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AZUBIS ALS CHEFS

Bei Edeka Kaltschmid in Prien schmeißen die Lehrlinge den Laden

Laura Tschiedel ist eigentlich Azubi im zweiten Lehrjahr. Seit 1. März ist sie in die Rolle der Filialleiterin geschlüpft.
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Laura Tschiedel ist eigentlich Azubi im zweiten Lehrjahr. Seit 1. März ist sie in die Rolle der Filialleiterin geschlüpft.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Zum ersten Mal hat Monika Schwarzenböck die Verantwortung in die Hände des Nachwuchses gelegt. Die Inhaberin von Edeka Kaltschmid hat in der Priener Filiale die Azubis aus allen fünf Zweigstellen versammelt. Sie müssen seit 1. März schauen, dass der Laden läuft.

Prien – „Chef sein hab ich gar nicht auf dem Zettel gehabt.“ Jetzt ist Lehrling Laura Tschiedel plötzlich Filialleiterin. Es ist ein Karrieresprung auf Zeit. Bei Edeka Kaltschmid „rocken“ die Azubis nämlich seit 1. März die Priener Filiale. So steht es auf einem Plakat, mit dem die Kunden darauf vorbereitet werden, dass zurzeit manches anders ist als gewohnt.

Natürlich sind die echten Chefs vor Ort, aber sie halten sich, wann immer möglich, sehr zurück. „Die beantworten gar keine Fragen mehr“, hat Kathi Fischer gemerkt. Die 21-Jährige ist Azubi im zweiten Jahr und lernt eigentlich in Grassau. Aber für das Chef-Experiment hat Inhaberin Monika Schwarzenböck alle elf Azubis aus den fünf Filialen des Familienunternehmens für ein paar Wochen nach Prien geholt.

Den Nachwuchs „fördern und fordern“

„Fördern und fordern“ will die echte Chefin den Nachwuchs. Der habe klare und realistische Vorgaben mit auf den Weg bekommen – vom Umsatzziel bis zum Werbebudget.

Der Nachwuchs ging motiviert an die Aufgabe heran, die Lehrlinge zerbrachen sich die Köpfe – und merkten bei allem Bemühen doch gleich am ersten Tag, wie vielschichtig die Herausforderung ist. „Am ersten Montag hatten sie an alles gedacht, aber kein Cola bestellt“, erinnert sich Schwarzenböck.

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Wie sehr einen die vielseitige Aufgabe fordern kann, hat Laura schnell gemerkt. „Ich kann die Marktleiterin jetzt gut verstehen, wenn sie mal sagt, dass sie fünf Minuten Pause braucht.“

Sie habe in den ersten Wochen in der neuen, ungewohnten Rolle auch schon viel über sich selbst gelernt, erzählt die Prienerin. „Ich bin manchmal zu nett“, verrät sie mit einem Lächeln. „Dem anderen in den A.... trete ich ungern, weil ich es selbst nicht mag.“

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Es ist auch kaum nötig, denn das Azubi-Team hält zusammen, versichert Kathi Fischer. Sie haben sich reingefunden in ihre Rolle. „Wir reden auch in den Pausen viel“, berichtet Patrick Steuer. Der 17-Jährige lernt eigentlich in der Ruhpoldinger Filiale. Am wohlsten fühlt sich Patrick hinter der Fleisch- und Wursttheke, das ist sein Revier. „Ich muss schauen, dass die Theke harmoniert“, klärt er den Laien auf. Dazu gehören viele Farben in der Auslage, denn das Auge des Kunden kauft mit. „Eigene Ideen einzubringen macht einfach mehr Spaß“, freut sich Patrick über den Freiraum, den er jetzt hat.

„Das Eigen-Engagement wächst“, bestätigt Schwarzenböck erfreut über diesen kreativen Effekt der Aktion. Für sie geht es auch darum, aus den Lehrlingen herauszukitzeln, wo nach den Abschlussprüfungen bei einer Weiterbeschäftigung im Unternehmen die Potenziale der einzelnen Kandidaten liegen könnten.

Im regelmäßigen Austausch mit Personalchefin Andrea Strasswender und der eigentlichen Priener Filialleiterin Michaela Haberhauer wird per Zoom-Konferenzen Manöverkritik geübt. Dabei soll die Leine so lang wie möglich bleiben. Die Vorgesetzten greifen nicht ein, wenn es nicht wirklich unbedingt sein muss. Wenn doch mal eine oder einer mit einer Frage kommt, kann es sehr gut sein, dass die Antwort lautet: „Ich bin nicht da, was würdest Du tun?“

Abends mit dem Kopf noch in der Arbeit

Die Kunden reagierten bisher positiv auf die Aktion, auf die auf einer Schiefertafel am Eingang und einem Plakat im Kassenbereich hingewiesen wird, berichtet Schwarzenböck.

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Die Azubis bekommen einen realistischen Eindruck, was sie nach der Lehrzeit erwartet. „Ich komme abends nachhause und bin mit dem Kopf noch in der Arbeit“, berichtet Filialleiterin Laura über eine neue Erfahrung. Sie lernt jetzt auch, abzuschalten, wenn der Kopf zu voll ist von den vielen Führungsaufgaben. Früher habe sie ab und zu schon gedacht, die Filialleiterin sitze in ihrem Büro und chille, gesteht Laura.

Bis 17. April, wenn die Aktion endet, wird sie noch oft selbst im Büro sitzen und darüber nachdenken, ob sie an alles gedacht hat – von der Werbung über den Dienstplan bis zur montäglichen Cola-Bestellung.

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