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Bauprojekte ruhen

Millionen-Invest steht auf der Kippe: Warum der Medical-Park-Chef nun nicht mehr in Bernau investieren will

Ulf Ludwig, CEO von Medical Park, will künftig nicht mehr in Bernau investieren.
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Ulf Ludwig, CEO von Medical Park, will künftig nicht mehr in Bernau investieren.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Kein eitler Sonnenschein am Chiemsee: Zwischen der Gemeinde Bernau und seinem größten Arbeitgeber am Standort, der Medical Park, herrscht Missstimmung. Dadurch steht jetzt ein Millionen-Invest auf der Kippe.

Bernau - Im November lehnte der Gemeinderat Bernau die Planungen des Medical Parks Chiemseeblick für einen Erweiterungsbau ab. Und auch wenn sich die Klinik gute Chancen ausrechnet, das Veto der Gemeinde juristisch kippen zu können, will das Unternehmen in der Gemeinde künftig nicht weiter investieren.

Neubau mit 80 Zimmern

„Als größter Arbeitgeber der Gemeinde verstehen wir die sachgrundlose Ablehnung der Gemeinde Bernau für unser Neubau- und Erweiterungsprojekt im Medical Park am Chiemsee nicht“, kommentiert der Vorsitzende Geschäftsführer des Medical Park, Ulf Ludwig, die Entscheidung des Gemeinderats. Der hatte sich schon im November vergangenen Jahres in nicht öffentlicher Sitzung gegen die vorgelegten Pläne der Klinik zur Erweiterung ausgesprochen.

Bislang plante die Gruppe auf ihrem Anwesen am Medical Park Chiemsee einen Neubau mit 80 Zimmern, um damit die Behandlungskapazitäten der Fachklinik für orthopädische Rehabilitation von 245 auf 325 Betten zu vergrößern. Hierfür sollte die bisherige Tennis- und Therapiehalle weichen und das Areal begrünt werden, „um keine weiteren Flächen zu versiegeln“, wie es vonseiten des Medical Parks heißt. Am Medical Park Chiemseeblick, nordwestlich besagter Halle, hatte die Gruppe zudem vor, weitere 209 „Rehabilitationszimmer“ zu errichten.

80 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren am Standort bereits investiert, 50 bis 60 Millionen Euro wären mit dem Neubau noch hinzugekommen, so Medical Park.

Hohe Kosten für Medical Park Chiemseeblick

Von beiden Vorhaben will das Unternehmen aber nun absehen. Denn Medical Park geht davon aus, dass die Projekte durch die Ablehnung im Gemeinderat nicht „wirtschaftlich darstellbar“ seien. Die höheren Kosten zur Entwicklung am Medical Park Chiemseeblick durch den Erhalt der historischen Gebäudestruktur seien nur mit dem Erweiterungsbau für die Orthopädie vertretbar.

Doch augenscheinlich ist es nicht nur die Koppelung beider Bauten , sondern auch der Standort, der der Gemeinde Bernau Probleme bei der Zustimmung bereitet hat. „Geplant wäre die Errichtung von zwei Häusern gewesen, flächengleich zur bestehenden Therapiehalle. Die Häuser hätten sich allerdings deutlich näher an den bestehenden Klinikgebäuden befunden als die bestehende Therapiehalle“, antwortet Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Im Gemeinderat wiederum sei die dichte Bebauung des Areals rund um das Chiemseeufer Kritikpunkt gewesen.

Nicht-öffentliche Debatte

„Die Ertüchtigung und Erweiterung des Alpenparks (ehemaliges Parkhotel) als Klinik wäre allerdings aus Sicht des Gemeinderates durchaus vorstellbar gewesen. Leider konnte Herr Ludwig nicht überzeugt werden, nur diesem Vorhaben näherzutreten“, sagt Biebl-Daiber.

Vonseiten der Gemeinderäte hält man sich bisweilen mit Aussagen bedeckt. Auch, weil die Diskussion im November in nicht-öffentlich stattfand. So verweist Gemeinderat Thomas Deinzer für die SPD-Fraktion wegen der Debatte außerhalb der Öffentlichkeit auf die Aussagen Biebl-Daibers. Die eigentliche Fraktionschefin Kathrin Hofherr hält sich komplett bedeckt. Sie ist Angestellte bei Medical Park.

