Bernauer Netzwerk gerät in die Wahlkampf-Fronten

Der frisch gedruckte Flyer zur Corona-Krise in Bernau dokumentiert die Solidarität und den Appell an das Wir-Gefühl in der Gemeinde. re
  • Silvia Mischi
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Das Corona-Helfernetzwerk – ein Einkaufsdienst für Bernauer – ist hervorragend angelaufen. Die Verantwortlichen sind über die positive Resonanz der Bürger und die starke Beteiligung begeistert. Nun aber sehen sie sich vonseiten der Bernauer Grünen mit Vorwürfen konfrontiert. Das steckt dahinter.

Bernau– Die Grünen empfinden die Entstehungsgeschichte des Netzwerks als „billiges Wahlkampf-Manöver der CSU“. So heißt es von Sepp Genghammer, Fraktionssprecher der Bernauer Grünen: „Die Auswirkungen der Corona-Epidemie müssen so gering, wie möglich gehalten werden, den von der Seuche betroffenen Menschen muss geholfen werden. Punkt. Aber dieses Thema im Stichwahlkampf einzusetzen, ist schon ein starkes Stück, wenn man die ganze Wahrheit kennt.“

Schaden von Institutionen nehmen

De Kranken- und Bürgerhilfe wehrt sich entschieden dagegen und will jeglichen Schaden für das „CORNetzwerk Bernau“ und den ganzen Ort abwenden. Aber von vorne: Genghammer zufolge hat der Bürgermeister für Montagabend eine Sitzung des Gemeinderates gemeinsam mit Kranken- und Bürgerhilfe und anderen Hilfsorganisationen einberufen, um das weitere Vorgehen in der Gemeinde in diesen ernsten Zeiten zu koordinieren.

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„Und was machen seine Stichwahl-Konkurrentin Irene Biebl-Daiber und ihre Freunde von CSU und SPD im Gemeinderat? Mit vorgeschobenen Corona-Bedenken fangen sie per E-Mail eine Diskussion darüber an, ob so eine Sitzung jetzt schon sinnvoll und ungefährlich wäre. Kündigen Boykott an. Keine Spur von Willen, in diesen Zeiten als Gemeinderäte echt Verantwortung zu übernehmen.“

Ferdinand Thalhammer. Vorsitzender der Bürgerhilfe, stellt hierzu klar: „Die Aktion wurde am Freitag im Tagesverlauf unter dem Eindruck der Schließung von Kindergärten und Schulen von Aurore Marseille, der Aktion ,Frauen für Frauen‘, vertreten durch Maria Oberlechner, der Einsatzleiterin unseres Vereins, Marion Philipp diskutiert und ins Leben gerufen. „Zu diesem Zeitpunkt – Freitag – kannte keiner den Ausgang der Kommunal- und im speziellen der Bürgermeisterwahl“, so Thalhammer.

Dessen Stellvertreter und Zweiter Bürgermeister, Gerhard Jell, hat den Ersten Bürgermeister Philipp Bernhofer am Montag, 16. März, um 8.37 Uhr per Mail über die Initiative unterrichtet. Als Vertreter der Katholischer Kirchengemeinde sei der Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Gregor Thalhammer und Pfarrerin Hannah von Schröders als Vertreterin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde informiert und in die Aktion einbezogen worden. Zudem am Montagnachmittag eine weitere Mail mit der Bitte der Adressen und Ansprechpartner der Helfergruppe auf der Homepage zu veröffentlichen.

Für Genghamer wiederum liegt „in Wirklichkeit nur eine Verzögerungstaktik, um im Hintergrund inzwischen mit einigen CSU-nahen Bernauer Hilfs-Organisationen die Fäden für ein ,Helfer-Hetzwerk‘ zu spinnen und damit groß rauszukommen. Das ist für mich gröbster Missbrauch dieser Krise, nur um den Konkurrenten auszuschalten und zeugt vom Charakter der Kandidatin.“

„Es ist nicht richtig, dass der Bürgermeister Philipp Bernhofer für Montag eine Sitzung des Gemeinderates gemeinsam mit mir als Vertreter der Kranken- und Bürgerhilfe und anderen Hilfsorganisationen einberufen hätte. Lediglich ich als Vertreter der Kranken- und Bürgerhilfe war neben dem Gemeinderat eingeplant“, moniert Thalhammer.

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Die Einladung zu dieser Sitzung sei mittels E-Mail vor dem Wahlsonntag und damit vor Bekanntgabe der Stichwahlkandidaten versandt, mit Terminabfrage: Montag, 19 Uhr, oder Mittwoch, 19 Uhr. „Sie wurde wohl von verschiedenen Gemeinderäten, schon allein wegen der Ansteckungsgefahr abgelehnt. Ich habe die Terminabfrage und Einladung mittels Mail beantwortet, dass ich mir an beiden Tagen Zeit nehmen würde“, schildert Thalhammer weiter. Genghammer wiederum kritisiert: „Wie gesagt, Hut ab vor Absichten und Anstrengungen der Hilfs-Organisationen, aber warum an der Verwaltung vorbei, anstatt an einem Strick zu ziehen? Hierzu Thalhammer entschieden: „Die Absetzung der Gemeinderatssitzung wurde ebenfalls per Mail bekanntgeben.

Ersatzweise lud Bürgermeister Bernhofer, die beiden Kirchenvertreter, die Vorsitzende des katholischen Frauenbundes, Christa Weingartner, Johannes Feitl als Organisator der Flüchtlingshilfe und mich zu einer Besprechung am Dienstag, 17. März, um 17 Uhr ins Rathaus ein. Bernhofer war inzwischen von der Ingangsetzung des Helfer-Netzwerkes mehrfach informiert worden.“

Aktive empört über Anschuldigungen

In dieser Zusammenkunft wurde beschlossen, die Kurz-Notiz über das Helfer-Netzwerk durch einen Flyer mit mehreren Informationspunkten zu ersetzen. Damit war zu aller Zufriedenheit, die Sache erledigt und der Helferkreis mit der Anerkennung durch die Gemeinde ausgestattet. Bürgermeister Bernhofer versprach, Christoph Osterhammer von der Tourist-Info mit Erstellung, in Abstimmung mit Gregor Thalhammer, zu beauftragen.

Am Mittwochabend war der Flyer fertiggestellt. „Die Organisatoren und die Helfer wehren sich mit aller Vehemenz gegen diese Anschuldigungen, Verdrehungen und Falschdarstellungen“, endet Thalhammer empört gegenüber unserer Zeitung.

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