Bernauer Vermieter und Wirte atmen auf - Corona-Lockerungen helfen Existenzen

Vorbereitung für die Wiederöffnunggemäß den Corona-Abstandsregelungen (von links): Sandra Wierer (Mitglied der Vorstandschaft des Verbands „Urlaub auf dem Bauernhof Chiemsee/Oberbayern), Gastronom Christian Saller, der Leiter des Tourismusbüros Christoph Osterhammer sowie Bernaus Dehoga-Sprecher und Hotelier Willi Mehlhart. Berger
+
Vorbereitung für die Wiederöffnunggemäß den Corona-Abstandsregelungen (von links): Sandra Wierer (Mitglied der Vorstandschaft des Verbands „Urlaub auf dem Bauernhof Chiemsee/Oberbayern), Gastronom Christian Saller, der Leiter des Tourismusbüros Christoph Osterhammer sowie Bernaus Dehoga-Sprecher und Hotelier Willi Mehlhart. Berger
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
    schließen

„Alle Kraft voraus“ – heißt es bis Ende Mai für Vermieter und Gastronomiebetreiber in Bernau. Sie rüsten sich für einen Neustart – trotz zahlreicher Auflagen. Gestern gab Bayerns Ministerpräsident weitere Corona-Lockerungen bekannt. Im Mai dürfen demnach Gaststätten und Hotels schrittweise wieder öffnen: Außenbereiche am 18. Mai, Speiselokale im Innenbereich am 25. Mai, Hotels am 30. Mai.

von Silvia Mischi

Bernau– Christoph Osterhammer, Leiter der Tourist-Info Bernau, betont dazu: „Unsere Vermieterstruktur ist nahezu prädestiniert für den kontaktlosen Urlaub mit geringem Infektionsrisiko.“ Bis dato habe nur das konkrete Datum gefehlt, um entsprechend mit potenziellen Gästen zu planen.

„Abgeschlossene“ Wohneinheiten für Urlauber

Bernau habe 116 private Gastgeber mit weniger als neun Betten und 31 gewerbliche Gastgeber, also Einrichtungen ab zehn Betten. „Allein 69 Quartiere bieten wir bei ,Urlaub auf dem Bauernhof‘ und 114 in Ferienwohnungen an“, schlüsselt Osterhammer weiter auf. Gäste in Ferienwohnungen befinden sich in abgeschlossenen Wohneinheiten und können sich überdies als Selbstversorger autark bekochen oder von der örtlichen Gastronomie beliefern lassen. „Ein Kontakt mit den Vermietern ist nicht notwendig“, betont er.

Freizeitaktivitäten von der Natur gegeben

Dass der Gast natürlich auch Freizeitangebote nutzen möchte, ist klar. „Aber auch hier haben wir vor Ort Glück“, findet Osterhammer. Wandern, Radfahren und Baden seien Zugpferde und bereits jetzt möglich. Minigolfplätze, Bootsverleihe, Museen und Surfschule, Schwimmbad und Segelschule sowie Bücherei sorgen für Attraktivität. Hier gelte es ebenso eine angepasste Wiederbelebung mit Abstandsregelungen der Einrichtungen anzustreben.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Osterhammer betont dabei, dass es keine unvorsichtige oder gar corona-gefährdende Einschätzung sei. „Durch die gesetzliche Meldepflicht und den digitalen Meldeschein ist eine Dokumentation aller Gäste gewährleistet“, erläutert er.

Oskar Deibert, Betreiber des „Wohnmobilhafen Bernau-Felden“, ist nach den jüngsten Renovierungsarbeiten „coronafit“ – ohne es bei Baustart gewusst zu haben – und betont für sich und seine Mitbewerber: „Die Parzellen für die Wohnmobile sind 5,50 Meter breit und zehn Meter tief. Jeder hat seinen Bereich und ist absoluter Selbstversorger bei mir. Toiletten und Duschen haben meine Gäste an Bord.“ Selbst die Entsorgung der sanitären Einrichtungen erfolge via Automat. Die Rezeption sei ebenfalls ein kontaktloser Kartenautomat. „Die Stilllegung unseres Betriebs durch den Staat kam genau zu unserem Eröffnungstermin. Ich trage die Sicherheitsvorkehrungen mit und baue bei den Öffnungen nun auch auf die Vernunft der Gäste.“

