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Ein Altbürgermeister als Geschichtenerzähler

Kulturell, kulinarisch, amüsant: Streifzug mit Klaus Daiber durch die Geschichte von Bernau

Am Raiffeisenplatz erinnert ein Brunnen aus dem Jahr 1981 an die Gründung der Raiffeisenbank Bernau anno 1881. Die Spaziergänger Björn Foetsch und Mathilde Fraschke (v.r.) lauschen interessiert den Ausführungen des Alt-Bürgermeisters Klaus Daiber (links), der die Touren seit einigen Jahren anbietet.
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Am Raiffeisenplatz erinnert ein Brunnen aus dem Jahr 1981 an die Gründung der Raiffeisenbank Bernau anno 1881. Die Spaziergänger Björn Foetsch und Mathilde Fraschke (v.r.) lauschen interessiert den Ausführungen des Alt-Bürgermeisters Klaus Daiber (links), der die Touren seit einigen Jahren anbietet.
  • VonElisabeth Kirchner
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Kulturell interessant, sehr amüsant und unerwartet kulinarisch lecker gestaltet sich ein Dorfspaziergang mit Klaus Daiber. Der Altbürgermeister ist ein versierter Reiseleiter, der jede Menge historischer und aktueller Details über Bernau zu erzählen weiß.

Bernau – Fünf neugierige Besucher warten vor der Tourist Info an der Bernauer Straße auf den Reiseleiter. Mathilde Fraschke (71), die erst seit gut neun Monaten in Bernau wohnt, will mehr über ihren neuen Wohnort erfahren, und die beiden Paare Daniela und Björn Foetsch aus Stuttgart sowie Anke Holtmann und Christian Schwarz aus Löhne wollen nicht die üblichen Tourist-Attraktionen besuchen.

Einst war hier die römische Villa Rustica

Das Ehepaar Schwarz erzählt, dass es schon seit Jahren auf dem Campingplatz am See Urlaub macht, so gut wie alles rund um den Chiemsee gesehen hat, aber von Bernau selbst noch recht wenig wisse.

Und schon legt Alt-Bürgermeister Daiber los: Das Gebäude der Tourist-Info von 1890 bis 1965 die Grundschule von Bernau – „achtzügig, ich war hier noch Schüler“ – war noch einige tausend Jahre früher ein Wohnhaus. Die Kurverwaltung steht nämlich auf den Grundmauern einer großen römischen Villa Rustica, einige Fundstücke sind im Germanischen Museum in Nürnberg zu bewundern, weiß Daiber. Und noch viel früher siedelten hier die Kelten, ein Bohlenweg aus der Bronzezeit zwischen Chiemsee und dem Bernauer Ortszentrum zeugt davon.

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Am Raiffeisenplatz erinnert der Brunnen mit dem Fischerjungen, 1981 gestiftet, an die Gründung der Raiffeisenbank Bernau im Jahr 1881. Das kleine unscheinbare weiß gestrichene Seiler-Haus, malerisch unter Bäumen gelegen, dient bis heute als Trauzimmer, aber dass dort im Keller jahrelang die Gebirgsschützen ihre Waffenkammer hatten, ist wohl den wenigsten bekannt. Auch wenn es bis zum Maibaum nur wenige Schritte sind, die Gebäude entlang der Aschauer Strasse liefern ebenfalls viele Geschichten, die Daiber kundtat.

So war beispielsweise im hinteren Teil des Baderstüberls mit der denkmalgeschützten Fassade bis in die 70er Jahre das Kino, der Film „Quax, der Bruchpilot“ mit Heiz Rühmann, am ehemaligen Flugplatz in Prien gedreht, war selbst Jahrzehnte später noch wunderbar anzuschauen, erinnert sich Daiber.

Wandmalerei erinnert an den Erbfolgekrieg

Über den Maibaum selbst weiß Daiber auch viel zu berichten – klar, für Nicht-Bayern ein Novum, aber selbst Einheimische kommen bei den amüsant erzählten Geschichten auf ihre Kosten. Über dem Eingang des Wirtshauses erinnert die Wandmalerei an den Erbfolgekrieg im Jahr 1504. Das kleine Hotel Bonn-Schlössl, 1477 erbaut und Anfang des 20. Jahrhunderts vom Schauspieler Ferdinand Bonn gekauft, diente auch als Filmkulisse, viele Bernauer waren Statisten.

Bonn spielte die Rolle Ludwig II von Bayern. Der 1913 gedrehte Film sei dann später konfisziert worden, doch da wird der Erzählfluss des Reiseleiters unterbrochen. Ein Fierant vom Bernauer Wochenmarkt, anscheinend schon auf dem Heimweg, überreicht der Wandertruppe eine Schale Erdbeeren. „Das ist mir bislang auch noch nicht passiert“, gesteht Daiber.

Schätze der Kirche lohnen eine Besichtigung

Weiter gehts hinauf zur Filialkirche St. Laurentius. Markant auf einem Hügel liegend, erfuhr die Kirche, die 1408 erstmals erwähnt wurde, binnen eines halben Jahres im Jahr 1926 einen Neubau. Die Schätze im Innern der Kirche lohnen eine Besichtigung.

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Daiber weist auf die spätgotische Grabplatte des reichen Tafernwirts Christian Seiser, die drei wertvollen Gemälde von Jacob Carnutsch aus dem 18. Jahrhunderts an der Empore und auf den Kreuzweg aus dem Jahr 1930 hin. Als er noch Ministrant war, wurden die Glocken noch von Hand geläutet. „Und wenn man dann am Glockenseil hing ...“, schildert Daiber und unweigerlich denkt man da an die Filme von Don Camillo und Peppone.

Vier Gelehrte in Stein gemeißelt

Im kleinen Park an der neuen Grundschule gibt es auch so einiges zu bestaunen. Da ist eine gelbe Telefonzelle – heute eine kleine Bücherstube – und dort ruhen vier mächtige Steinstatuen. Wie und warum die vier Gelehrten Thukydides, Homer, Aristoteles und Hippokrates, die ursprünglich vor der Staatsbibliothek in München standen – „heute stehen da Kopien“ – nach Bernau kamen, das alles und mehr erfährt man beim Dorfspaziergang mit Altbürgermeister Daiber.

Der nächste Rundgang findet am Donnerstag, 12. August, statt. Nähere Informationen gibt es bei der Tourist-Info unter der Nummer 0 80 51/9 86 80 oder per Mail an tourismus@bernau-am-chiemsee.de.

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