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Nachhaltigkeit im Fokus

Bernauer Naturschützer: Alte Handys bringen Spendengeld und Rohstoffe

Karton für alte Handys: Pia Ostler (links) und Jutta Schekatz von der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Bernau prüfen regelmäßig den Inhalt des Behälters in der Bernauer Apotheke.
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Karton für alte Handys: Pia Ostler (links) und Jutta Schekatz von der Bund Naturschutz-Ortsgruppe Bernau prüfen regelmäßig den Inhalt des Behälters in der Bernauer Apotheke.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Überholt sind sie schnell, aber was tun mit den Altgeräten? Die Bernauer Ortsgruppe des Bund Naturschutz hat eine pfiffige Idee, was man aus alten Smartphones machen kann.

Prien/Bernau – Über 200 Millionen gebrauchte Handys liegen derzeit in Deutschland ungenutzt herum, schätzen Experten. Sammelaktionen sollen helfen, Verbraucher von alten Geräten zu befreien und die darin enthaltenen, wertvollen Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Eisen und Aluminium einer neuen Verwendung zuzuführen. Bisweilen können gebrauchte, funktionsfähige Handys und Smartphones wieder flottgemacht und weiterverkauft werden.

Alte Handys, die tonnenweise in der EU jedes Jahr als Müll anfallen. In ihnen sind wertolle Rohstoffe verbaut, die noch verwertet werden können.

Mittlerweile haben einige Startups, aber auch große Unternehmen wie die Deutsche Telekom das „Geschäft“ mit dem Sammeln alter Handys übernommen. Dazu kooperieren sie teils mit Vereinen und Umweltschutzorganisationen wie dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) und dem Bund Naturschutz (BN). So auch in Bernau, wo die Ortsgruppe des BN kürzlich 70 Handys innerhalb kürzester Zeit sammeln konnte.

Kleine Spende, aber große Wirkung

Die Bernauer Naturschützer haben die Geräte an die junge Kölner Firma Mobile Box verschickt. „Wir konnten die Box in der Apotheke aufstellen und hatten dabei die volle Unterstützung von Inhaberin Heidi Jungbeck“, erzählt Initiatorin Pia Ostler vom BN-Vorstand. „Inzwischen haben wir von Mobile Box die Rückmeldung, dass von den 70 Handys drei weiter verwendet werden können.“ Sie freut sich über die große Resonanz auf die Aktion. „Unser Ziel war es anfangs, 40 Handys zusammen zu bekommen“, erzählt Oster.

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Das Unternehmen habe die Rohstoffe ausgewertet, die nach dem fachgerechten Auseinandernehmen der Geräte übrig blieb: 1,68 Gramm Gold, 11,39 Gramm Silber und 552,75 Gramm Kupfer. Eingespart worden seien umgerechnet 34,80 Kilogramm CO2-Äquivalente und 8,40 Kilogramm sonstige Ressourcen.

70 Handys gesammelt

Mobile Box nimmt die gebrauchten Handys kostenlos an und gibt je nach Anzahl eine Spende an den Bund Naturschutz weiter. 19 Euro kamen durch die 70 Bernauer Handys zusammen. „Das ist nicht besonders viel“, gibt Ostler zu, dabei sei der Aufwand für die Sammelaktion hoch gewesen: „Es wurde leider auch anderweitiger, kleiner Elektroschrott wie Kabel und Fernbedienungen eingeworfen, den ich extra entsorgen musste.“ Lediglich Handyladekabel dürften mit rein, betont Ostler, und dass die Aktion weiterlaufe, solange die Apotheke die Box bei sich dulde.

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Wichiger als das Geld sei aber, meint Ostler, dass Geräte einer erneuten Nutzung zugeführt werden könnten, zumindest dass Rohstoffe gerettet würden. Sie rät, auf jeden Fall die alten Daten zu löschen: „Die Firma, mit der wir kooperieren, stellt dies aber auch selbst sicher.“

Jedes Jahr ein neues Handy?

Großes Vertrauen in ihren Kooperationspartner, die soziale Organisation Missio (Website: www.Missio-hilft.de/mitmachen), hat auch die Priener Initiative für eine Welt, die ihr Büro im Fair-Welt-Laden in der Geigensteinstraße betreibt. Almuth Königslöw nimmt dort gebrauchte Handys entgegen und sagt: „Wir haben unsere Aktion im April gestartet und jetzt ist unsere Sammelbox schon voll.“ Stetig wäre neuer Nachschub gekommen, und so soll es auch weitergehen.

„Der Gedanke, Handys zu recyceln, muss sich noch stärker durchsetzen“, ist Königslöw überzeugt. Damit verbunden sollte auch eine größere Wertschätzung gegenüber dem Konsum-Objekt Mobiltelefon. Es könne nicht sein, dass man jedes Jahr ein neues Modell brauche, ungeachtet der dabei verbrauchten Ressourcen.

Einen Teil des Schadens gut machen

Die in Prien gesammelten Handys schickt sie nach München zu Missio, wo pro Gerät zwei Euro zu Hilfsprojekten und an Waisenhäuser in den Kongo fließen: „Damit soll Schaden wieder gut gemacht werden, der beim Abbau von seltenen Erden für die Produktion verursacht wird“, spricht Königslöw das große Drama der Ausbeutung von Mensch und Natur in Afrika an. Selbst Entwicklungsminister Gerd Müller lobt das Engagement von Missio in einem Online-Video.

Gottesdienst zum Thema

Die Evangelische Kirche in Prien will dem Thema Handy im Herbst einen eigenen Gottesdienst und eine Aktion für Jugendliche widmen.

„Transparent und fair“, findet Almuth Königslöw, was mit den alten Handys geschieht und weiß aus eigener Erfahrung, dass ein gebrauchtes Smartphone zu nutzen, genauso zufrieden machen kann, wie ein neues zu kaufen. Mindestens.

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