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Schlechinger Wahrzeichen

Der Berggasthof Streichen ist gerettet

Dank der Anstrengung aller Beteiligten ist die Zukunft des Gasthofs Streichen nun gesichert.
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Dank der Anstrengung aller Beteiligten ist die Zukunft des Gasthofs Streichen nun gesichert.
  • VonSybilla Wunderlich
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Dass er gerettet werden soll, war klar, nur über das „Wie“ hat sich die Gemeinde Schleching vollends zerstritten. Jetzt ist eine Lösung im Achental da.

Schleching – Seit 600 Jahren gibt es den Berggasthof Streichen, nun wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Stiftung Kulturerbe Bayern und die Yvonne & Thomas Wilde Familienstiftung haben das traditionsreiche Streichenanwesen erworben, nachdem der frühere Wirt im vergangenen Jahr überraschend verstorben war. Käufer und Verkäufer haben vereinbart, über die Kaufsumme Stillschweigen zu bewahren.

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Landtagspräsident a.D. Johann Böhm (Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Kulturerbe Bayern) wies auf die große Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements hin, damit Bayerns Kulturschätze auf Dauer bewahrt und für alle zugänglich bleiben. Den Kauf bezeichnete er für das Kulturerbe Bayern als Glücksfall und als einen weiteren riesigen Schritt zum Erhalt und Denkmalschutz und Schutz vor Vermarktung.

„Streichen in behutsamen Händen“

Als großen emotionalen Akt empfand er den Verkauf der Erben Hans Strohmayer und Anneliese Laute, die in dem Haus geboren, gelebt und gearbeitet haben und bedankte sich für das Vertrauen, dass sie „ihren Streichen in unsere Hände“ gegeben haben und versprach die behutsame und denkmalgerechte Instandsetzung.

„Ein Wechselbad der Gefühle liegt hinter uns, jetzt wollen wir in die Zukunft schauen“, betonte Thomas C. Wilde, Vorstand der gleichnamigen Familienstiftung. In einem persönlichen Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung sagte er, dass er sich nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages erleichtert fühle aber auch mit Demut die große Aufgabe sieht. „Es ist ja nicht nur ein Gebäude, was gekauft wurde, es stecken große Emotionen dahinter“.

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Wilde hofft, dass das Streichenanwesen wieder näher ans Dorf rückt und versprach, neue Aktionen und viele Veranstaltungen zu initiieren. Gemeinnützige Stiftungen müssen kein Geld verdienen, keine Aktionäre bedienen, keine Rendite erwirtschaften, aber können und wollen etwas bewahren für die nächsten Generationen. Auch Dr. des. Johannes Haslauer, Vorsitzender des Vereins Kulturerbe Bayern, bedankte sich bei Familie Strohmayer, dass sie sich für den Verkauf an die beiden Stiftungen entschieden haben.

„Besonderer Ort“

„Der Streichen ist ein ganz besonderer Ort, ein Stück Bayern pur, mehr Bayern geht nicht“, so der Vorsitzende. Für ihn sei der Berggasthof ein Ort, an dem Natur-, Landschafts- und Kulturerlebnis eins werde mit dem Gemeinschaftsgefühl, dem kulinarischen Genuss und einer bemerkenswerten Persönlichkeit, an die man sich gemeinsam erinnern werde, nämlich den verstorbenen Wirt Franz Strohmayer. „Es war kein leichter Weg“ meinte Schlechings Bürgermeister Josef Loferer (CSU). Jetzt beginne die Arbeit und er versprach zu helfen, wo es gehe. Sein Dank ging an die Familie Strohmayer und an Landrat Siegfried Walch, der ebenfalls einen großen Beitrag zum Gelingen des Verkaufs beigesteuert hatte.

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Nach der Gründung der Streichenfreunde (siehe Infokasten) wird es in der Gemeinde einen Ausschuss zur Beteiligung in der Gemeinde am Streichen geben. Zwei Sitze gehen an Kulturerbe Bayern, zwei an die Stiftung Wilde, ein Sitz an den Bürgermeister, ein Sitz für Thomas Müllinger und ein Sitz ist noch offen.