Zwei Bauvorhaben hat Medical Park der Chiemseegemeinde Bernau vorgestellt, die Gemeinderäte sind mit den Plänen des Unternehmens jedoch nicht einverstanden. 

Auch der CSU-Fraktionschef im Bernauer Gemeinderat, Gerhard Jell, erinnert an die Verschwiegenheitspflicht der Gemeinderäte in dieser Sache. Die Umnutzung der bestehenden Therapiehalle für den Neubau sei ein Vorschlag aus dem Gemeinderat gewesen, zumal die Halle nie für Therapiezwecke genutzt worden sei. Lediglich in jüngster Zeit seien dort Möbel ausgelagert worden. „Die Unterstützung der Gemeinde war also sehr wohl gegeben“, sagt Jell.

Noch deutlicher wird der Fraktionschef der Bernauer Liste, Dr. Andreas Lang-Ostler: „Die Firma Freiberger (Ernst Freiberger ist der Hauptgesellschafter von Medical Park, Anm. d. Red.) hat bisher die Gemeinde immer an der ‚Nase herumgeführt‘ und die Mehrheit der Gemeinderäte, also CSU und SPD, Mittelstand und Freie haben es mit sich machen lassen“, lautet die harsche Kritik.

„Baulicher Schandfleck“

Am einstigen Hotel der Amerikaner, das im Eigentum von Medical Park steht, gebe es ausreichend Entwicklungsmöglichkeiten für das Unternehmen, findet Lang-Ostler. Damit könnte auch der „bauliche Schandfleck“ in einem sensiblen Chiemsee-Uferbereich wieder zugänglich gemacht werden.

Der Grünen-Fraktion erschien der angedachte Neubau für die Tennis- und Therapiehalle zu groß und „fehl am Platz“, wie deren Fraktionssprecher Severin Ohlert auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen schildert. „Es fehlten auch Bestrebungen, den Bau nach neuesten ökologischen Gesichtspunkten zu konstruieren“, sagt er. Vor allem wollten die Grünen laut Ohlert mit ihrem Veto erreichen, dass der Seezugang der Öffentlichkeit auch weiter erhalten bleibt.

„Die Gemeinde hat bereits in der Vergangenheit den Fehler gemacht, unsere Filetstücke am See einem einzelnen Großkonzern zu überlassen.“

Den Bedenken der Gemeinderäte sei Medical Park zwar entgegengekommen, aber die Bedenken der Grünen habe man nicht ausgeräumt. Zu guter Letzt bezieht sich auch der Grünen-Fraktionschef ebenso auf die Koppelung beider Bauvorhaben, welche Medical Park zur Bedingung gemacht hat: „Der Gemeinderat und besonders wir von den Grünen dürfen und sollten uns niemals von so etwas erpressen, geschweige denn einschüchtern lassen.“

Nicht vor Gericht ziehen

Nach dem Gemeinderatsbeschluss vom November, gab es seitens der Klinik-Gruppe offenbar noch Nachverhandlungen mit Vertretern Bernaus, wie sowohl der Sprecher der Gruppe, Heiko Laske, als auch Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) bestätigen. Eine Einigung gab es freilich keine, auch wenn es für Bernau bedeutet, auf Mehreinnahmen aus dem Kurbeitrag verzichten zu müssen. Von einem Betrag von 70.000 Euro pro Jahr spricht Bernaus Rathauschefin.

Und auch wenn sich Medical Park juristisch gute Chancen ausrechnet, bei einem Rechtsstreit gegen den Beschluss zu obsiegen, will man die Sache nicht vor Gericht bringen. Man wolle auch künftig noch mit der Gemeinde vernünftig zusammenarbeiten können. Oder wie Ulf Ludwig es formuliert: „Eine Erweiterung unserer Standorte in Bernau hat nur Sinn, wenn die Gemeinde unsere Pläne unterstützt.“

Jetzt am Donnerstag (12. Mai 2022) steht zumindest das geplante Bettenhaus am Medical Park Chiemsee erneut auf der Tagesordnung des Gemeinderats.

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