Bernau: Vier Bürgermeisterkandidaten sagen Teilnahme an Podiumsdiskussion ab

Zwei Bernauer Bürgermeisterkandidaten (Grüne und BL) werden heute Abend an der Podiumsdiskussion des Bunds Naturschutz teilnehmen. Die vier weiteren Bewerber um den Chefsessel im Rathaus haben abgesagt. Eine kurzfristige Teilnahme ist aber laut Veranstalter noch möglich. Klinger
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    vonSilvia Mischi
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Lediglich zwei der sechs Bernauer Bürgermeisterkandidaten werden heute Abend an der Podiumsdiskussion teilnehmen. Diese wird – wie schon auch vor sechs Jahren bei der letzten Kommunalwahl – vom Bund Naturschutz (BN) organisiert. Begründung der Parteien: eine Verquickung des Bunds Naturschutz zum Amtsinhaber.

Bernau – Bei Bei Peter Kasperczyk, Kreisvorsitzender des Bunds Naturschutz sowie Bernauer Bürger, stoßen die Absagen von CSU, SPD, ÜWG und WMG auf Unverständnis, da die Kommunalwahlen größten Einfluss auf die Bewahrung der Natur in der Gemeinde haben. „Eine Veranstaltung dieser Art ist aktuell auch landesweit auf unserer Agenda, da die jetzige Wahl die Weichen für den Klimawandel stellt“, erklärte er.

Spontane Teilnahme noch möglich

Schließlich solle nach den Vorstellungen der bayerischen Staatsregierung Bayern bis spätestens 2050 das erste klimaneutrale Bundesland werden. „Das CO2-Äquivalent der Treibhausgasemissionen je Einwohner soll bis zum Jahr 2030 um mindestens 55 Prozent gesenkt werden, bezogen auf den Durchschnitt des Jahres 1990“, so Kasperczyk.

Um diese Ziele zu erreichen, müssten in der neuen Legislaturperiode auch in den Gemeinden die Weichen dafür gestellt werden. „Sollten Sie sich doch noch dazu entscheiden, auch kurzfristig, an der Podiumsdiskussion teilzunehmen. Sie sind immer noch willkommen“, betont er auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Bürgermeisterkandidatin der CSU und die Bürgermeisterkandidaten von SPD, ÜWG und WMG begründen indes ihre Absage in einer gemeinsamen Stellungnahme unter anderem wie folgt: „Da der Bürgermeister vor seinem Amtsantritt Vorsitzender des BN in Bernau war, ist hinsichtlich der Fragestellungen des BN keine Neutralität zu erwarten. Bei einem neutralen Veranstalter hätte durchaus das Interesse der Teilnahme bestanden.“ Die Fragen, die durch den BN vorbereitet worden seien, spiegelten die Komplexität der kommunalen Themen in Bernau keineswegs wider, da sie lediglich auf den Klimaschutz bezogen seien. „Keines der weiteren bedeutenden Themen wie Wohnraum, Verkehrssituation und Infrastruktur oder die Ortsgestaltung sind aber enthalten“, führen die

„Absager“ an.

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Sie betonen aber, dass ihnen allen der Klimaschutz und die landschaftsverträgliche Entwicklung Bernaus am Herzen liegen würden. Zudem sei für die Fragestellung des Beitrages zum Klimaschutz eine umfassende Diskussion im Gemeinderat und in der Bürgerschaft erforderlich. Eine Behandlung dieses umfassenden Themas bei einer Podiumsdiskussion mit eingeschränktem Zeitfenster entspricht nicht unserer Haltung und Wertschätzung dem Bürger gegenüber.

Neutralität wird angezweifelt

„Die Bewerberin der CSU und die Bewerber der SPD, ÜWG und WMG stellen ausdrücklich nochmals heraus, dass bei einem neutralen Veranstalter einer Podiumsdiskussion mit auf die Gemeinde themenbezogenen Inhalten hier durchaus Interesse bestanden hätte. Bedenklich ist in diesem Zusammenhang auch, dass der noch amtierende Bürgermeister der Bernauer Liste für die Veranstaltung des Bund Naturschutz alternative Termine vorschlug, um diese mit allen Mitteln durchzusetzen“, heißt es in Ihrem Schreiben.

Allein dies lasse erhebliche Zweifel an einer neutralen und für die Bürger informativen Veranstaltung aufkommen.

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„Entschieden zurückgewiesen wird von den nicht teilnehmenden Bewerbern eine Aussage des Bürgermeisters, dass man Angst habe, sich den Fragen der Bürger zu stellen. Alle nicht teilnehmenden Parteien und Gruppierungen haben Vorstellungsveranstaltungen und Informationsstände angeboten und tun dies noch. Bei diesen Gelegenheiten hatten alle Bürger die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit den Bürgermeisterkandidaten und der Kandidatin ins Gespräch zu gehen. „Wer nicht will, der hat schon“ lautet die Antwort auf die vierfache Absage vonseiten des Bernauer Grünen-Vorsitzenden, Sepp Genghammer. Der Grüne-Bürgermeisterkandidat Severin Ohlert sei heute Abend fix dabei und stelle sich den Fragen des BN und der Bürger im Rahmen der Diskussion.

Bürgermeister Philipp Bernhofer und Kandidat der BL ist ebenfalls am Podiumstisch vertreten. „Alle Kandidaten haben meines Wissens im Vorfeld die Fragen zugesandt bekommen. Ich verstehe die Absagen nicht“, so Bernhofer. Angesprochen auf die Vorwürfe der Verquickung wegen seines früheren Vorsitzendenpostens beim Bund Naturschutz: „Dieses Argument ist mir neu und außerdem hat es vor sechs Jahren bereits eine derartige Veranstaltung gegeben.“

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