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Nachhaltige Ernährungssicherung statt Spendenaktionen

Bayrisches Forstprojekt im Kongo als „Blaupause“ für Afrika

Klaus Steiner mit einem Hirten, der ebenfalls Teil der Kooperation ist. Nachhaltige Projekte mit Siedlern, Tierzüchtern und Bauern sollen Hungersnöte vermeiden.
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Klaus Steiner mit einem Hirten, der ebenfalls Teil der Kooperation ist. Nachhaltige Projekte mit Siedlern, Tierzüchtern und Bauern sollen Hungersnöte vermeiden.

„Die deutsche Afrikapolitik und die Beziehungen zu unserem Nachbarkontinent muss auf neue Füße gestellt werden“, fordert der entwicklungspolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Klaus Steiner, aktuell aus der Demokratischen Republik Kongo.

Übersee – Dort unterstützt er ein richtungsweisendes Forst- und Landwirtschaftsprojekt, das er ausweiten will. „China ist auch im Kongo zum mächtigsten Investor aufgestiegen, dem Klimawandel, Abholzung, Ausbildung, Landwirtschaft, Hunger et cetera nicht interessieren. Das zweitgrößte Land Afrikas ist mit seinen tropischen Wäldern der zweite Lungenflügel der Welt, mit immensen Rohstoffreserven und damit geostrategischer Bedeutung, aber Deutschland hat den Kongo nicht auf dem Schirm.“

Steiner appelliert: „Wir sollten endlich aufhören, Afrika als Kontinent zu begreifen, für dessen Probleme es fürsorgliche Lösungen zu ersinnen gilt, sondern als eigenständigen Akteur und Partner, dessen Potenziale auch zur Lösung unserer Probleme beitragen können.“ Er besucht derzeit die Agraraufforstungsprojekte „NTSIO“ und „Muti Idwini“ der Hanns-Seidl-Stiftung im Kongo, um mit den Fachleuten der Stiftung vor Ort weitere Schritte zur Ausweitung des Projektes und Möglichkeiten der weiteren Unterstützung durch den Freistaat Bayern, auszuloten.

Mehr eigenständige Produktion gegen den Hunger

Steiner erläutert: „Der Kontinent verfügt über mehr als ein Viertel der weltweit landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Von den Reserven an Ackerfläche werden derzeit nur 20 Prozent genutzt. Was nicht produziert wird, kann nicht gegessen werden. Der Weltbank zufolge ist Wachstum in der Landwirtschaft für die Armutsbekämpfung doppelt so effektiv wie in anderen Sektoren. Trotz Dürre und Klimawandel müsste in Afrika oder dem reichen Kongo mit seiner üppigen Vegetation, in der alles wächst, niemand hungern.“

Im Mittelpunkt steht die Aufforstung des Projektgebietes mit Akazien, die in zehn Streifen nacheinander alle zehn Jahre geerntet und sofort wieder aufgeforstet werden. Das Holz wird zu Holzkohle verarbeitet, damit wird das Abholzen der Regenwälder verhindert. Die Landwirte lernten, ihre Akazien selbst zu ziehen und deren Pflege. 20 Waisenkinder lernten in einer Art dualer Ausbildung die Zucht der Pflanzen.

Jeder Bauernhof hat etwa 19 Hektar Fläche. Dazu kommt der Anbau von Maniok, Erdnüssen, Getreide, Gemüse und Ölpalmen für den regionalen Bedarf an Palmöl sowie die Bienen-, Rinder-, Hühner- und Kaninchenzucht. Intensive Gespräche mit den Bauern fanden laut Projektleiter Malte Liewerscheidt statt. Ebenso regelmäßige Schulungen und Versammlungen. Sowohl die traditionellen Häuptlinge wie auch der Bürgermeister der Kommune, überließen die landwirtschaftlichen Nutzungsrechte der Fläche den Vereinigungen, die Bauern erhielten Eigentumstitel.

Auf dem Plateau Batéké wurden bisher 5500 Hektar Savanne aufgeforstet. 260 Familien siedelten sich an, um nachhaltige Forst- und Landwirtschaft, anstatt wie bisher Brandrodung, zu betreiben. Vier eigenständige und selbst verwaltete Kooperativen sind das Herzstück des Projektes.

Zur Infrastruktur gehört der Bau von 260 Wohnhäusern, Schulen, Krankenstationen, Lagerhallen, Werkstätten sowie einem Verwaltungszentrum mit Haus und Konferenzraum. Zur Wasserversorgung wurden zwei Brunnen gebohrt und Wasserleitungen gelegt.

Laut Projektassistent Konstantin Wittek ergeben sich so Einkommenskombinationen und weitgehende Selbstversorgung. Dazu wurden die Siedler intensiv ausgebildet und begleitet.

Afrika auf dem Weg zur Autarkie unterstützen

Steiner bewertet das von der EU und dem Entwicklungsministerium unterstützte Projekt als wegweisend für ganz Afrika, als eine Blaupause für den ganzen Kontinent mit Ernährungssicherung statt Spendenaktionen. Afrika könne problemlos autark in seiner Nahrungs- und Energieversorgung werden. Dennoch machten Hungersnöte in Afrika gerade aktuell wieder Schlagzeilen, weil seit Jahrzehnten die ländliche und landwirtschaftliche Entwicklung vernachlässigt worden sei.

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