Interview mit Peter Steiger

„Bachauskehr“ im Priener Mühlbach rettet 10.000 Fischen das Leben

Beim Elektro-Abfischen im Priener Mühlbach (hinten, von links): Georg Aicher, Walter Hefter, Andreas Filberth, Christian Reinsch und Maxi Grabmann. Andreas Gajewski (vorne) hat gerade eine Äsche erwischt. Berger
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Beim Elektro-Abfischen im Priener Mühlbach (hinten, von links): Georg Aicher, Walter Hefter, Andreas Filberth, Christian Reinsch und Maxi Grabmann. Andreas Gajewski (vorne) hat gerade eine Äsche erwischt. Berger
  • Ulrich Nathen-Berger
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Für die Priener Sportfischer eine große Herausforderung: Weil die Uferverbauung am Mühlbach teilsaniert werden sollte, musste der Mühlbach fast trockengelegt werden. Mit einer aufwändigen Aktion hat der Verein rund 10000 Fische gefangen und umgesetzt. Vorsitzender Peter Steiger dazu im Interview:

Prien – Seit vielen Jahren wird der etwa fünf Kilometer lange Mühlbach vom Sportfischerverein Prien bewirtschaftet. Das Gewässer verläuft vom Eichental im Südwesten Priens, quert den Ortsbereich auf Höhe der Waldorfschule, weiter zum Teil entlang der Bernauer Straße und querfeldein bis zu seiner Mündung in den Chiemsee im Südosten. Weil der Markt Prien in mehreren Teilbereichen die Uferverbauung sanieren musste, wurde der Mühlbach in den vergangenen drei Wochen nahezu trockengelegt. Für die Sportfischer bedeutete dies: eine „Bachauskehr“, ein Abfischen wie vor fünf Jahren. Über Verlauf und Ergebnis der mehrtägigen aufwändigen Aktion sprach die Chiemgau-Zeitung mit dem Vereinsvorsitzenden Peter Steiger.

Warum ist das Abfischen mit diesem Aufwand nötig?

Peter Steiger: Weil wir den Fischbestand im Mühlbach wie auch das wertvolle Biotop erhalten wollen. Dort sind 24 verschiedene Fischarten heimisch. Wenn nur noch Restwasser im Bachlauf steht, bekommen die großen Fische zu wenig Sauerstoff. Vor allem wenn in dieser Zeit die Temperaturen hochgehen könnte das der sichere Tod für die Bachforellen oder Äschen bedeuten.

Wie wurde die Aktion durchgeführt?

Steiger: Zum Fangen der Fische wird elektrischer Strom eingesetzt, der ins Wasser geleitet wird. Ein tragbarer Generator liefert den Gleichstrom. Der Pluspol ist mit dem Käscher verbunden, der mäanderförmig durchs Wasser gezogen wird. Die Fische werden durch die anodische Wirkung angezogen und können so gefangen werden. Im besten Fall gehen sie dann zappelnd in den Sammeleimer. Wenn es schlechter läuft, sind sie bewusstlos. Was aber nicht passieren darf – dass sie durch den Strom sterben.

Wieviel Mitglieder waren im Einsatz?

Steiger: In den ersten beiden Tagen bis zu 22. Mit Abfischen und Wiederbesatz, den wir bis zum 8. Oktober abgeschlossen haben, sind in 17 Tagen 614 Arbeitsstunden zusammengekommen.

Wieviele Fische habt ihr fangen können?

Steiger: Bei etwa 10.000 gefangenen Fischen hatten wir einen Ausfall von nur 15 Fischen.

Der „Brot- und Butterfisch“ des Mühlbach, präsentiert von Peter Steiger.

Was habt ihr mit denen gemacht? In andere Gewässer eingesetzt?

Steiger: Unter anderem haben wir etwa 700 Bachforellen und Äschen aus dem Eichentalbereich in die Prien oberhalb der Mühlbachschleuse eingesetzt. Knapp 2000 Fische haben wir für etwa 14 Tage in unseren Teichen im Eichental untergebracht; dabei mussten wir die kleineren von den größeren trennen, damit sie nicht gefressen werden.

Was waren bei der Abfisch-Aktion die größten Probleme?

Steiger: Der Durchfluss unter der Waldorfschule – die lichte Höhe schätze ich auf maximal 80 Zentimeter. Die Kollegen mussten zum Teil knieend oder mit gespreizten Beinen durchs Wasser kriechen und dabei natürlich weiterhin die Fische erwischen; weil es dort recht dunkel ist, halten sich dort viele auf. Und die Zeit: Wir haben etwa eineinhalb Kilometer des Mühlbachs nicht abfischen können, weil wir es zeitlich nicht mehr geschafft haben. Zudem: Bei jeder Baustelle können Probleme auftauchen. Wie an der Mühlbachschleuse: Dort hatten wir eine Pumpe eingesetzt, um den Mühlbach mit Restwasser zu versorgen. Die wurde mehrfachvon Unbekannten abgeschaltet. Damit fiel der Mühlbach in dem Baustellenbereich fast trocken. Das hat einige Tausend Mühlkoppen das Leben gekostet, auch etwa 20 Bachforellen.

Was war die wichtigste Erkenntnis nach Abschluss der Aktion?

Steiger: Die Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde wie auch den Triebwerksbetreibern war einfach perfekt.

Wie hat der Verein den monetären Aufwand gestemmt?

Steiger: Unser finanzieller Aufwand bewegt sich bei 2500 Euro. Das müssen wir aus unserem eigenen Vereinssäckel stemmen. Wir würden uns über Unterstüzung durch Spenden sehr freuen – gegen entsprechende Quittungen natürlich.

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