ihr Halbbruder Helmut Praßberger schauen sich immer wieder gerne die alten Aufnahmen an.

Dokumentation im Bayerischen Fernsehen

1949 heiratete die Mutter ein zweites Mal, nämlich den Bernauer Donat Praßberger, der in der Ära von Wolfgang Zeitlmann auch einige Jahre Zweiter Bernauer Bürgermeister war. Letztlich war und ist sie bei vier Kindern, fünf Enkeln und vier Urenkeln immer der Mittelpunkt geblieben.

Ein kleiner Beitrag hatte den Titel „Brotzeit auf der Steinlingalm“. Nachdem hier zuerst ein Gast mit einem milchgefüllten Maßkrug gezeigt wurde, schwenkte die Kamera auf ein Paar hin, das sich an einer Berg-Brotzeit erfreute.

Helmut, Jahrgang 1950, der diese Sendung zufällig anschaute, sprang plötzlich auf: „Das ist ja unsere Mama mit dem Rudi, dem Vater meiner Schwester Rudine, das gibt´s ja gar nicht“. Gleich rief er seine im Juni 1945 geborene Schwester an, deren Vater im November 1944 im Krieg gefallen war.

Film ist in der Mediathek des BR

Neugierig geworden, versuchte Helmut den Film nochmals zum Anschauen zu bekommen. Vom Bayerischen Fernsehen erhielt er dann den Hinweis, dass dieser noch bis 18. November 2020 in der Mediathek zu sehen ist.

Das Paar heiratete 1941, doch drei Jahre später fiel Karl im 2. Weltkrieg.

Anna-Maria, in Bernau als Marille Praßberger bekannt, die damals mit ihrem Bräutigam gefilmt wurde, konnte erst vor wenigen Tagen ihren 100. Geburtstag in ihrem Bernauer Zuhause bei ihrer Familie feiern. „Als wir unserer inzwischen pflegebedürftigen Mama den Film zeigten, war deutlich zu sehen, dass sie sich und ihren Rudi erkannt hat, denn ein Lächeln ging über ihr Gesicht. 80 Jahre nachdem sie mit ihrer ersten Liebe einen Ausflug auf die Kampenwand unternahm, sahen wir sie in farbigen und lebendigen Bildern – wir konnten es kaum fassen!“ – so Helmut Praßberger.

Rudines Vater starb noch vor ihrer Geburt

Seine Schwester fügte nach mehrmaliger Film-Betrachtung hinzu: „Für mich ist der Film ein besonderes Geschenk, denn bislang kannte ich meinen Vater nur von Fotos, jetzt habe ich ihn erstmals in bewegten Bildern gesehen, es ist unglaublich!“. Ergänzend erzählt sie über ihre Mutter, dass diese als Münchner Kindl in der Au zur Welt kam, im Cafe Hofgarten als Büffetfräulein ihre erste berufliche Station hatte. Während des Krieges war sie als Straßenbahn-Schaffnerin tätig und lernte auch ihren Vater kennen. 1941 heirateten die Beiden. Der Vater musste schließlich in den Krieg ziehen und fiel Ende 1944, wenige Monate bevor sie zur Welt kam.

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