Millionenschaden durch Hochwasser: Hotel Farbinger Hof in Bernau vorerst geschlossen

  • Dirk Breitfuß
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Das Hochwasser am 4. August hat das Hotel Farbinger Hof in Bernau schwer beschädigt. Das Wasser stand in einigen Bereichen fast einen halben Meter hoch im Erdgeschoss. Das Hotel ist jetzt geschlossen. Wann es zumindest teilweise wieder öffnen kann, ist noch unklar.

Bernau – „Das Wasser, das die Feuerwehr vorne rausgepumpt hat, lief hinten wieder rein.“ Für Andreas Röhrle war der 4. August 2020 ein Alptraum. Der Geschäftsführer des Hotels Farbinger Hof und seine Mannschaft mussten machtlos mit ansehen, wie ein Großteil des Hauses von der Bernauer Ache geflutet. Der Schaden geht wahrscheinlich in die Millionen.

Die Einrichtung von 24 Zimmern im Erdgeschoss, der Boden und die Theke im Restaurant, die komplette Technik des Hallenbades und vieles mehr ist kaputt. Die Renovierungen werden wohl Monate dauern. „Als ich die erste Zimmertür aufgemacht habe, schwamm mir schon ein Papierkorb zwischen den Beinen hindurch in den Flur“, erinnert sich Röhrle an eine braue Brühe, die sich erbarmungslos ihren Weg suchte.

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Der Farbinger Hof zwischen Bernau und Rottau ist ziemlich verschachtelt, über Jahrzehnte haben die Eigentümer immer wieder an- und umgebaut. Zwischen den einzelnen Bereichen gibt es oft kleine Höhenunterschiede, die durch flache Rampen überbrückt werden und beim Hochwasser am 4. August dann den Unterschied ausgemacht haben. Da nutzten auch die Sandsäcke nichts, die Feuerwehr und Personal an einigen Eingängen aufgeschichtet hatten.

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Pegel stieg über Nacht um über zwei Meter

Die Bernauer Ache war an diesem Tag nicht zu bändigen. Eigentlich fließt der Bach tief in ihrem Bett an der Nordseite direkt am Hotelgelände vorbei, weiter durch Bernau in den Chiemsee. Der Bach entspringt als Rottauer Bach an den Nordhängen der Hochplatte und wird auf seinen zehn Kilometern bis ins Bayerische Meer von vielen kleineren Bächen gespeist.

Die Bernauer Ache schwoll immer weiter an, bis sie über die Ufer trat und den Farbinger Hof unter Wasser setzte.

Am Montagmorgen, 3. August, lag der Pegel noch bei 45 Zentimetern, am Dienstag Vormittag dann bei über 2,70 Metern, zeigt eine Grafik auf der Internetseite des Bayerischen Landesamtes für Umwelt.. Das war zu hoch für die Dämme. Als das Unglück abzusehen war, holte sogar der Landwirt aus der Nachbarschaft seine Jungbullen von der Weide nebenan, weil die schon im Wasser standen, erinnert sich Röhrle.

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Die 120 Gäste, die im Farbinger Hof erholsame Urlaubstage verbringen wollten (mehr durften wegen der Corona-Auflagen nicht gleichzeitig ins Haus, bei Vollauslastung hat das Hotel 200 Betten), mussten erst ihre Autos in höheres Gelände in Sicherheit bringen und wenig später ihre Koffer packen. „Zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen“, ist der Geschäftsführer erleichtert, dass bei allen materiellen Schäden nicht noch Schlimmeres passiert ist.

Mobiliar, Böden und Wandbeläge in 24 Doppelzimmern hat das Wasser vollständig zerstört.

Jetzt war der erste Gutachter im Haus, der eine Zusammenstellung der Schäden für die Versicherung anfertigen werde, berichtet Röhrle. Zahlen gab es von dem Sachverständigen noch nicht, aber die Schäden dürften sich in den siebenstelligen Bereich summieren. Klar scheint, dass die 24 gefluteten Zimmer im nördlichen Gebäudetrakt komplett erneuert werden müssen, so Röhrle.

Böden müssen bis zum Fundament abgetragen werden

Nach Einschätzung des Gutachters, der selbst erstaunt über das Ausmaß der Schäden gewesen sei, müssten die Böden bis zum Fundament abgetragen werden. Die Renovierung dort könne wohl erst im Oktober beginnen, wenn alles vollständig getrocknet sei.

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Röhrle und sein Team überlegen nun in Abstimmung mit dem Eigentümer, der IG Bau, wie sie Boden und Tresen im Restaurant möglichst schnell austauschen können, um wenigstens die übrigen 60 Zimmer mit Halbpension zeitnah wieder vermieten zu können. Denn das Haus schwamm eigentlich auf einer Erfolgswelle. 2019 war das beste Jahr in der Geschichte, sagt der Geschäftsführer, der den Farbinger Hof seit neun Jahren leitet.

Die Katastrophe als Chance

„Das Restaurant wollten wir heuer sowieso renovieren, wir hatten das nur corona-bedingt verschoben“, nimmts der Geschäftsführer mit Galgenhumor und bleibt optimistisch: „In jeder Katastrophe steckt auch eine Chance“, philosophiert der Hotelchef, während hinter ihm die Männer von der Abrissfirma in roten Ganzkörperanzügen den Putz von den Zimmerwänden kratzen.

Geschäftsführer Andreas Röhrle zeigt, wie hoch das Wasser stand.

In der Zusammenfassung:

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Für seine gut 30 Mitarbeiter hat Röhrle vorsorglich schon bis zum Jahresende Kurzarbeitergeld beantragt. Und die Mengen von Lebensmitteln, die noch in den Kühlräumen lagerten, hat er der Chiemseer Tafel in Prien gespendet.

„So was noch nie erlebt“

„So habe ich das noch nie erlebt“, kommentiert Bernaus Feuerwehrkommandant das Hochwasser vom 4. August. Dass die Bernauer Ache in dieser Intensität so schnell steige, daran könne er sich nicht erinnern. Die Feuerwehr hatte im Farbinger Hof mehrere große Pumpen im Dauerbetrieb, die größte schafft 24 Kubikmeter in der Stunde. Aber auch das half nur, den Schaden ein bisschen zu begrenzen.

Alles muss raus: Die Böden müssen erneuert werden.

Der Farbinger Hof geht auf einen Bauerhof zurück, der 1477 erstmals erwähnt wurde und zum Kloster Frauenchiemsee gehörte. Bis 1964 wechselt er er mehrmals den Besitzer.

Der Farbinger Hof in Bernau und seine Geschichte

Seit 1965 ist er als „Farbinger Hof“ im Besitz des gemeinnützigen Erholungswerks der Industriegewerkschaft (IG) Bau.

Ursprünglich war die Anlage als Erholungsheim Gewerkschaftsmitgliedern vorbehalten. Schon seit einigen Jahren steht der Farbinger Hof aber jedermann offen. Gewerkschaftsmitglieder erhalten einen Preisnachlass von 30 Prozent.

Vom Hochwasser zerstört wurden nach Angaben der Geschäftsführung auch zahlreiche Freizeiteinrichtungen wie Fitnessgeräte, Kegelbahn und Hallenbad-Technik.

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