AKTUELLES INTERVIEW

Bergwacht bereichert Leben

Die Staatsmedaille „Stern der Sicherheit“ bekam Gerhard Opperer aus Prien (links) in München von Innenminister Joachim Herrmann überreicht. Herrmann würdigte das überaus große Engagement von Opperer bei der Bergwacht Bayern, das „immer weit über das normale Maß hinausgeht“. re / Text Wagner
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Die Staatsmedaille „Stern der Sicherheit“ bekam Gerhard Opperer aus Prien (links) in München von Innenminister Joachim Herrmann überreicht. Herrmann würdigte das überaus große Engagement von Opperer bei der Bergwacht Bayern, das „immer weit über das normale Maß hinausgeht“. re / Text Wagner

Prien – Mit Leib und Seele ist Gerhard Opperer aus Prien ein Bergwachtler. Innenminister Joachim Herrmann hat Ihr großes Engagement bei der Bergwacht gewürdigt und Ihnen den „Stern der Sicherheit“ verliehen. Insbesondere freut es mich, dass ich diese Auszeichnung von Joachim Herrmann erhalten habe – ich durfte immer wieder erleben, wie er sich auch in schwierigen Situationen konsequent einsetzt und positioniert, und schätze ihn daher als Minister und Mensch sehr. Schon seit dem 15. In der Bergrettung (natürlich auch bei Feuerwehr und Rettungsdienst) kann man selbst und unmittelbar Menschen in schwierigsten Situationen helfen und damit Leben retten. Zuletzt standen Sie ganz vorne in Bayern. Während dieser 15 Jahre durfte ich mit sehr vielen besonderen Menschen zusammenarbeiten, von diesen vieles lernen und gemeinsam wichtige Projekte umsetzen – das hat mein Leben bereichert. Bergrettung.

Schon mit 15 Jahren ist er der Bereitschaft Wasserburg beigetreten, vor eineinhalb Jahrzehnten wechselte er dann zur Bereitschaft Sachrang-Aschau. Heute ist er 43 – und selbstverständlich ist er nach wie vor mit von der Partie, wenn es darum geht, Leben zu retten. Von Anfang 2001 bis Ende 2015 ist er Geschäftsführer der Bergwacht Bayern gewesen, ehe er dieses Amt, wie geplant, wieder zurückgegeben hat. Für sein Engagement ist er nun von Innenminister Joachim Herrmann ausgezeichnet worden. Opperer arbeitet als Besatzungsmitglied im Rettungshubschrauber. Sein Fazit nach 15 Jahren im Amt des Geschäftsführers fällt, wie er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung ausführt, positiv aus. Viele besondere Menschen habe er kennengelernt, mit ihnen zusammen habe er wichtige Projekte umgesetzt – was sein Leben bereichert habe.

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung mit dieser Staatsmedaille?

Zudem ehrt es mich, dass so viele für mich wichtige Wegbegleiter, wie beispielsweise der langjährige Vorsitzende der Bergwacht Bayern, Alois Glück, zur Verleihung gekommen sind. Ich kenne viele engagierte Menschen, die diese Auszeichnung zumindest genauso verdient hätten – auch stellvertretend für diese nehme ich sie gerne an.

Lebensjahr sind Sie Mitglied der Bergwacht. Warum lieben Sie diese Arbeit?

Das Zusammenspiel zwischen körperlicher Leistung, guter Ortskunde, abgestimmtem Team, technischem Können und erprobter Einsatztaktik ermöglicht den Einsatzerfolg – diese Komplexität hat seinen Reiz. Als junger Bergretter war es eher wichtig, dass man zu den gefühlt „coolsten Typen der Erde“ gehört hat.

15 Jahre lang waren Sie Geschäftsführer der Bergwacht im Lande. Woran erinnern Sie sich besonders gern, woran nicht so gern?

Belastet haben mich insbesondere die leider nicht vollständig vermeidbaren Notsituationen und Unfälle in den eigenen Reihen. Auch die vielen bestehenden „Verwaltungsherausforderungen“ in Europa und Deutschland fordern von den Verantwortlichen einiges an guten Nerven.

im Chiemgau

sehr leistungsstark

Die Bergwacht in Bayern hat seit Kurzem ein neues Ausbildungszentrum in Bad Tölz. Selbst Rettungseinsätze mit dem Hubschrauber können die Helfer dort zum Beispiel trainieren. Das Ausbildungszentrum trägt Ihre Handschrift. Was freut Sie am meisten?

