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Wochenmarkt in Bernau und Unterwössen

Erst Corona, dann die Energiekrise – wie lange halten das die Wochenmärkte noch aus?

In Bernau auf dem Wochenmarkt präsentiert Marianne Dörrer vom Donisihof  eine Flasche Eierlikör aus eigener regionaler Fertigung
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Marianne Dörrer vom Donisihof aus Stephanskirchen kommt seit sechs Jahren auf den Wochenmarkt in Bernau. In letzter Zeit hat sich viel getan.
  • Oliver Lang
    VonOliver Lang
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Corona hat viele Menschen an zu Hause „gefesselt“. Die aktuelle Krise zwingt viele Menschen zu Sparmaßnahmen. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich auf den Wochenmärkten in Bernau und Unterwössen umgehört, welche Folgen das für die Marktleute hat.

Bernau/Unterwössen – 11 Uhr vormittags an einem Donnerstag neben dem Bernauer Rathaus. Hier findet seit sechs Jahren wöchentlich ein Markt statt. Fünf, sechs Stände finden sich hier regelmäßig ein, um ihre meist regionalen Waren anzubieten. Es ist kein großer Wochenmarkt, doch die Käuferschaft sei treu, so Marianne Dörrer (59), die hier bereits im sechsten Jahr Eierspeisen vom Donisihof verkauft. Sie ist der Altenteiler, ihr Sohn führt den Hof. „Ich mach halt den Markt. Mit Leidenschaft“, schildert sie lächelnd ihre Motivation.

Auswirkungen von Corona und der Energiekrise

Auf die Frage, ob sich das Einkaufsverhalten in den letzten Wochen und Monaten, in denen das Thema Energiekrise – und die damit zusammenhängenden Preissteigerungen beim Kraftstoff, bei Gas und Strom – immer greifbarer wurde, geändert habe, kommt eine überraschende Antwort: „ Also die letzte Zeit nicht. Aber wo Corona angefangen hat, schon. Da war ein deutlicher Sprung nach oben spürbar.“ Jetzt würde es wieder normal laufen.

„Da hat man ja selber kochen müssen“

Etwas nachdenklich fügt sie hinzu: „Das liegt vielleicht daran, dass so viele daheim waren. Die Kinder waren ja auch daheim. Da hat man selber kochen müssen.“ Der Sprung nach oben sei zu Corona-Anfangszeiten „riesig“ gewesen.

Preiserhöhungen bleiben nicht aus

Die Preise hätte man aber trotz der guten Zeit, welche die Marktleute in letzter Zeit erlebten, dennoch erhöhen müssen. Pro Ei sind nun fünf Cent mehr fällig. Das sei eine direkte Folge der Energiekrise, so Marianne Dörrer. „Die Futterkosten, der Strom und der Diesel sind ja zum Teil aufs Doppelte gestiegen. Brutal!“ Die Hühner hätten eine Bodenheizung, damit die Temperatur im Winter konstant bleibt und nichts feucht wird. Diese könnte man zum Glück mit der eigenen Hackschnitzelheizung betreiben. Doch der Treibstoff für die Landmaschinen wie den Mähdrescher und die Futterpreise hätten sich massiv verteuert.

Futter kostet seit der Energiekrise doppelt so viel

Früher hätte man beim Donisihof den selbst geernteten Mais und Weizen an den Futterhersteller verkauft und von diesem im Gegenzug das fertige Futter bezogen. Bei den aktuell doppelt so hohen Futterkosten im Vergleich zur Zeit vor der Energiekrise ginge das jedoch nicht mehr. „Jetzt füttern wir wirklich unser Futter. Alles andere ist nicht mehr tragbar“, so die 59-Jährige. Nur das genfreie Donau-Soja würde man aktuell noch einkaufen.

Hohe Investitionen als Folge der massiven Preissteigerungen

„Wir investieren nun große Summen in Anlagen, um das Futter selber herzustellen und zu mischen“, berichtet die begeisterte Marktfrau, „nur andersrum müssten wir fürs Ei 60 Cent verlangen, wenn wir das Futter wie zuvor zukaufen würden.“ Von daher wären diese Investitionen sinnvoll.

Handel macht wenig für kleine Betriebe

Einige Betriebe würden die Krise nicht so gut überstehen wie der Donisihof, der alles selber vermarkten würde, erzählt Marianne Dörrer von den Nöten anderer landwirtschaftlicher Unternehmen. „Ich kenne auch ganz viele Betriebe, die für den Handel produzieren. Und der Handel macht nix. Wenn man nur 15 Cent fürs Ei bekommt, das geht halt nicht“, fasst Dörrer ihre Überzeugung zusammen.

Verständnis statt Schock

Die L-Eier kosten beim Donisihof jetzt 35 Cent, die M-Eier 30 Cent. Doch die allermeisten Kunden würden die Preissteigerung ohne zu Murren hinnehmen. Im Vergleich zu dem „Schock an der Tankstelle“ seien die Preissteigerungen ja kaum spürbar. Die Lust am Markt lässt sich Marianne Dörrer ohnehin nicht nehmen. Die Menschen auf dem Markt wären das Schöne: „Man kennt sich, man erfährt was, man gibt was zurück, man lernt was. Das gefällt mir einfach wahnsinnig gut!“

„Kunden, die auf Qualität setzen, kommen auch weiterhin auf den Markt“, so die Hoffnung von Jonas Brandstätter (23) vom Hofladen „Federvieh und Feines“.

Andernorts mehr Bedacht beim Einkauf

Jonas Brandstätter (23) von „Federvieh und Feines“ aus Traunstein besucht unter anderem den Markt in Unterwössen regelmäßig. Er habe seit Beginn der Energiekrise schon ein verändertes Kaufverhalten festgestellt: „Es wird jetzt mit mehr Bedacht gekauft. Die Leute fragen mehr nach den Preisen.“ Das sei aber auch nachvollziehbar, führt Brandstätter aus. Denn natürlich hätte man die Preise aufgrund der „extrem raufgegangenen“ Futtermittelkosten und Energiepreise erhöhen müssen.

Was muss sein und was nicht?

Bei gängigen Lebensmitteln wie Nudeln oder Putenschnitzeln wäre der Absatz relativ stabil geblieben. Nur bei den etwas „luxuriöseren Waren“ wie Gänsen oder Enten wären die Marktbesucher seiner Beobachtung nach etwas zurückhaltender. Gerade hier seien die Mehrkosten für den erzeugenden Betrieb – und entsprechend auch die Verkaufspreise – höher, da Gänse und Enten besonders lange aufgezogen werden.

Akzeptanz und Qualitätsbewusstsein

Doch auch Jonas Brandstätter hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten Marktbesucher die Preissteigerungen akzeptieren. Und schließlich: „ Wir müssen unseren Preis verlangen. Ein Nullgeschäft können wir nicht daraus machen.“ Und von einem ist er noch überzeugt: „Märkte gab es schon immer und wird es auch immer geben.“

Kennt nur die Krise, ist persönlich aber weitestgehend zufrieden – Julia Nowak (27) vom Sprossen-Stand „Pflanzerl“, der erst vor gut einem Jahr gegründet wurde auf dem Wochenmarkt in Unterwössen.

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