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Bairischer Dialekt als "Herzstück der Identität"

Eine flammende Rede für den Erhalt der bairischen Mundarten und gegen die "Verluderung des südlichen Hochdeutschen" hielt der Mundartexperte Professor Dr. Reinhard Wittmann im Gymnasium in Ising.

Ising - Der Vortrag war Teil des Bayernbund-Projekts "Freude an der Mundart wecken und verstärken", an dem sich aktuell 16 Kindergärten, Grund-, Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein beteiligen.

Schon in wenigen Generationen könnte der Dialekt ausgestorben sein, fürchten Experten. Der emeritierte Literaturprofessor Dr. Wittmann sprach von einer "Entmündigung des angestammten, heimatlichen Sprechens in Süddeutschland und gerade in Bayern". Mit Blick auf die drei bairischen Dialekte warnte er: "Wir haben viel zu verlieren, wenn wir die Mundart aufgeben", denn sie sei "Herzstück unserer Identität und ein wichtiger Bestandteil unserer Heimat".

Die bairische Sprache sieht Wittmann als "eigenständige und kraftvolle Variante des Deutschen", deren Wurzeln bis in die Antike zurückreichen, und auf die man stolz sein müsse, allen Vorurteilen und negativen Klischees aus nördlicheren Gefilden zum Trotz.

Zudem gelte es, endlich mit der Legende aufzuräumen, dass Dialekt sprechende Kinder und Jugendliche größere Probleme in der Schule hätten und nur ein gepflegtes Hochdeutsch einen höheren Sozialstatus garantiere.

Gerade Neuankömmlinge müssten sich bemühen, die bairische Sprache zu erlernen, anstatt von den alteingesessenen Bayern zu fordern, das norddeutsche Idiom zu sprechen, forderte Wittmann.

Während es auf dem Land noch Mundart-Rückzugsgebiete gebe, habe sich beispielsweise in München als Umgangssprache längst ein "ganz grauenhafter diffuser Brei" etabliert. Die Schweizer oder auch die Österreicher stünden viel selbstbewusster zu ihrem Dialekt, betonte der Referent und nannte exemplarisch den früheren Skistar und jetzigen ORF-Moderator ("Wer wird Millionär?") Armin Assinger, der auch vor laufender Kamera so rede, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

Abschließend lobte Wittmann das Mundart-Projekt des Bayernbundes in den Landkreisen Traunstein und Rosenheim und wünschte sich einen noch breiteren öffentlichen Konsens und eine "bayernweite Initiative".

Man hoffe darauf, die regionalen Ansätze und Anregungen auf ganz Bayern übertragen zu können, erwiderte der Bayernbund-Landesvorsitzende Adolf Dingl-reiter. "Wir wollen mit unserem ambitionierten Projekt einen kleinen, regional bezogenen Beitrag dazu leisten, die Mundart zu schützen und auch eine Signalwirkung aussenden", ergänzte Projektleiter Dr. Helmut Wittmann, ehemals Ministerialdirigent im Kultusministerium.

Die Leitung des Projekts obliegt einer Lenkungsgruppe und den Koordinatoren für die Bildungsbereiche Kindergarten, Grundschulen und weiterführende Schulen. Diese können auf rund 20 Referenten und Ansprechpartner aus den Bereichen Mundart, Sprache, Literatur, Heimat, Brauchtum, Musik, Heimatgeschichte, Handwerk, Künste, Natur und Umweltschutz zurückgreifen. Zu ihnen gehören nicht nur Professoren, sondern beispielsweise auch Musiker Stefan Dettl von "LaBrassBanda" und der ehemalige Skistar Markus Wasmeier.

Die Ergebnisse der Kindergärten und Schulen werden zentral gesammelt, archiviert und für den Schlussbericht Ende 2013 aufbereitet. Dieser Abschlussbericht werde dann kostenlos an alle bayerischen Schulen verteilt.

Vor dem Vortrag sorgte die Big-Band des Insinger Gymnasiums unter der Leitung von Frank Schöftenhuber für die passenden bayerischen Klänge. mmü

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