Nach der Überflutung im August

Bernau will Schutzkonzept gegen Hochwasser, aber auch Sofortmaßnahmen anpacken

Die farbig markierten Flächen sind Problemzonen bei Hochwasserereignissen. Klinger
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Die farbig markierten Flächen sind Problemzonen bei Hochwasserereignissen. Klinger
  • vonElisabeth Kirchner
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Anfang August wurde Bernau vom Hochwasser schwer getroffen. Die Schäden an Bachläufen und Wegen sind heute noch unübersehbar. Im Gemeinderat ging es in der jüngsten Sitzung um kurz- und langfristige Konsequenzen aus der Katastrophe.

Bernau – Ein großflächig angelegtes Schutzkonzept soll der Kommunalpolitik Orientierungshilfe geben, Gefahrenpotenzial zu minimieren. Mit Zwei-Drittel-Mehrheit beschloss der Rat, Angebote für ein Schutzkonzept einzuholen. Die Kosten dafür können mit bis zu 75 Prozent gefördert werden. Zudem soll beim Ortsteil Hafenstein der schwer beschädigte Bachlauf wieder hergestellt werden.

Schutz an Bernauer Ache laut WWA ausreichend

Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) hatte vor der Beschlussfassung die Ergebnisse eines Treffens mit dem Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim zusammengefasst und die Problembereiche auf einer Grafik schematisch dargestellt. Für die Bernauer Ache habe das WWA die Schutzmaßnahmen, insbesondere die Dämme als ausreichend angesehen. Die Ache war im Bereich des Hotels Farbinger Hof über die Ufer getreten und hatte dort einen Millionenschaden verursacht. Wegen der Generalsanierung ist das Hotel seitdem geschlossen. Für den Bereich des Hotels seien Gemeinde, WWA und Betreiber im Austausch, erklärte Biebl-Daiber auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung.

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Das Hotel Farbinger Hof an der Bernauer Ache hatte das Hochwasser im August besonders schwer erwischt. Der Schaden geht in die Millionen.

WWA-Vertreter hatten beim Treffen darauf hingewiesen, dass es nie einen 100-prozentigen Schutz geben könne. Schutzmaßnahmen der Behörde orientieren sich immer am so genannten 100-jährlichen Hochwasser - einer Katastrophe, wie es hochgerechnet anhand verfügbarer Daten statistisch nur alle 100 Jahre in dieser Ausprägung vorkommt.

Im Bereich Bernauer Bach sei ein Rückhaltebecken angedacht und geeignet. Hier liege aber noch kein Grunderwerbsplan vor, fasste Biebl-Daiber die Situation dort zusammen.

Am Hafenstein sei die Gemeinde für die Behebung des Schadens verantwortlich. Dort sei der Bach ausgewaschen. Der ansonsten kleine und harmlose Bach, der im Bereich der Gedererwand im Kampenwandgebiet entspringt, hatte Anfang August große Massen Geröll ins Tal gespült. Das WWA habe vorgeschlagen, eine Fachfirma einzuschalten, um den Bachlauf in Stufen wieder herzustellen. Eine erste grobe Kostenschätzung belaufe sich auf 100 000 Euro.

Mehrere Hänge kamen im August ins Rutschen

Weitere Probleme bereiten die Hänge bei Osterham und Kraimoos/Stocka, die durch die Wassermassen ins Rutschen geraten seien. Deren Sicherung liege beim Eigentümer, erläuterte die Bürgermeisterin. Beim Ortstermin mit dem WWA habe sich die Behörde bereit erklärt, den Kiesfang bei Kraimoos zu räumen.

Was den Bereich Hittenkirchen/Prien und Kumpfmühle betreffe, so werde wohl die Nachbargemeinde Prien die notwendigen Reparaturarbeiten übernehmen, weil diese davon mehr betroffen sei als Bernau, so Biebl-Daiber.

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Severin Ohlert (Grüne) regte an, dass die Gemeinde Regenwasserspeicher auf privatem Grund fördern könne. Diese hätten schließlich eine Pufferwirkung. Biebl-Daiber entgegnete, dass die Oberflächenentwässerung auf privatem Grund eine Pflichtaufgabe der Eigentümer sei.

Gemeinderat spricht sich für Hochwasser-Gutachten aus

Jakob Müller (CSU) forderte, dass die Ausräumung des Auslaufs der Bernauer Ache in den Chiemsee gewährleistet werden müsse, sonst staue sich das Wasser bis zur A8 zurück. Seiner Ansicht nach könne man das Gebiet Hafenstein „billiger“ wieder herstellen. So müsse man mit den betroffenen Landwirten bezüglich der Schwachstellen sprechen und dann dort Steine mit Hilfe des Bauhofs setzen.

Franz Praßberger (ÜWG) befand, dass Hangrutsche nicht einfach auf den Anlieger zurückfallen sollten. Da brauche es eine „vernünftige Lösung.“ Mit zwölf von 17 Stimmen beschlossen die Gemeinderäte, ein Gutachten erstellen zu lassen.

Peter Pertl (CSU) forderte dennoch schon jetzt aktive Maßnahmen: „Wir wissen ja, wo es hakt.“ Die Bürgermeisterin befürwortete das. Man könne ja beides parallel laufen lassen. Jakob Müller sprach sich dafür aus, auch die Anlieger mitzunehmen und Georg Bauer (Bernauer Liste) regte noch an, den Berghamer Bach schon von der Wolfsschlucht an anzugehen.

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