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Erhöhung um rund 15 Prozent

Neue Gebührenordnung für Tierärzte: Deswegen leidet das Bernauer Tierheim unter der Reform

Die Vorsitzende des Bernauer Vereins „Häuser der Hoffnung“, Christine von Reinhardt, mit Hund Juri. Sie klagt über die gestiegenen Kosten für die Behandlung der Tiere, welche im Tierheim der Gemeinschaft untergebracht sind.
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Die Vorsitzende des Bernauer Vereins „Häuser der Hoffnung“, Christine von Reinhardt, mit Hund Juri. Sie klagt über die gestiegenen Kosten für die Behandlung der Tiere, welche im Tierheim der Gemeinschaft untergebracht sind.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Seit Ende November gilt eine neue Gebührenordnung für Tierärzte. Im Schnitt wurden die Sätze seit 1999 um 15 Prozent erhöht, so die Landestierarztkammer. Während Vertreter der Veterinäre darauf verweisen, für das höhere Salär sei es längst an der Zeit gewesen, schlagen Tierheime Alarm. Auch in Bernau.

Bernau – Um es vorwegzunehmen: Christine von Reinhardt hat durchaus Verständnis dafür, dass Tierärzte inzwischen höhere Gebühren fordern dürfen. „Die Tierärzte müssen auch sehen, wo sie bleiben“, sagt die Vorsitzende der Bernauer Vereins „Häuser der Hoffnung“, welcher das Tierheim in Bernau unterhält.

Waren bislang für eine Untersuchung für Hunde 13,62 Euro fällig, müssen Tierbesitzer seit Ende November für diese Leistung 23,62 Euro zahlen. Impfungen kosten künftig 11,50 Euro statt 5,77 Euro. Dies wohlgemerkt ist der einfache Satz. Je nach Schwierigkeitsgrad des Falles können die Tiermediziner diesen auf das Dreifache erhöhen. Dies „nach billigem Ermessen“, wie es in der Gebührenordnung nachzulesen ist.

Die neuen Sätze würden sich besonders bei den Tierheimen niederschlagen, berichtet Christine von Reinhardt. Dort, wo häufig alte Tiere mit Vorerkrankungen mitunter ihr Gnadenbrot erhalten. Auf etwa 20 Prozent taxiert sie die Mehrkosten für die Bernauer „Häuser der Hoffnung“. „Für uns ist das eine mittlere Katastrophe“, sagt sie. Dabei treibt sie weniger die höheren Sätze der Tierärzte um, als der Umstand, dass ihr Verein diese Mehrkosten allein aus Mitgliedsbeiträgen und dem Spendenaufkommen stemmen müsse. Zwischen 2500 und 3000 Euro zahle man im Monat an Tierarzthonoraren.

Abrechnung für neue Diagnosemöglichkeiten

Auf der anderen Seite stehen die Tierärzte, welche nach der Berichterstattung bislang vorsichtig mit Aussagen gegenüber der Presse geworden sind. Es sei der Eindruck vermittelt worden, die Zunft der Veterinäre schlage gerade in finanziell turbulenten Zeiten bei den Gebühren noch was obendrauf. Dabei habe man als Tierarzt schon vor Inkrafttreten der jüngsten Reform anders rechnen müssen. Von sechs Euro pro Injektion könne kein Freiberufler seine Praxis nebst Personal finanzieren.

Auch der Präsident der Bayerischen Landestierärztekammer, Dr. Karl Eckart, bittet im Namen seiner Kollegen um Verständnis, dass es mit den Preisen nach oben geht: Mit der jüngsten Reform der Gebührenordnung sei diese das erste Mal seit 1999 umfassend überarbeitet worden. Dazu gehöre auch, dass neue Diagnosemöglichkeiten für Tiere wie die Computertomografie mit in den Leistungskatalog aufgenommen wurden. „Die festgelegten Sätze sind von Anfang 2021, zum Zeitpunkt der Festlegung herrschte noch kein Krieg in der Ukraine“, betont Eckart.

Tierärzte kommen Tierheimen entgegen

Auch, um die Vorwürfe zu entkräften, man erhöhe die Gebühren gerade jetzt, wo ohnehin alles merklich teurer werde. „Es war schon lange überfällig, dass etwas Neues kommt“, betont er mit Blick auf die neue Gebührenordnung. Schließlich seien im Vergleichszeitraum zwischen 1999 und heuer die Gehälter im Schnitt um 46 Prozent gestiegen.

Dies kann Christine von Reinhardt wohl nur bedingt trösten, wenn sie auf die Kostenseite ihres Vereins blickt. Denn auch für die Bernauer „Häuser der Hoffnung“ sind die Zeiten nicht leichter geworden. Neben den gestiegenen Kosten für die Tierarztbehandlung schlagen auch dort die gestiegenen Energiekosten zu Buche. Wobei die Tierärzte bei häufigen Besuchen in den Praxen dem Verein auch bei den Honoraren entgegenkämen.

Appell an Politik und Tier-Verschenker

Längst nicht alle Tiere könnten derzeit im Bernauer Tierheim Unterschlupf finden. Mit 30 Hunden und zwei Pferden sei man derzeit „megavoll“ belegt, die Wartelisten irrsinnig lang. Nicht zuletzt deswegen appelliert von Reinhardt an die Politik, das Thema Tierschutz ernster zu nehmen und Vereine wie die „Häuser der Hoffnung“ auch finanziell zu unterstützen. Ihr Appell richtet sich aber gerade zu Weihnachten auch an alle, die mit dem Gedanken spielen, ein Haustier als Geschenk unter den Tannenbaum zu „legen“. Wer ein Tier aufnimmt, sollte sich über die Verantwortung im Klaren sein, die mit dieser Entscheidung einhergeht.

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