Ein Hauch von Birnen, Zwetschgen und Feigen

Bäuerin Marianne Parzinger erklärt den alten Brauch des Kletzenbrotes

Die „Brandlin“ Marianne Parzinger
              im Jahr 2010 beim Kletzenbacken auf dem Hof in Haunstätt. Zuletzt hat dort vor zwei Jahren ihr Sohn Albert für die Versteigerung bei der Weihnachtsfeier der Rettenbacher Trachtler diese adventliche Spezialität gebacken. Weil heuer coronabedingt die Feier ausfällt, gibt’s beim Parzinger auch kein Kletzenbrot.
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Die „Brandlin“ Marianne Parzinger im Jahr 2010 beim Kletzenbacken auf dem Hof in Haunstätt. Zuletzt hat dort vor zwei Jahren ihr Sohn Albert für die Versteigerung bei der Weihnachtsfeier der Rettenbacher Trachtler diese adventliche Spezialität gebacken. Weil heuer coronabedingt die Feier ausfällt, gibt’s beim Parzinger auch kein Kletzenbrot.

Was gehört in unserer Region genauso wie Lebkuchen und Plätzchen zur Vorweihnachtszeit? Das Kletzenbrot. Aufschneiden, kauen, die saftige Füllung im Mund genießen.

von Klaus Oberkandler

Traunstein/Landkreis – Ein Hauch von Birnen, Zwetschgen und Feigen bleibt auf der Zunge zurück, denn das Kletzenbrot besteht in erster Linie aus diesen drei Zutaten. Auch im Chiemgau hat dieses typische Wintergebäck eine lange Tradition, die noch heute in vielen Haushalten gepflegt wird.

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Spezielle Sorten mit hantigem Geschmack

Kletzenbirnen sind speziell für das Herstellen von Dörrobst gezüchtete Birnensorten. Meist haben diese alten Obstsorten der bäuerlichen Selbstversorgung keine eigene Sortenbezeichnung. Die Früchte haben eine besonders feste Schale und einen sehr hohen Zuckergehalt. Roh sind sie fast ungenießbar, schmecken eher „hantig“ und es zieht einem den Mund zusammen, wenn man sie kaut.

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Spätreifende Birnensorten mit viel Zucker bevorzugt

Heute werden zum Herstellen von Kletzen spätreifende Birnensorten mit festem Fruchtfleisch und viel Zucker bevorzugt. Vielerorts sind die oft weit mehr als hundert Jahre alten Kletzen-Birnbäume der Motorsäge zum Opfer gefallen. In unserer Region findet man solche Bäume noch gelegentlich auf den Grünstreifen neben Straßen. Alte Bäume stehen zum Beispiel an der Gemeindestraße zwischen Otting und Waging.

Das Wort Kletzen hat seinen Ursprung im mittelhochdeutschen Wort kloezen, was spalten bedeutet. Die Birnen werden nämlich vor dem Trocknen gespalten. Kaum ein anderes Weihnachtsgebäck hat eine längere Tradition als das Kletzenbrot. Es wird vor allem im österreichischen, bayerischen und schwäbischen Raum gebacken.

Traditionell gebacken am Andreastag

Das Brot ist einfach herzustellen, sogar auf zusätzliches Süßen kann man wegen der Eigensüße der getrockneten Birnen verzichten. Gebacken wird es traditionell um den Andreastag (30. November). Um diese Zeit beginnen auch die Klöpfelnächte, das sind die drei ersten Donnerstage im Advent. Angeschnitten wurde das Kletzenbrot früher erst an Heiligabend oder am Stefanitag (26. Dezember). Besonders für die armen Leute, die im letzten und vorletzten Jahrhundert zum Klöpflsingen gingen, war die lange Haltbarkeit des Gebäcks von Vorteil.

Harmonischer Geschmack durch Aromen vom Schwarzbrot

Kletzenbrot bekam einen besonderen Geschmack, wenn man es früher gemeinsam mit Schwarzbrot im Holzbackofen gebacken wird. Es sollte mindestens eine Woche ruhen, bis man es anschneidet, damit die Aromen durchziehen und das Kletzenbrot einen harmonischen Geschmack bekommt.

Kletzenbrot vom Brandlhof war bei der Versteigerung heiß begehrt

Auf manchen Bauernhöfen wird die alte Tradition noch gepflegt. So hat man bis vor ein paar Jahren auch am Brandlhof in Haunstätt Ende November, Anfang Dezember nicht nur Schwarzbrot, sondern auch Kletzenbrot gebacken. Einen Teil davon haben Marianne Brandl und ihr vor einigen Jahren verstorbener Mann Peter für die alle zwei Jahre stattfindende Versteigerung bei der Weihnachtsfeier des Trachtenvereins „Eschenwald“ Rettenbach gespendet. Es war heiß begehrt.

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