Bayern verstehen britischen Humor

In seiner Verzweiflung klettert der junge Leslie (Mitte) auf das Fenstersims und die Oberschwester (links) sowie seine Mutter Jane (rechts) eilen zur Hilfe. Die beiden Ärzte Dr. Mortimore (links) und Dr. Bonney starten die Hilfsaktion vom Inneren des Ärztezimmers aus. Foto peter
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In seiner Verzweiflung klettert der junge Leslie (Mitte) auf das Fenstersims und die Oberschwester (links) sowie seine Mutter Jane (rechts) eilen zur Hilfe. Die beiden Ärzte Dr. Mortimore (links) und Dr. Bonney starten die Hilfsaktion vom Inneren des Ärztezimmers aus. Foto peter

Der Theaterverein Grabenstätt zeigte im Gasthaus "Zur Post" in Grabenstätt bei der Premiere der Komödie in zwei Aufzügen von Ray Conney "...und alles auf Krankenschein", dass der viel beschworene britische Humor auch von den Oberbayern verstanden und zelebriert werden kann.

Grabenstätt - Klaus Bierdimpfl gab bei dem Stück sein Debüt als Regisseur und spielte zugleich den verwirrten Langzeitpatienten Bill Lesley, der mit seinem Erscheinen dem völlig aus den Fugen geratenen Treiben die Krone aufsetzt. Bei seinem Schlusswort meinte Bierdimpfl, dass das professionelle Theater und die großen Häuser immer mehr abnähmen und somit das Laienspiel, wie es der Theaterverein Grabenstätt praktiziert, einen immer höheren Stellenwert erlangen werde.

Autor Conny, 1932 in London geboren, begann bereits mit 14 Jahren mit der Schauspielerei. 1983 gründete er die Theatre of Comedy Company und produzierte dort über 20 Stücke. "...und alles auf Krankenschein" kam 1992 im Theatre Royal Windsor in London zu Uraufführung und zeichnete sich wie seine anderen Werke durch eine sehr absurde aber dennoch lebensnahe Komik aus.

Zum Inhalt: Der Arzt Dr. David Mortimore (gespielt von Wolfgang Riederer) steht kurz vor seinem Durchbruch. Die Position des Chefarztes sowie ein Adelstitel sind für ihn in greifbare Nähe gerückt. Doch plötzlich holt den korrekten Doktor seine nicht ganz so korrekte Vergangenheit ein. Es taucht die von ihm längst vergessene Liebschaft, die damalige Schwesternschülerin Jane Tate (Manuela Keil, Vorsitzende des Theatervereins) auf. Die Überraschung, die sie dem Urologen bereitet, findet nicht wirklich Anklang. Auch wenn Dr. Mortimore alles versucht, die nun bereits 18 Jahre alte Überraschung in Form des Sohnes Leslie Tate (Sebastian Brandl) zu vertuschen, kann er sie nicht mehr rückgängig machen. Darauf baut er ein fantastisches Lügengebilde auf, wobei er die Freundschaft und Kollegialität sehr in Anspruch nimmt.

Das Stück beginnt mit ruhigen Dialogen, die mit der einen oder anderen Pointe auf den Inhalt und Zusammenhänge der Geschichte hinführen, bis dann eine Attacke nach der anderen auf die Lachmuskeln wie ein Feuerwerk hereinbrechen. Die Akteure bringen ihre Rollen glaubhaft auf die Bühne und spiegeln so durchwegs lebensnahe Wesenszüge in der Gesellschaft.

Sei es der ehrgeizige Dr. Mortimore, der auf Kosten anderer auf freundliche, aber ebenso durchwegs ungehaltene Weise sein Ziel unbeirrt verfolgt. Oder ist es der Arzt Dr. Hubert Bonney (Christoph Urian), der mit seiner Mimik und Gestik und seiner vergeistigten Rolle die Besucher in den Bann zieht, die Ehefrau Rosemary von Dr. Mortimore (Elvira Stückl), die mit ihrer Naivität brilliert oder auch die hilflos auftauchende Schwesternschülerin Tate, die sich durchaus bewusst ist, dass sie ihre Mission als Fremdkörper in der betroffenen Schicht antritt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Drake wurde von Mike Hartl dargestellt, der sich auch um die Technik kümmerte. Für das Bühnenbild ist Hans Biller mit seinem Team verantwortlich.

Weitere Termine für die Komödie "...und alles auf Krankenschein" sind jeweils am Freitag und Samstag, 7./8., 14./15., 21./22. und 28./29. Januar - jeweils um 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse sowie im Vorverkauf von Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr unter der Telefonnummer 08661/388. mp

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