Bernau: Einkaufen beim Direktvermarkter in Corona-Zeiten

Service beim Einkaufen auf dem Sepp’n-Bauer-Hof: Waren die vorab bestellt wurden, werden ins Auto der Kundin geladen. Berger
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Service beim Einkaufen auf dem Sepp’n-Bauer-Hof: Waren die vorab bestellt wurden, werden ins Auto der Kundin geladen. Berger

„Ich verstehe ja, dass die Leute verunsichert sind“ – dennoch hat Mariele Simon, Seniorchefin auf dem Sepp’n-Bauer-Hof in Bernau kein Verständnis für Hamsterkäufer. Um hier einzukaufen, brauche es auch „kein kruscheln. Bei uns werden die Kunden immer bedient“.

Von Elisabeth Kirchner

Bernau –  Ein Hofladen, wie er von Bildern bekannt ist: Lebensmittel direkt vom Bauern aus erster Hand. Dass hier die Kunden bedient werden, erscheint eigentlich selbstverständlich. Anders als im Supermarkt, wo es aufgrund der Massen nicht ganz ohne Kontakt geht und Äpfel, Milch und Pasta zwangsläufig durch die Hände von Kunden und Kassierern wandern. Die Kunden, die im Laden sich selbst bedienen, weist Mariele Simon auch mal gerne darauf hin, dass „das, was angefasst wird, auch gekauft wird“. Je nach Wetterlage liegen Obst und Gemüse in Körben draußen vor dem Hofladen, innen hinter der Theke Wurst- und Fleischwaren sowie verschiedene Käsesorte aus, in weiteren Regalen neben der Kasse gibt es Marmeladen, Schnäpse, Liköre und Essig- und Ölsorten, auch Eier aus hauseigener Freilandhaltung werden feilgeboten.

Hier auf dem Seppenbauernhof hilft die Familie beim Packen und beim Verkauf zusammen. Tochter Franziska, die Hofladen-Betreiberin lädt die Waren der Kunden, die vorab bestellt wurden, sogar ins Auto. Der Seppenbauernhof bietet auf 45 Quadratmetern Rind-, Schweine-, Geflügelfleisch, zerlegtes Wild nach Saison, Hausmacherwürste, Schwarzgeräuchertes, Marmeladen und Honig, Käse und Joghurt, Schnaps und Liköre, Eier von freilaufenden Hühnern oder Brot und Kuchen.

Alle angebotenen Produkte im Hofladen wie beispielsweise Bio-Putenfleisch, Nudeln oder Gemüse stammen direkt aus der Region, der größte Teil wird jedoch auf dem Bauernhof selbst erzeugt, betont die Bäuerin stolz. Ein Paradies für Liebhaber guter Qualität, das nun in Zeiten von Corona auch Kunden von weither anlockt.

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Einerseits erfreulich für die Hofbesitzer, denn mehr Kunden bedeuten mehr Umsatz – „und natürlich mehr Arbeit“, lacht Mariele Simon. Andererseits hoffe sie aber schon sehr, dass dieser Trend zum nachhaltigen Einkaufen auch nach der Krise noch anhält. Regionale Produkte sollten wertgeschätzt werden, und dies nicht nur verbal, sondern auch tatsächlich durch den Erwerb. Es sei schon auffällig, wie weit die Gesellschaft von der Landwirtschaft und Tierhaltung entfernt sei, so Simon weiter.

Und so sei seit einiger Zeit der Hof für Landerlebnisreisen (mit Hofrundgang) geöffnet, auch Schulklassen können unter dem Motto „Lernort Bauernhof“ den Hof besichtigen. Aber jetzt seien alle diese Aktivitäten erst einmal hinfällig. Sie erwarte deshalb wirtschaftlich gesehen ein schlechtes Jahr, befürchtet Simon. So wurden schon viele Busreisen zu Betriebsbesichtigungen abgesagt, das Hoffest Mitte Juni werde ziemlich sicher ausfallen, die Kutschfahrten für Familien samt Hofrundgang können bis auf Weiteres ebenfalls nicht stattfinden. Die beiden Minijobber, die bislang auf dem Hof mithalfen, „müssen leider zurückstecken. Es ist so brutal ruhig geworden“, bedauert Mariele Simon.

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Deshalb setzt die Familie nun alles auf den Hofladen, auch wenn wegen des Corona-Virus’ aufgrund der einzuhaltenden Abstandsregeln nur ein bis maximal zwei Kunden im Laden zugelassen sind.

Zusammen mit drei anderen kleinen Geschäften aus der Region – die Montebera Kaffeerösterei (Prien), der Servus Heimat Laden (Prien) und die Rimstinger Werbeagentur SimonMedia – sind die Hofladenbetreiber ebenfalls aktiv geworden: Pakete „für die Daheimbleiber“ in drei unterschiedlichen Größen können online oder telefonisch bestellt werden, wovon ein Teil des Verkaufserlöses zu gleichen Teilen an die Tafel Prien und das Bayerische Rote Kreuz gehen werden. Im Packerl gibt‘s Kaffee, Schokolade, Nudeln, Glückskekse oder Backbrezen, „da ist sicher für jeden was dabei“, meint Mariele Simon. Da dürfe schon ein bisschen gehortet werden, denn so könne man sich verwöhnen und auch noch was Gutes tun. Und für die Seppenbauers gleich mit dazu.

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