Bernau: Autor und Kriminalbeamter Werner A. Korn ist dem Bösen in mancher Form begegnet

Simulation einer Verhaftung außerhalb eines Gebäudes mit der Waffe im Anschlag.
  • vonKlaus Bovers
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Einst war Werner A. Korn der jüngste Kriminalbeamte in Bayern, später Sonderfahnder und heute obendrein Krimiautor. Dazwischen ist er dem Bösen noch in so mancher Form begegnet, mit der Fantasie seiner Autorenkollegen war das aber selten vergleichbar.

Bernau – Manche Krimis von Werner A. Korn tragen bereits auf dem Umschlag, quasi als Genre-Einordnung, den Vermerk: Praxisorientierter Kriminalroman. Und das hat den ganz einfachen Grund, weil ihr Autor aus der Praxis kommt, kurz gesagt: Er war Polizist. Das ist mittlerweile viele Jahrzehnte her und spielte sich in München in der „Ettstraße“ ab, dem Schauplatz unzähliger Film-, TV- und Buch-Krimis.

„Der Bua kommt a mal zu mir“, sagte zur Mutter der Großonkel, der dortmals Kriminaldirektor in München war. Und weil der Werner als Schüler der früheren Priener Oberrealschule immer schon ein wenig neidisch auf seine bereits Geld verdienenden und Mofa fahrenden Spezln schaute, schlug er ein. Seiner Mutter war das als allein verdienender „Kriegerwitwe“ durchaus recht und so kam es, dass er 1965, nach Abschluss der üblichen Ausbildung, mit 24 Jahren als Bayerns jüngster Kriminalbeamter im Mittleren Dienst seine Laufbahn begann.

Zur Polizei, um den Bund zu umgehen

Für den jungen Werner (Jahrgang 1941) gab es noch einen Grund, zur Polizei zu gehen: Er konnte auf diese Weise „den Bund“ umgehen, was mit der Familiengeschichte zu tun hatte. Seine Großeltern wurden während des NS-Regimes aus Glaubensgründen verfolgt und inhaftiert, ihre Kinder waren auf sich gestellt und sein Vater ist noch in den letzten Wochen des Krieges gefallen.

Werner A. Korn begutachtet in seinem Bernauer Büro seinen neuen Krimi „Verhängnisvolles Verlangen“. Bovers/Korn

Schon früh war ihm deshalb jede Art von militärischer Autorität mehr als verdächtig. Pech für ihn, dass ein Teil seiner Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei „damals regelrecht paramilitärisch“ ablief, wie er sich erinnert. Er wollte dort eigentlich zu den Funkern, landete aber bei den MG-Schützen.

Diese Herausforderung hat er locker bewältigt, wohl auch deshalb, weil er eine überwiegend nüchterne Sicht auf die Dinge hat und nicht sofort alles bis ins Letzte hinterfragt.

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Da stellt sich die Frage: Kann man mit einem eher prosaischen Blick auf die Welt spannende Krimis schreiben? Seine Autorenkollegen gehen eher den Weg über die blühende Fantasie, doch für Werner A. Korn ist die nüchterne Sicht auf die Realität typisch.

Bei ihm ist das Verbrechen immer eindeutig böse, heimliche Faszination kommt genau so wenig vor, wie die sonst so beliebten Marotten und skurrilen Lebensläufe bei den Ermittlern. Die sind bei ihm zielstrebig, kennen die Vorschriften und kollidieren so gut wie nie mit ihren Vorgesetzten. Wenn sie das Böse besiegen, dann haben sie halt „erfolgreich gearbeitet“.

Für Krimi-Leser fällt das ein wenig aus dem Rahmen, diese Art von Spannung muss man mögen, doch so ganz ohne kann sie nicht sein. Immerhin hat er in den Neunzigern für den damals berühmten Medienmanager Josef von Ferenczy eine Serie erfolgreicher Kurzkrimis für die Bunte geschrieben. „Ferenczy fand meinen Polizeihintergrund interessant und vielversprechend,“ erinnert sich Korn, „und geschrieben hatte ich vorher auch schon, zum Beispiel für die Fachzeitschrift ‚Der Kriminalist‘. Über Vernehmungstechnik und solche Sachen.“

Auftraggeber waren auch Prominente

Den großen Ferency lernte er auf einem von dessen berühmten Faschingsbällen in München kennen, allerdings schon als freier Unternehmer und Detektiv.

Denn nach 13 Jahren in der Münchner Ettstraße, bei Sitte, Betrug, Einbruch und Sonderfahndung, war für ihn mit der Besoldungsstufe Obermeister Schluss. Die finanziell trüben Aussichten motivierten ihn dazu, sich selbstständig zu machen.

Mit 24 Jahren der jüngste Kriminalbeamte Bayerns.

Seine neuen Arbeitgeber waren Versicherungen, Ladenketten, Kanzleien, darunter auch die von Rolf Bossi. Für diese Kundschaft löste er Fälle, recherchierte im Milieu und verkaufte in Seminaren den richtigen Umgang mit Sicherheit. Unter seinen Auftraggebern waren auch Prominente wie der Sultan von Oman, dessen Sommer-Residenz bei Garmisch er mit einer kleinen Privatarmee absichern durfte.

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Ein paar wertvolle Manschettenknöpfe erinnern den Unternehmer Korn an den besonderen Job. 1998 starb seine Mutter. Sie hatte als gelernte Modistin lange beim ältesten Hutmacher in Prien gearbeitet, bis sie als „Huaderin“ dann in Bernau für viele Jahre mit einem Geschäft für Mode- und Kurzwaren selbstständig wurde.

Nach ihrem Tod begann für Sohn Werner allmählich der Umzug von München zurück in den Chiemgau. Viel Zeit brauchte allein die Renovierung des geerbten Hauses in der Chiemseestraße, in dem er heute mit seiner Frau Petra lebt. So wurden die Kontakte zu seiner Kundschaft mit der Zeit dünner, das Business mit der Sicherheit schlief ein und die alten Kollegen von der Polizei sah er kaum noch.

Erinnerungen sind noch sehr lebendig

Doch die Erinnerungen sind noch lebendig genug, um als Stoff und „wahrer Kern“ für seine Krimis zu dienen. Gefragt, wo es denn nun eigentlich schlimmer zugeht, in den Krimis oder in der Realität, ist es für ihn eindeutig und immer noch die Wirklichkeit. „Als Kriminaler brauchst du schon ein Kreuz.“ Sagt er nachdenklich und geht nicht weiter ins Detail. Er ist froh, das alles hinter sich zu haben, inklusive Einfluss und „Druck von oben“. Der ist offenbar nicht nur ein beliebtes Krimi-Klischee, sondern real, wenn auch höchst inoffiziell.

Ehepaar als kreatives Autorenduo

Druck von oben gibt es im Haus in der Chiemseestraße keinen, auch wenn Werner sein Büro im Souterrain hat. Das Haus strahlt Frieden aus, denn Werner und Petra leben hier als kreatives Autorenpaar: Von ihm gibt es Theaterstücke, sie illustriert seine Kinderbücher, schreibt selber den Ratgeber „Heimische Heilpflanzen“, und dann sind da natürlich die Krimis. „Schreiben ist unser Familienhobby. Wir leisten uns das,“ sagt Werner stolz. „Zum Glück habe ich mit Druck und Terminen nichts mehr zu schaffen.“ Beneidenswert.

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