Schwer für Angehörige

Beerdigungen in Prien in Zeiten von Corona: Das Abschiednehmen fehlt

Gemeindereferent Werner Hofmann vom Pfarrverband Westliches Chiemseeufer in Prien im Traugergespräch.
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Gemeindereferent Werner Hofmann vom Pfarrverband Westliches Chiemseeufer in Prien im Traugergespräch.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Beerdigungen sind in Zeiten der Pandemie mit schmerzhaften Einschränkungen verbunden. Besonders hart trifft es Angehörige, deren Verstorbener mit dem Coronavirus infiziert war.

Prien – Die üblichen Rituale mit Einkleiden, dem würdevollen Betten, Aufbahren und Verabschieden am geöffneten Sarg dürfen aus Gesundheitsschutzgründen nicht stattfinden.

Corona-Infizierte im Leintuch eingewickelt

Bestattermeister Michael Hartl vom gleichnamigen Priener Unternehmen als auch Lothar Wayrauther, Inhaber von Schmid Bestattungen, machen aktuell die gleichen Erfahrungen. Sie sagen: „Am meisten fehlt die Trauerarbeit.“Normalerweise erfolge die Aufbahrung in einem der Räume der Bestattungsinstitute oder am Friedhof. Mit Coronavirus infizierte Verstorbene würden in ein desinfiziertes Leinentuch gehüllt, so in den Sarg gelegt und der dürfe auch nicht mehr geöffnet werden. Er sei gekennzeichnet für die Mitarbeiter sowohl im Friedhofswesen als auch im Krematorium.

Rituale machen den Tod für die Angehörigen begreifbar

„Wenn jemand verstirbt, ist das Abschiednehmen ein wichtiger Schritt“, berichtet Michael Hartl aus seiner Erfahrung mit den Hinterbliebenen. Der Tod werde mit Ritualen wie dem Aufbahren für die Angehörigen bildlich begreifbar gemacht. Besonders wichtig sei dies bei unvorhersehbaren, plötzlichen Todesfällen. Dies bestätigt auch Helmut Kropf, Trauerberater bei Bestattung Schmid, und dort zuständig für die Region Chiemgau.

Nur der engste Kreis kann an der Beerdigung teilnehmen

Wegen der Kontaktbeschränkungen sind Verabschiedungen, die bei nicht an Corona erkrankten Verstorbenen nach wie vor stattfinden, innerhalb der Familie in Etappen möglich. An der Beerdigung selbst können aktuell 25 Personen aus dem engsten Familien- und Freundeskreis teilnehmen.

Bestattermeister Michael Hartl. RE

Mehr Aufwand durch die zusätzlichen Schutzmaßnahmen

Kontakte zu beschränken ist übrigens auch das Gebot innerhalb der Bestattungsfirmen. Außerdem bedeuten die neuen Abläufe viel mehr Aufwand, sagen Hartl und Wayreuther. Schutzanzüge und weitere Gegenstände der persönlichen Schutzausrüstung kommen dazu, wenn ein Verstorbener mit dem Coronavirus infiziert war. Dies bedeutet auch mehr Aufwand bei der Desinfektion.

„Früher war oft das ganze Dorf auf den Beinen.“

Gemeindereferent Werner Hofmann vom katholischen Pfarrverband Westliches Chiemseeufer in Prien bedauert, dass wegen der zahlenmäßigen Beschränkung nicht jeder an einer Beerdigung teilnehmen kann, der sich von einem Menschen persönlich verabschieden möchte. Freunde, Nachbarn, Vereine – oft sei das ganze Dorf auf den Beinen gewesen. „Das ist ein Zeichen, dass sich jemand zu seinen Lebzeiten eingesetzt hat.“ Wenn ein Mensch so verabschiedet werde, sei das ein Trost für die Familie.

Mit Gebetsheft im Gedanken bei der Beerdigung sein

Diejenigen, die dem Verstorbenen gerne die letzte Ehre erweisen möchten und nicht dabei sein können, fehle dieses wichtige Ritual. Pater Joshy habe deshalb ein Gebetsheft zusammengestellt. So könne zum Beispiel jemand zur Zeit, zu der die Beerdigung angesetzt ist, darin lesen und im Gedanken dabei sein. „Die tatsächliche Anwesenheit muss nicht alles sein. Es gibt etwas, das darüber hinaus geht“, beschreibt Hofmann.

Helmut Kropf ist Trauerberater bei Bestattung Schmid.

Seelsorger haben nichts gegen Filmaufnahmen für die Angehörigen

Vereinzelt sei inzwischen schon vorgekommen, dass eine Beerdigung mitgefilmt wird. „Grundsätzlich halte ich das für eine gute Idee“, so Hofmann. „Der Impuls muss aber von den Angehörigen ausgehen, die Technik muss vorhanden sein.“ Das Seelsorgeteam habe nichts dagegen. Es gehe um die Person und um Trauerbewältigung. Ablehnend steht er aber einer Veröffentlichung von Filmmaterial im Internet gegenüber.

Notfallseelsorge und Trauerbegleiterinnen

Grundsätzlich gelte: „Wir sind für die Menschen da. Die Angehörigen dürfen die Beerdigung mitgestalten. Da ist im katholischen Ritus ganz viel Raum dafür.“ Im Trauergespräch klärt er zuerst, wie der Angehörige verstorben ist.

Belastend, wenn ein Angehöriger nicht mehr besucht werden konnte

„Es ist wichtig, dass die Menschen erzählen können.“ Die Seelsorger leisten auf Wunsch Beistand, auch noch Wochen nach dem Todeszeitpunkt. „Jetzt in Zeiten von Corona ist es sehr belastend für die Menschen, wenn sie den Angehörigen nicht mehr sehen konnten.“ Das könne Schuldgefühle schaffen.

Trauercafé und Trauerbegleitung

In Zeiten außerhalb der Corona-Pandemie gebe es in der Pfarrei Prien ein Trostcafé, wo sich Menschen austauschen können, die sich in der gleichen Situation befinden. Außerdem stehen zwei ehrenamtliche Trauerbegleiterinnen Hilfesuchenden zur Seite.

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