Interview

Bernauer Tierheimgründerin warnt vor Welpen unterm Weihnachtsbaum

Clarissa von Reinhardt, Gründerin des Bernauer Tierheims, mit Sofia, Yukon und Colorado: Sie nimmt sich die Zeit, Menschen zu beraten, die just zu Weihnachten ein Haustier verschenken möchten. Dazu rät sie nur, wenn der Plan durchdacht ist und dauerhaft jemand die Verantwortung übernehmen kann.
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Clarissa von Reinhardt, Gründerin des Bernauer Tierheims, mit Sofia, Yukon und Colorado: Sie nimmt sich die Zeit, Menschen zu beraten, die just zu Weihnachten ein Haustier verschenken möchten. Dazu rät sie nur, wenn der Plan durchdacht ist und dauerhaft jemand die Verantwortung übernehmen kann.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Bernau – Das „Fest der Liebe“ ist oft auch die Zeit des großen Tierleids. Clarissa von Reinhardt, Gründerin des Bernauer Tierheims und des Vereins „Häuser der Hoffnung“, erlebt die Tücken von tierischen Geschenken jedes Jahr – und rät, sich eine solche Idee gut zu überlegen.

Nicht selten werden zu Weihnachten „niedliche Tiere“ verschenkt. Gibt es bei Ihnen entsprechende Anfragen?

Clarissa von Reinhardt: Leider haben auch wir schon die Erfahrung machen müssen, dass zum Weihnachtsfest der Wunsch der Kinder oder des Partners nach einem Haustier erfüllt werden soll. Bei unseren Beratungsgesprächen gelingt es aber in der Regel gut, diesen Wunsch auf Nachhaltigkeit zu überprüfen. In manchen Fällen wird das Fest zum Anlass für die Anschaffung eines Tieres genommen, ist aber für die Zukunft gut durchdacht. In anderen Fällen wird durch gemeinsames Abwägen klar, dass der Plan einer Adoption nicht zur Lebenssituation passt und lieber verworfen oder verschoben werden sollte.

Erleben Sie, dass Hund & Co. im Heim abgegeben werden, weil es doch nicht „das ideale Geschenk“ war?

von Reinhardt: Ja, natürlich ist das auch bei uns schon vorgekommen, insbesondere bei Welpen. Der niedliche, kleine Wuschel macht sich gut unterm Tannenbaum, dann stellt die Familie aber bald fest, dass die Haltung eines Hundes und insbesondere die Aufzucht eines Welpen mit sehr viel Arbeit und Verantwortung verbunden ist. Vor allem, wenn die Kinder der Familie stark in diese Verantwortung mit eingebunden werden sollen, klappt es in der Regel nicht, weil sie damit bisweilen überfordert sind – auch wenn die anfängliche Begeisterung groß war. Wir nehmen diese Hunde auf, wenn sie uns gebracht werden und suchen dann ein passenderes Zuhause für sie.

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Wie ist Ihre Einrichtung durchs Corona-Jahr gekommen? Wie stand es um die Spendenbereitschaft der Menschen?

von Reinhardt: Bisher sind wir einigermaßen gut durchgekommen. Manche Mitglieder mussten ihren Beitrag reduzieren oder sogar ganz stornieren, weil ihnen einfach weniger Geld zur Verfügung steht. Das ist natürlich bitter, denn die Kosten für den Unterhalt des Tierheims laufen ja weiter und als gemeinnütziger Verein kann man auch keinerlei „Corona-Hilfsfonds“ in Anspruch nehmen. Das ist etwas, worüber die Politiker mal nachdenken sollten. Aber wir haben auch Besuch von Menschen bekommen, die uns extra wegen der schwierigen Zeiten eine kleine Spende überreicht haben, was uns sehr berührt hat.

Hat die Pandemie die Bereitschaft fürs Ehrenamt eingeschränkt? Wie sieht es mit dem Engagement von Jugendlichen aus?

von Reinhardt: Die Bereitschaft zum Ehrenamt ist eher gestiegen. Viele Menschen haben, möglicherweise durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit, mehr Zeit und wollen diese sinnvoll nutzen. Jugendliche Helfer haben wir kaum, was sicher auch mit unserer Lage im Außenbereich zu tun hat, die nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist.

Was erhoffen Sie sich für das kommende Jahr, wo gibt es einen dringenden Bedarf für Tiere und Verein? Wie kann man helfen?

von Reinhardt: Wie alle hoffen wir darauf, dass die Pandemie irgendwie in den Griff zu kriegen ist. Abgesehen davon brauchen wir im Tierheim dringend finanzielle Unterstützung, weil unsere Heizung saniert werden muss. Das reißt ein großes Loch in unser Budget und gleichzeitig haben wir Angst, dass sie im Winter komplett den Geist aufgibt. Das wäre furchtbar. Deshalb freuen wir uns über jede Spende.

Spenden für das Tierheim

  • Häuser der Hoffnung e.V. 
  • IBAN: DE36 7116 0000 0009 3427 37
  • VR Bank Bernau

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