Bayerisches „Nationalkartenspiel“ von Corona ausgebremst

Simon Daxenberger und seine Frau Evi sowie ihr Sohn Simon (von links) haben die Karten schon gemischt. Ohne einen vierten Mann oder eine Frau, die coronabedingt pausieren müssen, ist eine Partie aber leider nicht möglich.
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Simon Daxenberger und seine Frau Evi sowie ihr Sohn Simon (von links) haben die Karten schon gemischt. Ohne einen vierten Mann oder eine Frau, die coronabedingt pausieren müssen, ist eine Partie aber leider nicht möglich.

gaSeeon-Seebruck – Kaum waren die Karten der rund zwölfköpfigen Truchtlachinger Schafkopfrunde neu gemischt, mussten die Partien wegen des zweiten Lockdowns erneut abgebrochen werden.

„Das ist jammerschade“, bedauert Evi Daxenberger. In der Truchtlachinger Schafkopfrunde „trumpfen“ nämlich nicht nur Männer, sondern auch Frauen auf. Und das seit zehn Jahren in geselliger Runde in der Hütte beim „Daxenberger Simmerl“.

Jeden Sonntag ab 18 Uhr wird dort dem Spiel mit dem Eichel-Ober und den anderen Trümpfen gefrönt. Dabei geht es an den Kartentischen lustig und gemütlich, aber ebenso dramatisch wie ungeduldig zu.

Wie Evi Daxenberger ist auch ihr Sohn Simon fasziniert von dem urigen Kartenspiel, das seit Generationen zum Lieblingszeitvertreib der Bayern gehört. „Jedes Spiel ist anders. Selbst wenn man fünfmal hintereinander die gleiche Karte kriegt“, schwärmt der 26-Jährige.

Dass in der Hütte bei den Daxenbergers das „Schafkopf-Fieber“ grassiert, ist Evi Daxenberger zuzuschreiben. Sie kennt das Nationalkartenspiel mit einer mindestens 400-jährigen Tradition seit ihrer Kindheit: „Ich habe schon als Kind das Schafkopfen von meinem Vater gelernt“, sagt sie. Fasziniert von dem anspruchsvollen Kartenspiel hat sie dessen Regeln schon in drei Kursen an zehn Abenden an Interessierte aus dem Dorf weitergegeben. Das Kartenspiel könne nicht von heute auf morgen gelernt werden. „Die Grundregeln alleine reichen nicht aus, lernen tut man das nur übers Spielen.“

„Wir sind meistens zwei Partien und ein „Brunzkartler.“ Eine Partie umfasst vier Spieler. Der „Brunzkartler“ ist bei den Kartlern der Ersatzmann, der für einen Spieler einspringt, wenn dieser austreten, also zur Toi lette muss.

Der Sonntag ist der Schafkopfrunde heilig. Selbst wenn die Hausherren einmal nicht da sind, wird in der Hütte um Zehnerl und Zwanzigerl und nacheinander legen gespielt. Vom Gewinn wird jeweils die Hälfte in einen Topf geworfen. Von diesem Obolus werden dann unter anderem Ausflüge finanziert. Selbst bei denen machen die Schafkopf-Närrischen nicht vor einer Partie halt. „Wir haben immer die Karten dabei“, sagt Simon Daxenberger als Jüngster in der Runde. Die älteste Spielerin ist 80 Jahre. Nun hoffen alle, dass sie sich bald wieder in gemeinsamer Runde treffen können. ga

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