Bernau: Rekord im Eisschwimmen geschmolzen

Der Bernauer Eisschwimmer Jochen Aumüller beim 200-Meter-Wettkampf.
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Der Bernauer Eisschwimmer Jochen Aumüller beim 200-Meter-Wettkampf.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Der Bernauer Eisschwimmer Jochen Aumüller hat seinen 2015 aufgestellten deutschen Rekord im Eisschwimmen an einen Allgäuer verloren. Extremsportler Paul Bieber schwamm im unter fünf Grad kalten Bodensee 2210 Meter in 43,03 Minuten.

Bernau – Aumüller legte im Februar vor sechs Jahren im Chiemsee 2100 Meter in knapp über 33 Minuten zurück. Die neue Bestmarke brechen will er aus guten Gründen nicht.

Zuviel Ehrgeiz birgt eiskalte Gefahren

Aumüller gratuliert Bieber und spricht von einer „klasse Leistung“. Der Bernauer TSV-Athlet macht aber unmissverständlich klar: „Ich wünsche mir, dass dieser Rekord jahrzehntelang hält.“ Irgendwann sei genug für den menschlichen Körper. „Wenn Eisschwimmer versuchen, immer länger im Wasser zu bleiben, stirbt vielleicht irgendwann einer.“ Das Risiko sei zu groß. Außerdem: „Das wäre für den schönen Sport schade.“

Streckenlänge soll nicht zu riskanten Rekord-Duellen führen

Offiziell gebe es beim Eisschwimmen keine Messen was die Streckenlänge betrifft, erklärt Aumüller. „Das würde zu gefährlich werden.“ Zwar würden die schnellsten Zeiten in den offiziell begrenzten Wettkampfdistanzen geführt. Nicht aber solche Rekorde, bei denen die Extremschwimmer ihre Grenzen immer noch weiter ausloten und immer noch längere Distanzen zurücklegen wollen. „Ich lehne das aus Verantwortungsbewusstsein ab“, betont Aumüller. „Drum wünsche ich mir, dass die neue Bestzeit jahrzehntelang hält.“

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Die Bestleistung habe er selbst im Jahr 2015 ungeplant im Chiemsee aufgestellt, sagte er vor drei Jahren in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Er sei beim Ablegen der 1,6 Kilometer langen „Eismeile“ ohne es zu merken über zwei Kilometer geschwommen. Mit dieser Eismeile holen sich Eisschwimmer von der International Ice Swimming Association (IISA) ihr offizielles Zertifikat, Aumüller nennt es „Ritterschlag“. Noch heute erinnert er sich der 43-Jährige daran, dass er leicht unterkühlt gewesen sei. Ein Arzt und Vertreter der Wasserwacht hätten sich um ihn gekümmert. „20 bis 25 Minuten hält der Körper das eiskalte Wasser beim Schwimmen problemlos aus“, so Aumüller. „Darüber wird‘s kritisch.“

Mit allen Sicherheitsvorkehrungen und Vorbereitungen in sicheren Gewässern

Wer die Grenzen kennt, trainiert ist und bei den offiziellen Wettkämpfen mit allen Sicherheitsvorkehrungen teilnimmt, der ist für ihn in sicheren Gewässern. Auch wenn sie sehr kalt sind. Jochen Aumüller ist begeisterter Eissschwimmer, er muss allerdings aktuell nach einem Fahrradunfall beim Triathlon vor zwei Jahren pausieren. Nach dem Schlüsselbeinbruch trägt er immer noch eine Eisenplatte und Nägel im Körper, die werden voraussichtlich entfernt. Wenn er jetzt ins eiskalte Wasser geht, dann fühlen sich die Eisenteile an, „wie wenn der Zahnarzt beim Bohren den Nerv trifft“. In der nächsten Saison will er aber fit sein, auf jeden Fall wieder ins kalte Wasser springen und Wettkämpfe bestreiten.

Jochen Aumüller will das „Feuer im Eis“ spüren

Was ist nun aber die große Leidenschaft am Eisschwimmen? Jochen Aumüller erklärt das so: „Das Feuer im Eis spüren.“ Wenn der Körper ins unter fünf Grad kalte Wasser steige, schütte er das Stresshormon Adrenalin aus. „Und wenn man aus dem Wasser steigt, fühlt sich das bacherlwarm an“, so der Bernauer. „Es fühlt sich gut an, der Körper ist durchblutet, das setzt Glückshormone frei.“

Friedliche, fast meditative Stimmung

Es gibt aber auch noch die sportliche Perspektive, die ihn antreibt: „Das Verschieben deiner sportlichen Grenzen in andere Regionen.“ Noch etwas reizt Aumüller: „Wenn du im Winter in den Chiemsee schwimmen gehst, herrscht eine fast schon meditative Atmosphäre.“ Der See sei glasklar, am Ufer hielten sich kaum Leute auf, es sei still, das Winterlicht male eine ganz eigene Stimmung.

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