Aus meiner Sicht ist das Wertvollste an diesem Ausbildungszentrum, dass alle in schwierigsten und gefährlichen Einsatzsituationen tätigen Kräfte dort gemeinsam für ihre eigene Sicherheit und für die Sicherheit der Betroffenen trainieren können – es gibt keine künstliche Abgrenzung zwischen der Feuerwehr, Wasserwacht, Luftrettung, Bergwacht oder Polizei. Der Grundsatz lautet: Gemeinsam trainieren und gemeinsam im Einsatz! Zudem begeistern mich die dort realisierten, technischen Trainingsmöglichkeiten, die vielfach weltweit einmalig sind.

Wie gut ist die Bergwacht im Chiemgau für ihre Einsätze gerüstet?

Durchschnittlich sind alle zwölf Kilometer voneinander entfernt Bergrettungswachen aktiv, in denen sich viele ehrenamtliche Bergretter das gesamte Jahr über engagieren. Die Ausrüstung ist gut geeignet, die Bergretter und Einsatzleiter sind erfahren und der Zustrom an engagierten Jugendlichen und Quereinsteigern, die die dreijährige Ausbildung durchlaufen und aktiv mitwirken wollen, ist ungebrochen. In enger Zusammenarbeit insbesondere mit den Luftrettungsbetreibern ist die Bergrettung im Chiemgau sehr leistungsstark.

Zu Ihren schwierigsten und größten Einsätzen zählte das Erdbeben in der Türkei 1999. Welche besonderen Herausforderungen stellten sich Ihnen damals?

Unmittelbar nach dem Beben sind wir mit Lawinenhundeführern in das Einsatzgebiet am Bosporus geflogen – wir haben dort eine Woche lang nach Verschütteten gesucht. Obwohl die türkische Regierung alles denkbar Mögliche tat, konnten leider einzelne Verschüttete, die anfangs noch lebten, nicht gerettet werden. Das alles kann man erst verstehen, wenn man selbst gesehen hat, was es bedeutet, wenn unzählige Hochhäuser eingestürzt sind – das Beben forderte 18000 Tote und 50000 Verletzte.

Was hat Ihnen Ihr Einsatz beim Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall 2006 abverlangt?

Bei diesem Einsatz war die Eigengefährdung der Retter sehr hoch und hat immer wieder zu schwierigen Abwägungen und Entscheidungen geführt. Wir hatten uns damals gemeinsam entschieden, dass wir noch vor der Sicherung der verbliebenen Hallenstruktur mit Hunden und Sonden nach den Verschütteten suchen – dabei konnten wir dann ein kleines Mädchen lebend finden und retten. Insgesamt war dieser Einsatz höchstdramatisch, sehr tragisch und für alle Betroffenen und Einsatzkräfte sehr belastend.

Wie haben Sie sich gegen das Hochwasser 2013 in Rosenheim und Deggendorf gestemmt?

Als aktiver Feuerwehrmann der Feuerwehr Prien konnte ich bereits früh im Einsatzverlauf einen Eindruck von der außergewöhnlichen Wucht der Regenmassen bekommen. In Rosenheim haben wir dann mit unseren watfähigen Bergwacht-Fahrzeugen die erforderlichen Evakuierungen und technischen Maßnahmen unterstützt. An der Donau mussten wir gemeinsam mit den Hubschrauberbetreibern und der Wasserrettung tatsächlich viele akut bedrohte Menschen retten. Zwei Wochen nach dem ersten Alarm in Prien bin ich wieder nach Hause gekommen.

Einmal Bergretter, immer Bergretter, oder? Wie wollen Sie sich künftig einbringen?

Ich habe bewusst und konsequent alle Führungs- und Sonderaufgaben abgegeben und freue mich darauf, als Bergretter wieder mehr in meiner Heimat-Bergwacht Sachrang-Aschau aktiv sein zu können.

Interview: Gernot Pültz

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