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Bernau: Belastungstest für die Trauerweide

Wie ortsbildprägend die 14 Meter große alte Trauerweide beim Kriegerdenkmal ist, lässt sich an dieser Aufnahme vom Sommer erkennen, wo sie in voller Pracht erblüht.
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Wie ortsbildprägend die 14 Meter große alte Trauerweide beim Kriegerdenkmal ist, lässt sich an dieser Aufnahme vom Sommer erkennen, wo sie in voller Pracht erblüht.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Das Gutachten eines Spezialisten sorgt in der Gemeinde Bernau für Aufatmen: Die Trauerweide beim Kriegerdenkmal ist standsicher. Ein neues Gutachten ist erst wieder in fünf Jahren fällig.

Bernau – Die 14 Meter hohe alte Weide beim Kriegerdenkmal ist über 70 Jahre alt und ist mit ihrer neun Meter breiten, ausladenden Baumkrone im Ortsbild in besonderer Weise verwurzelt. Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) brachte in der jüngsten Gemeinderatssitzung unter Bekanntgaben nun die erlösende Nachricht: Ein Gutachter bescheinigte die Standsicherheit des Baumes, in fünf Jahren muss er erneut genau in Augenschein genommen werden.

Früher standen Fichten an der Stelle

Kaum einer erinnert sich noch daran, doch anstelle der Weide standen bis zu Beginn der 1940er-Jahre zwei Fichten. „In der Schule gibt es ein altes Bild von einer Beerdigung, auf dem sie noch zu sehen sind“, berichtet Gemeindegärtner Gerhard Kintscher im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Wann diese der Axt zum Opfer fielen und dann die Weide gepflanzt wurde, kann er nicht genau sagen: „Das muss in den Jahren 1942 bis 1949 gewesen sein.“

Spezialist aus der Oberpfalz empfiehlt den Kronenbereich zu kürzen

Auf die jetzige Größe dürfte die Weide etwa nach 50 bis 60 Jahren angewachsen sein, schätzt Kintscher. „Wir haben sie im Laufe der Jahre zwei Mal gekürzt, damit sie nicht zu groß wird und sich die beiden Fahnenmasten daneben einhängen.“ Ein drittes Mal stehe jetzt bevor. Dies ist eine Empfehlung aus dem Gutachten, für das die Gemeinde Bernau eigens einen Spezialisten aus der Oberpfalz holte.

Bernauer sprechen die Bauhofleute bei der Baumpflege oft an

Doch Bürgermeisterin Biebl-Daiber weiß, dass die Kosten von über 2000 Euro gut angelegt sind, denn das Schicksal dieses Baumes beschäftigt viele Bernauer. Eine Tatsache, die Bauhofleiter Marcus Praßberger und Gärtner Kintscher übrigens immer wieder bei allen Bäumen beobachten. „Wenn wir die Bäume pflegen, werden wir oft angesprochen, was wir da machen und ob der Baum jetzt weg muss“, erzählt Kintscher.

Im Zugversuch gut standgehalten

Wie genau Bäume im Einzelfall überprüft werden, zeigt das mehrseitige Gutachten zur Trauerweide. Mittels Seil wurde zum Beispiel die Standfestigkeit überprüft. „Das Gerät kann bis zu mehrere Tonnen Zugkraft aufbringen und ein Sensor misst, ob sich der Stamm biegt, was ein gutes Zeichen ist, weil dann die Wurzeln gut halten“, beschreibt Kintscher.

Mit Schallwellen und einem speziellen Bohrer wird das Innere des Stamms überprüft

Wie es im Inneren des rund 90 Zentimeter durchmessenden Baumstamms aussieht, brachte ein Schalltomograph zutage, der an einen Laptop angeschlossen ist. Je nachdem, wie die Schallwellen reflektiert werden, gibt dies Aufschluss über die Beschaffenheit des Stamms. „Das kann man sich vorstellen, wie bei einem Röntgengerät“, so Kintscher.

Zuletzt kam auch noch ein so genannter Resistograph zum Einsatz. Das Gerät ähnelt laut Kintscher einem Bohrer und messe den Widerstand im Stamm: „Das ist für den Baum wie ein Belastungs-EKG.“

Im „Würgegriff„ von oberarmdicken Efeu-Trieben

Der Gutachter habe dem Baum am Ende einen relativ guten Zustand bescheinigt. „Nur das Efeu hätte ihn kaputtgemacht“, erklärt der Gärtner. Dieses habe sich nach 40 bis 50 Jahren bereits oberarmdick „wie im Würgegriff“ um den Baum gewunden. Der Gutachter empfahl, es zu entfernen.

Eine Frage, die in absehbarer Zeit vermutlich noch zu klären sein wird, ist die etwa 50 Zentimeter dicke Stützmauer, die so nah an der Weide steht, dass die Wurzeln bereits vom Boden her ins Innere vorgedrungen sind und zu Brüchen führten. „Wurzeln haben unheimlich viel Kraft“, sagt Kintscher dazu.

Aufatmen über den Zustand des Baumes

Dass der Gutachter die Standsicherheit der alten Trauerweide nun für die nächsten fünf Jahre garantiert, sorgte allgemein für Aufatmen. „Da der Baum sehr nahe an der Mauer des Kriegerdenkmals steht, waren wir uns einfach nicht sicher, wie es um die Standfestigkeit der Weide bestellt ist“, so Bürgermeisterin Biebl-Daiber.

„Gerade am Beispiel der Weide lässt sich zeigen, dass die Gemeinde keinen Baum leichtfertig fällt, sondern sich um jeden viele Gedanken macht.“

Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber ist erleichtert

Sie betont: „Ich persönlich bin sehr froh, dass die Weide für die nächsten Jahre stehen bleiben kann. Unser Kriegerdenkmal hätte ohne sie ein völlig anderes Gesicht.“

Gemeinde Bernau betreibt hohen Aufwand für die Baumpflege

Gerade erst hat Gärtner Gerhard Kintscher vom Bauhof die routinemäßige Überprüfung der fast 3500 Bäume der Gemeinde Bernau erledigt. Jeden einzelnen Ast schaue er sich an und habe spezielle Bäume immer im Hinterkopf. Er werfe immer wieder einen Blick darauf, wenn er unterwegs sei.

Mit seinen Kollegen vom Bauhof entfernte Kintscher, da wo es nötig war, Totholz oder schnitt im Zuge der Verkehrssicherheit zu weit heraus ragende oder herunter hängende Äste zurück. In der Fachsprache heißt dies, das so genannte Lichtraumprofil freizuhalten, um Fußgänger, Rad- oder Autofahrer nicht zu behindern oder gar zu gefährden.

Sorgfältige Begutachtung und Pflege aller Bäume der Gemeinde

„Jedes Jahr sind wir allein für die Baumpflege mindestens vier Wochen mit der Hebebühne in der Gemeinde unterwegs“, erklärt Bauhofleiter Marcus Praßberger. „Die erste Option ist immer, einen Baum zu erhalten“, fügt Kintscher an. Sollte nach gründlicher Abwägung ein Baum gefällt werden müssen, zum Beispiel aus Sicherheitsgründen, geschehe dies „schweren Herzens“.

Die Gemeinde Bernau besitzt eine Reihe von alten Bäumen, zum Beispiel die bis zu 100 Jahre alte Linden an der Hochfelln- und der Josef-Decker-Straße, den 100 Jahre alten Birnbaum hinter dem Haus des Gastes und die 70 Jahre alte Weide beim Penny-Markt-Parkplatz.

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