„Bei Hochdeutsch ruck ma zam“ – Skispringer Markus Eisenbichler erhält Dialektpreis

Rudi Mörtl (links) und Heinz Schober (rechts) überreichten den Dialektpreis 2020 an Markus Eisenbichler
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Rudi Mörtl (links) und Heinz Schober (rechts) überreichten den Dialektpreis 2020 an Markus Eisenbichler

Wenn sein Vater Markus Eisenbichler anfangs auf Hochdeutsch im Fernsehen reden hörte, hat er geschimpft. Nun besteht kein Grund zur Sorge mehr: Der Siegsdorfer Skispringer hat den Dialektpreis gewonnen.

Von Norbert Höhn

Siegsdorf/Neukirchen – „Der Dialekt is des Mittel, mit dem s‘ Gmüat schnauft, sei Luft kriagt zum Leben“, übersetzte Laudator Gustl Lex ein Goethe-Zitat ins Bairische. Bereits zum zehnten Mal verlieh der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte (FBSD) den Dialektpreis für besondere Verdienste um die bairische Mundart. Bei einem Festakt in Neukirchen nahm der Siegsdorfer Skispringer Markus Eisenbichler den diesjährigen Preis der Landschaftsverbände Rupertiwinkel und Chiemgau-Inn in Empfang.

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„Den Preis bekommen Leute, die sich um Pflege und Erhalt der bairischen Mundart verdient machen“, sagte der Vorsitzende aus dem Rupertiwinkel Heinz Schober. In der Vergangenheit seien dies bereits prominente, aber auch weniger bekannte Persönlichkeiten gewesen. Nun sei der Preisträger Markus Eisenbichler: „Der ghört ja a scho zu de hoibert Prominenten.“

Bayerischer Dialekt vom Aussterben bedroht?

Gustl Lex, Chiemgau-Autor und Verfasser zahlreicher Mundartgedichte, setzte sich in seiner Laudatio zunächst mit grundsätzlichen Fragen zum Dialekt auseinander. Vieles werde heute geschützt, aber: „Wo bleibt der Schutz für die Sprache als größtes Kulturgut der Menschheit?“ Er wies darauf hin, dass die bairische Sprache im Jahr 2009 von der UNESCO in den Atlas der gefährdeten Sprachen aufgenommen worden sei.

Grund zur Scham?

Seiner Meinung nach werde bairisch, wie auch andere regionale Dialekte nicht mehr so oft gesprochen, weil man sich schäme. Einen Grund sieht Gustl Lex darin, dass von den Medien suggeriert werde, dass Dialekt plump und zu wenig intellektuell sei. Dies gehe sogar so weit, dass man Mundartsprechen als „bildungsfern“ hinstelle. Das Gegenteil sei der Fall: „Der Dialekt is de Basis, de Wurzel vom gesprochenen Wort.“ Für Gustl Lex gehört der Dialekt zum Selbstverständnis und zur Identität einer Region.

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Hier schließe sich der Kreis zum Sport und zu Markus Eisenbichler als Aushängeschild der Region. „Des gilt natürlich umso mehr, wenn der Sportler sei Herkunft net verleugnet und sprachlich identisch bleibt, wia unser heuriger Dialektpreisträger“, sagte Lex.

Schwerer Sturz in Oberstdorf

Den 1991 geborenen Skispringer bezeichnete Lex als einen „aufgeweckten Buam“, der sich schon frühzeitig für Skifahren, Eishockey und Fußball interessiert habe. Bei seinem Heimatverein, dem TSV Siegsdorf, habe er sich bereits mit acht Jahren für das Skispringen begeistert und auf den Sprungschanzen in Ruhpolding und Hammer sein Talent unter Beweis gestellt. Was dann folgte, sei eine steile Karriere gewesen. Eine Karriere, die 2012 beinahe ein jähes Ende gefunden hätte, als er bei einem Trainingssprung in Oberstdorf schwer stürzte.

„„Zeit zum Nachdenka“

„Als i da unten glegn bin und nix mehr gspürt hab, hab i mir denkt, des werds jetzt wohl gwen sei, mitn Skispringer. Im Krankahaus hab i dann vui Zeit zum Nachdenka ghabt und da hab i mir gsagt: Falls i wieder fit wer, dann pack i no mal o, aber mit hundert Prozent“, zitierte Gustl Lex den „Eisei“. Der habe Wort gehalten und mit dem Gewinn von drei Goldmedaillen bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft 2019 in Seefeld seinen bisherigen sportlichen Höhepunkt erreicht.

Ein Sportler, der an seiner Heimat hängt

„Obwohl er sprungtechnisch immer weiter abhebt, bleibt er menschlich am Boden“, charakterisierte Gust Lex den Preisträger. Für den Markus seien die Familie, seine Freunde und die Heimat wichtig. Ohne Scheu, seine Herkunft zu zeigen, so spreche er „stark boarisch eigfärbt“ in Interviews. Als authentisch, unverfälscht und glaubwürdig charakterisierte ihn Lex. „Das macht dich für uns so sympathisch und zum Aushängeschild unserer bairischen Sprache“, gratulierte Gustl Lex abschließend zum Dialektpreis.

Papa not amused über Hochdeutsch

Die Uhrkunde wurde Markus Eisenbichler von den Vorsitzenden Heinz Schober aus dem Rupertiwinkel und Rudi Mörtl aus dem Landschaftsverband Chiemgau-Inn überreicht. Der „Eisei“ bedankte sich auf seine Art für die Auszeichnung: „Da Papa werd jetzt mächtig stolz auf mi sei. Wia i nämlich bei meinem ersten Fersehinterview versucht hab, hochdeutsch z‘ redn, hod er gsagt, wennst numoi so redst, dann ruck ma z’samm.“

Der bairische Dialektpreis

Der Förderverein „Bairische Sprache und Dialekte im Landschaftsverband Rupertiwinkel“ verleiht seit 2011 einen Preis an Personen, die sich um Erhalt und Pflege der Mundart verdient gemacht haben. Bisherige Preisträger sind unter anderem die Extremkletterer „Huababuam“, die Volksmusikanten Hansl Auer und Wasti Irlinger und Georg Ringsgwandl. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert und wird durch eine Spende der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung ermöglicht.

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