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Diskussion und Stellungnahme – Grüne „preschen vor“

Bernauer Gemeinderat stellt sich beim Thema Wolf hinter die Bauern

Der Wolf ist gesetzlich streng geschützt. Nach mehreren Wolfsrissen im Chiemgau fürchten nun allgemein Landwirte um ihre Herdentiere.
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Der Wolf ist gesetzlich streng geschützt. Nach mehreren Wolfsrissen im Chiemgau fürchten nun allgemein Landwirte um ihre Herdentiere.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Auf Antrag eines Bernauer Landwirts hat sich der Bernauer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema Wolf beschäftigt. Ärgerlich reagierte Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) auf einen Antrag der Grünen.

Bernau – Sichtlich verschnupft reagierte Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) in der jüngsten Sondersitzung des Gemeinderats im Rathaus auf einen Antrag der Grünen-Fraktion zum Thema Wolf. Der war inhaltlich im Grunde abgekupfert von einem Beschluss des Grassauer Marktgemeinderats, den dieser zwei Tage vorher einstimmig verabschiedet hatte (wir berichteten). „Wir hätten uns noch gerne abgestimmt, anstatt vorzupreschen“, so die Bürgermeisterin. Der Bernauer Gemeinderat stimmte allen fünf beantragten Punkten einzeln mit unterschiedlichen Abstimmungsergebnissen zu.

„Schmücken mit fremden Federn“

„Das ist genau das, was auf der Wolf-Veranstaltung (im Gemeinderat Grassau, Anm. d. Red.) gesagt wurde, das sind nicht ihre Federn“, hielt Biebl-Daiber dem Grünen-Gemeinderat Josef Genghammer vor, der den Antrag eingereicht hatte. Dieser kommentierte diesen Vorwurf nicht. Der Bernauer Landwirt Christoph Kaufmann hatte bei der Gemeinde schriftlich einen Antrag gestellt, im Gemeinderat über das Thema Wolf zu diskutieren. Er war bei der Sitzung anwesend und durfte sich selbst dazu äußern.

Er sprach beim Wolf von einem „völlig neuen Problem“ und sagte: „Wir brauchen weiterhin Weidetierhalter in Bayern.“ Almen, Wiesen und Weiden werden von den Tieren gepflegt. Außerdem hielt Kaufmann die gepflegte Landschaft als wichtig für den Tourismus. Er bat das Gremium um eine Grundsatzdiskussion: „Es kann nicht sein, dass die Wolfs-Übergriffe geduldet werden. Unsere Tiere sind auch etwas wert!“ Außerdem warnte er davor, dass auch Menschen zu Schaden kommen könnten durch den Wolf. Er argumentierte: „Die Entnahme von einem Wolf ist nicht die Lösung, morgen ist ein anderer da, ganz zu schweigen von der Rudelbildung.“

Jakob Müller (CSU) schloss sich den Worten Kaufmanns „voll an“. Er forderte ein „gescheites Management“. Franz Schnaiter (CSU) warnte vor einem starken Anstieg der Wolf-Population. Er sprach von Herzblut und Leidenschaft, die die Landwirte für ihre Tiere hätten. Die Landwirte seien auf die landwirtschaftlichen Flächen angewiesen. Almen nannte er einzigartige Biotope. Beim Wolf sei man „meilenweit von der Ausrottung entfernt“. Wenn der Alpenraum nicht zu einer wolfsfreien Zone erklärt werde, werden die Almbauern aufgeben, prophezeite Schnaiter. Woraufhin Genghammer erwiderte: „Eine wolfsfreie Zone gibt die Gesetzeslage nicht her.“ Dem pflichtete Dr. Andreas Lang-Ostler (BL) bei.

Gefahr für die Alm- und Forstwirtschaft

Thomas Deinzer (SPD) erklärte: „Der Tierschutz muss auf beiden Seiten gesehen werden. Wir leben in einem dicht besiedelten Gebiet.“ Er kündigte an, den Antrag zu unterstützen.

Biebl-Daiber hatte zur Einführung in den Tagesordnungspunkt die Situation ausführlich erklärt. Sie sprach davon, dass nach vermehrten Rissen im Hochfellngebiet und Sichtungen in bewohnten Gebieten der Wolf mittlerweile neben der Gefahr für die Alm- und Forstwirtschaft auch eine Bedrohung für die Bevölkerung darstelle.

Aus diesem Grund habe der Traunsteiner Landrat Sigi Walch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Fortsberechtigten im Chiemgau einen Antrag zur Entnahme einzelner Tiere eingereicht. „Durch eine Unterstützung des Antrags könnte der Gemeinderat seine Solidarität mit den betroffenen Alm- und Landwirten bekunden“, so Biebl-Daiber.

„Sorgen der Bauern nachvollziehbar“

Wölfe seien gesetzlich streng geschützt, eine Bejagung sei verboten, eine Genehmigung zum Abschuss nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen denkbar. Zuständig ist dafür die Regierung von Oberbayern als Höhere Naturschutzbehörde. „Natürlich sind die Sorgen und Ängste der betroffenen Alm- und Landwirte, durch das vermehrte Auftreten von Wölfen nachvollziehbar“, so die Bürgermeisterin.

Besseres Management, Schutzmaßnahmen und Ansprechpartner einstellen:

Mit 10:4 beschloss der Bernauer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, den Antrag der Forstberechtigten auf Entnahme von einzelnen Wölfen zu unterstützen. Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) ließ anschließend über jeden einzelnen Punkt aus dem Grünen-Antrag entscheiden. Mit der Gegenstimme von Gerhard Jell (CSU) simmte das Gremium im Sinne der Daseinsvorsorge für die Bürger der Entnahme eines echten Problemwolfs zu. Bei 11:3 Stimmen sprach sich der Gemeinderat dafür aus, den Freistaat Bayern aufzufordern, das Wolfsmanagement und die Wolf-Schutzmaßnahmen besser zu fördern. 8:6 lautete das Ergebnis, vom Freistaat zu verlangen, die Haftpflicht für die Tierhalter zu übernehmen, wenn Schäden durch Tiere auf der Flucht vor einem Wolf entstehen. Mit 12:2 befürwortete der Gemeinderat, dass sich das Landesamt für Umweltschutz besser mit Bauern und Naturschutzverbänden abstimmen soll. Außerdem seien Belange der ökologischen Weidetierhaltung besser mit dem Wolfsmanagement abzugleichen. Einstimmig war der Gemeinderat dafür, dass der Landkreis Rosenheim eventuell gemeinsam mit den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land eine sachkundige Person als Ansprechpartner für Betroffene einstellt. Diese Person soll Landwirte und Bürger hinsichtlich dem Verhalten gegenüber dem Wolf, über Schutzmaßnahmen und Förderungen beraten.

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