Monatelanger Nervenkrieg

Die zweite Bürgermeisterin, Elfie Bachmann (UBS), war froh, dass der monatelange Nervenkrieg jetzt vorbei sei und sich durch die glückliche Fügung mit den beiden Stiftungen alles geklärt hat. Sie sprach von einem „Anstoß auf eine gute Wendung“ in der zeitweise recht verfahrenen Situation. Sie dankte allen, die zum Gelingen beigetragen haben, auch besonders denen, die im Hintergrund gewirkt haben und eher die leisen Töne hatten.

Trauriger Landrat

Landrat Siegfried Walch (CSU) erzählte, dass ihn die Situation, dass der Streichen zum Symbol des Streits geworden ist, traurig gemacht habe: „Das hätten die Besitzer ganz sicher nicht gewollt.“ Walch wünschte sich, dass jetzt Frieden zugelassen wird und der Streichen ein Ort bleibt, der jetzt für alle wieder zur Verfügung steht. Ein Ort zum zusammen kommen für die ganze Heimat. Er freute sich über die Menschen, die sich so für den Erhalt des Streichens im Chiemgau und ihre Heimat eingesetzt haben.

Alle Beteiligten sprachen ihren großen Dank an die Erben Hans Stromayer und Anneliese Laute für ihre Geduld und ihr Entgegenkommen aus und versprachen, den Berggasthof im Sinne der Erben und des Verstorbenen weiterzuführen. Die Wieder-Eröffnung ist für Mitte nächsten Jahres geplant.

Gründung der Streichenfreunde

Unter dem Dach des Kulturerbe Bayern haben nun die Streichenfreunde Platz gefunden. Johannes Haslauer verstand die Gründung als Einladung an alle, Teil der Streichenfreunde zu werden.

„Das Streichenanwesen gilt als Wahrzeichen des Bergsteigerdorfes Schleching und des gesamten Achentals“, so Haslauer.

Zum ersten Mal gründete Kulturerbe Bayern eine Ortsgruppe. Haslauer freute sich über das Mitwirken des früheren Landtagspräsidenten Alois Glück (CSU) als prominentes Gründungsmitglied, der auch gleich als Erster die Urkunde unterschrieb. Insgesamt haben zwölf Mitglieder die Gründungs-Urkunde unterschrieben, acht Gemeinderäte, Altbürgermeister Fritz Irlacher, Ortsheimatpfleger Hartmut Rihl und Dr. Haslauer. Sprecher der Streichenfreunde sind Thomas Müllinger und Elfie Bachmann.

Thomas Müllinger stellte in einer Retrospektive die Entstehung der Streichenfreunde dar und berichtete von den großen Schwierigkeiten am Anfang und dem Glücksfall, dass durch Medienberichte Kulturerbe Bayern auf das Objekt aufmerksam wurde und wie perfekt sie als Partner zusammenpassen. Positiv fand er die Möglichkeiten zur Nutzung der Struktur des Vereins und das umfangreiche Mitspracherecht beim Umbau, Pächtersuche, Ausschüssen und Spenden. Zum Schluss sprach er den Wunsch aus, dass alle gut zusammenarbeiten, „dafür strecken wir an alle die Hand aus“.

In einem Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung erzählt er, dass die Streichenfreunde für rund 750.000 Euro Spenden-Absichtserklärungen erhalten haben, die jetzt gut für die Renovierungen verwendet werden können.

Die Planungen hierfür laufen direkt an, ein Löwenanteil wird für die neue Küche mit Belüftung gebraucht und für die Heizungs- und Sanitäranlagen unten und im oberen Stock. Die schöne Holzterrasse unter den Kastanienbäumen soll erweitert werden. Das Küchenkonzept soll geändert und dann nach einem geeigneten Pächter gesucht werden, wobei er verriet, dass sie schon jemand im Auge haben.

Geplant sei eine öffentliche Veranstaltung mit konkreteren Angaben und Informationen, wie Bürger sich engagieren und mithelfen können.

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