LANDWIRTSCHAFTSPROJEKT IM SENEGAL

Babakar zurück in Musa

Zwei Wochen verbrachte die Prienerin Uta Mewes bei Babakar in Musa. Das Foto entstand vor dem Haus seiner Familie, in dem sie in dieser Zeit auch lebte. privat
+
Zwei Wochen verbrachte die Prienerin Uta Mewes bei Babakar in Musa. Das Foto entstand vor dem Haus seiner Familie, in dem sie in dieser Zeit auch lebte. privat

Seit einigen Wochen ist Babakar wieder im Senegal und versucht, dort eine Landwirtschaft aufzubauen. Dabei wird der 32-Jährige, der die vergangenen zwei Jahre in Prien gelebt hatte, weiterhin von seinen Freunden im Chiemgau unterstützt. Die Prienerin Uta Mewes kam vor wenigen Tagen aus Babakars Heimatdorf Musa zurück.

Prien/Senegal – „Sag bitte den Prienern, mir geht es gut.“ Dass Uta Mewes diese Nachricht übermittelt, war Babakar beim Abschied sehr wichtig. Am 2. November hat er Deutschland verlassen und ist in seine Heimat zurückgekehrt.

Zuletzt hatte die Chiemgau-Zeitung im Spätsommer noch berichtet, dass der Senegalese ausreisen möchte, aber nicht kann, weil ein wichtiges Dokument fehlt und in der Botschaft keiner zu erreichen ist. „Das haben wir hingekriegt, und dann ging alles ganz schnell“, erzählt Uta Mewes. Sie ist Hauptorganisatorin des Projektes „Sukouli sense Musa“, „Entwicklung für Musa“, in dem ein Priener Helferkreis den Senegalesen darin unterstützt, die Landwirtschaft seines verstorbenen Vaters zu reaktivieren, um den Menschen in seinem Dorf Arbeit und Nahrung zu geben.

Auf Babakar lastet ein enormer Druck

Auf Babakar laste ein „enormer Druck, etwas aufzubauen, dafür zu sorgen, dass was entsteht“, berichtet Mewes. Bereits der Großvater des 32-Jährigen hatte die Landwirtschaft auf den Feldern rund um das Dorf Musa im Zentral-Senegal aufgebaut, der Vater brachte dann den Menschen dort bei, wie man Gemüse anbaut. Er bezahlte auch eine Wasserversorgung für die Felder, so dass die Felder auch außerhalb der Regenzeit bewirtschaftet werden konnten.

Als der Vater vor sieben Jahren starb, erbten Babakar und seine Schwestern das Land, doch es fehlte das Geld, die Vision des Vaters fortzuführen. Um im Ausland zu arbeiten und Geld nach Hause zu schicken, verließ der junge Mann seine Heimat, seine Familie, vor allem aber seinen damals zwei Monate alten Sohn, zu dem er jetzt als Fremder zurückgekehrt ist.

Uta Mewes lebte zwei Wochen in Musa, teilte sich ein Zimmer mit Babakar, seiner Frau und dem Buben. Musa, so erklärt sie, liege im Zentrum Senegals, nahe der 40 000-Einwohner-Stadt Kaffrine. Es sei die heißeste Region des Landes, die Erde sehr staubig und sandig, der Klimawandel allgegenwärtig.

„Er ist sehr zielorientiert“ Uta Mewes über Babakar

Täglich begleitete sie Babakar, der derzeit viele Dinge in die Wege leitet. „Er ist sehr zielorientiert“, ist sie beeindruckt von seinem Einsatz. Dennoch: „Es ist zu einfach gedacht, dass man Geld investiert und dann läuft es.“ So habe es zum Beispiel schon allein viel Mühe gekostet, jemanden zu finden, der lesen und schreiben kann, um die Buchführung zu übernehmen.

Bereits vor Babakars Rückkehr angelaufen war der Anbau von Erdnüssen. Derzeit geht es darum, eine Hühnerzucht aufzubauen. Die alten Hühnerställe des Vaters sind noch da, und die Großfamilie hat sich bereit erklärt, sie dem Heimkehrer zu überlassen. Nun bringt Babakar die Ställe auf Vordermann, um im nächsten Schritt Hühner anzuschaffen. Zunächst geht es um die Produktion von Eiern und Fleisch, im nächsten Schritt möchte der Senegalese aus dem Hühnermist Dünger herstellen.

Denn die Wasserversorgung, die der Vater aufgebaut hatte, ist noch vorhanden, der Boden jedoch ohne Dünger nicht für den Gemüseanbau geeignet. Das nötige Wissen dazu hat der 32-Jährige. Seit seinem sechsten Lebensjahr arbeitet er in der Landwirtschaft; in Deutschland hat er dann vieles dazugelernt.

Zu seinen Priener Freunden und Helfern hält Babakar über Whatsapp-Sprachnachrichten Kontakt. Und schon in wenigen Monaten werden ihn wieder zwei Mitstreiter aus dem Projekt besuchen.

Mewes plant zudem einen Infoabend, um die Priener auf dem Laufenden zu halten. Wichtig sei nun, so die Prienerin, dass Babakar weiter Unterstützung erfährt auf seinem Weg, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur finanziell, sondern auch emotional.

Kommentare