Bernau und Übersee kämpfen gegen das Parkchaos: App meldet jetzt volle Parkplätze

So voll wie heuer wars noch nie am See, sagen viele Einheimische nach dem Corona-Sommer, in dem viele Deutsche Urlaub in heimischen Gefilden gemacht haben. Unser Bild entstand im Bernau-Felden. Die Gemeinden Bernau und Übersee wollen den Parksuchverkehr jetzt mit Hilfe von Apps besser steuern.re
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So voll wie heuer wars noch nie am See, sagen viele Einheimische nach dem Corona-Sommer, in dem viele Deutsche Urlaub in heimischen Gefilden gemacht haben. Unser Bild entstand im Bernau-Felden. Die Gemeinden Bernau und Übersee wollen den Parksuchverkehr jetzt mit Hilfe von Apps besser steuern.re
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Wer in Bernau oder Übersee an den Chiemsee will, kann ab sofort auf der kostenlosen App „BayernInfo Maps“ nachschauen, ob noch Parkplätze frei sind. Mit dem neuen Angebot wollen die beiden Gemeinden den verhindern, dass Ausflügler umsonst ans Bayerische Meer fahren wenn dort schon alles voll ist.

Bernau/Übersee – Noch nie war es am Chiemsee so voll wie in diesem Corona-Sommer. Da sind sich viele Einheimische einig. An den beliebtesten Ausflugszielen waren die Parkplätze oft schon vormittags voll belegt. Staus und Ärger waren die Folge.

Die Gemeinden Bernau und Übersee machen jetzt gemeinsame Sache, um das zu ändern. Über die mobile App „BayernInfo Maps“ können Ausflügler künftig schon vor der Anfahrt sehen, ob es noch Parkplätze gibt. Zukunftsvision der beiden Gemeindeoberhäupter ist die Installation eines digitalen Parkplatzauskunftssystems, das die aktuelle Parkplatzbelegung automatisch erfasst und darüber informiert.

„Wahnsinniges Verkehrsaufkommen“

„Schrecklich“ nennt Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber, das, was sich an manchen Sommertagen 2020 im Chiemseepark Felden abgespielt hat. Sie erinnert sich im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung an einem Morgen, als sie 48 Wohnmobile auf dem Überlaufparkplatz am Badehaus gezählt hat – in Sichtweite des offiziellen, aber restlos vollen Wohnmobilplatzes der Gemeinde.

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Auch ihr Amtskollege Eberhard Bauerdick (Gemeinsam für Übersee, GfÜ) hat ein tageweise „wahnsinniges Verkehrsaufkommen“ beobachtet. Er hatte in Absprache mit seinem Gemeinderat ohnehin schon ein Fünftel der Parkplätze in Feldwies gesperrt, um den Ansturm auf das Chiemseeufer zu bremsen. Trotzdem sei oft „kreuz und quer alles zugeparkt“ gewesen, schildert Biebl-Daiber und berichtet von Campern, die mit ihren Wohnmobilen über Radlwege auf Wioesenb gefahren seien, um noch einen Stelllatz zu finden. Der Frust war bei denen, die einen Strafzettel kassierten, genau so groß wie bei anderen, die umsonst gekommnen waren und sich ein anderes Zeil suchen musste, weil sie keinen Parkplatz fanden.

Die Bürgermeister Eberhard Bauerdick (Übersee) und Irene Biebl-Daiber (Bernau) testen, ob die neue App zur Parkplatzbelegung funktioniert. re

Auch für viele Einheimische war der Ansturm belastend. „Das will ich den Anwohnern nicht zumuten“, sagt Bauerdick. Er nahm Kontakt zur Zentralstelle Verkehrsmanagement auf, die innerhalb der bayerischen Staatsbauverwaltung technische Lösungen und Konzepte für eine möglichst umweltgerechte und störungsfreie Abwicklung des Straßenverkehrs entwickelt. Die Zentralstelle betreibt im Auftrag des Freistaats die Verkehrsinformationszentrale Bayern mit der Webplattform www.bayerninfo.de. Hier werden Informationen zum Beispiel zur aktuellen Verkehrslage und Baustellen, aber auch zu Parkplätzen bereitgestellt.

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Nach dem Austausch bei einem Arbeitsgespräch in Übersee hat die Zentralstelle eine Möglichkeit entwickelt, die aktuelle Auslastung bestimmter Parkplätze am See der Gemeinden Bernau und Übersee manuell über einen QR-Code zu erfassen und unter www.bayerninfo.de beziehungsweise über die kostenlose mobile App „BayernInfo Maps“ für iPhone und iPad sowie für AndroidGeräte auch in einer Karte auf den Internetseiten der Gemeinden anzuzeigen.

„Final“, da sind sich die beiden Bürgermeister einig, „soll der Reisende schon frühzeitig sehen, ob es sich überhaupt lohnt, ein überlastetes Gebiet am See anzufahren oder ob ein anderes Ausflugsziel mehr Parkmöglichkeiten bietet.“

Mittelfristig streben Bernau und Übersee für ihre Freizeitgebiete Felden und Feldwies am Chiemsee ein digitales Parkauskunftssystem an, um den Verkehr noch bessern zu steuern. In Übersee gibt es schon eine Arbeitsgruppe Chiemseeufer, die sich Bauerdick zufolge intensiv mit der Materie beschäftige. Am Ende soll eine Lösung „in Einklang mit dem Wirten in Feldwies zur Zufriedenheit aller“ stehen. Zusätzlich gebe es schon Überlegungen, einen Teil des Verkehrs etwas zu verlagern. Da sei aber noch nichts spruchreif“, wollte Bauerdick nicht voreilig Hoffnungen wecken.

Wegen der angespannten Parksituation in Übersee-Feldwies hatten die beiden Gemeinderätinnen Birgit Gnadl und Ursula Geiger, die wie Bürgermeister Eberhard Bauerdick zur GfÜ gehören, im August eine Facebook-Seite „Chiemseestrand Parkplatz“ eingerichtet. Ihre Mitstreiterin Manuela Hallweger hält die beiden vor Ort auf dem Laufenden, sodass die Parkplatzbelegung auf der Seite bei Bedarf laufend aktualisiert werden kann. Dort gibt es auch Infos über die Lage in Bernau-Felden, denn Bürgermeisterin Biebl-Daiber postet ebenfalls Neuigkeiten.

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