Pfingstgeschäft für Unternehmen lebenswichtig

Sandra Wierer, Mitglied im Vorstand des Verbands „Urlaub auf dem Bauernhof Chiemsee/Oberbayern“ und Vermieterin des Hanznhof sieht trotz der nun angekündigten Öffnungstermine Existenzen bedroht. „Wir sind Saisonbetriebe, die vom Frühjahr bis zu Herbst ihren Jahresumsatz erwirtschaften müssen“, so Wierer. Dass das Pfingstgeschäft nun „mitgenommen“ werden könne, ist für sie ein wichtiger Baustein. Zudem seien die Ferienwohnungen Bei Urlaub auf dem Bauernhof nahezu immer abgeschlossen und voll ausgestattet. „Wir kaufen die Semmeln für die Mieter ein, damit diese dann ihren Frühstückstisch damit bestücken können. Zudem haben wir auf den Bauernhöfen auch viel mehr Raum, um jeden seinen Platz mit Abstand zu geben“, hebt Wierer hervor.

Lesen Sie auch: Coronavirus: Söder hat verkündet, welche Lockerungen bis Pfingsten in Bayern gelten

Willi Mehlhart, Ortssprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Bernau, betreibt mit seiner Frau ein kleines Hotel garni in Bernau, zuvor hat er über 30 Jahre lang ein Restaurant in der Region geführt. Eine Situation wie diese hat er noch nie erlebt. Mehlhart hat sich mit einem Schreiben – auch im Namen der Bernauer Hotel- und Gastrobetriebe – an die Politik gewandt. Darin heißt es: „Alle Argumente für den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und von Gästen haben ihre Berechtigung und wir wollen und können dies auch umsetzen und gewährleisten.“ Zugleich betont er, dass man als kleines Hotel sehr wohl spezielle sicherheitsrelevante Vorsorge für die Gesundheit von Gästen vornehmen könne.

Denn: „Im Hotel sind die Gäste auf ihrem Zimmer und treffen einander nur in den Fluren oder der Lobby, wenn überhaupt. So kann es doch möglich sein, dass die Zimmer ohne Frühstück verkauft werden oder wir den Gästen das Frühstück auf das Zimmer servieren können, natürlich mit Gesichtsschutz und allen anderen notwendigen Abstandsvorkehrungen“, so Mehlhart.

Ausfall von über 35 000 Euro an Stornierungen

Feste Frühstückszeiten und weit auseinander gestellte Tischen sowie Frühstück ohne Buffet: All das sei möglich. Mehlhart ist überzeugt davon, dass Gäste im Hotel oder in der Gastronomie mindestens so vernünftig wie in Lebensmittelmärkten seien und Abstand halten könnten. Inzwischen summieren sich die Kosten der Corona-Krise. „Unser Hotelbetrieb hat drei festangestellte Mitarbeiter, eine Gleitzonenkraft und drei Mini-Jobs sowie meine Frau und mich“, so Mehlhart. „Mittlerweile haben wir eine Summe von 38 000 Euro für stornierte Buchungen erreicht. Seit dem 17. März fließen keine Einnahmen aus dem Hotelbetrieb in die Kasse.“ Trotz der finanziellen Unterstützung wie der bayerischen Corona-Soforthilfe in Höhe von 5000 Euro und der Kurzarbeit für die Festangestellten bleibe eine Kostenstruktur von knapp 10 000 Euro pro Monat.

Das Eröffnungsdatum ist für Christoph Osterhammer aus dem Tourismusbüro ein entscheidender Schritt, um die Krise zu überwinden. Um allerdings dauerhaft bestehen zu können, seien Online-Buchungsmöglichkeiten unerlässlich. Hier seien jetzt alle gefragt, um Bernau möglichst positiv im Internet darzustellen und so Ausfälle durch Corona kompensieren zu können.

Kommentare