PROJEKT „ENTWICKLUNG FÜR MUSA“

Babakar will im Senegal durchstarten

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Möglichst schnell will Babakar zurück in sein Heimatdorf und ein Projekt umsetzen, das er mit Hilfe einiger Priener ins Leben gerufen hat. Der Senegalese möchte die dortige Landwirtschaft in Gang bringen, Arbeitsplätze schaffen. Nur: Derzeit scheitert seine Ausreise an der Bürokratie.

Prien – Babakar Sider Signane steht in den Startlöchern. Sein Abschiedsfest war schon, die Koffer wären schnell gepackt. Der 32-Jährige will zurück in den Senegal, will schnellstmöglich in seinem Heimatdorf Musa ein Projekt verwirklichen, mit dem er die dortige Landwirtschaft voranbringt. Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist das „Laissez-passer“, ein Dokument für die Rückreise von Migranten, die keinen Pass mehr haben.

„Ich weiß nicht. Vielleicht klappt es nächsten Monat“, beantwortet Babakar die Frage, wann er nach Hause fliegt. „Wir hängen völlig in der Luft“, erklärt die Prienerin Helke Fussell. Sie spricht sehr gut Französisch und war zunächst nur Übersetzerin für Babakar, aber dann plötzlich völlig in das Projekt „Sukouli sense Musa“ eingebunden. „Entwicklung für Musa“ übersetzt Babakar dies aus Wolof, der Umgangssprache in seiner Heimat.

Das Problem im Moment: In der senegalesischen Botschaft in Berlin ist seit Wochen niemand zu erreichen. Weder telefonisch, noch per E-Mail.

Die Prienerin Uta Mewes, Hauptorganisatorin des Projektes, ist bereits mit einer weiteren Mitstreiterin im Senegal, um dort das Vorhaben voranzutreiben. Unter anderem hat sie Kontakte zu einer Solarfirma geknüpft. Was einzig fehlt, ist Babakar. Und der würde gerne ausreisen, kann aber mangels Papieren nicht.

Natürlich, so sagt er, falle es nach über zwei Jahren schwer, Prien zu verlassen. Er hat hier Freunde gefunden und ist gut vernetzt. Aber zu Hause freuen sich alle auf ihn – die Mama, die vielen Geschwister, sein Sohn, den er zuletzt als Baby gesehen hat. Sechs Jahre war Babakar weg, zuerst in Dakar, dann in Deutschland.

Sein erklärtes Ziel von Anfang an: Wiederkommen und fortsetzen, was der Vater begonnen hat. Babakar war von seinem Vater für die Landwirtschaft vorgesehen, lernte ab dem sechsten Lebensjahr alles, was er wissen musste. Der Familie gehören mehrere Hektar Land, und der Vater hatte die Vision, Musa zu entwickeln. Er brachte den Menschen dort bei, wie man Gemüse anbaut, bezahlte eine Wasserversorgung für die Felder, so dass auch außerhalb der Regenzeit angebaut werden konnte. Als der Vater vor sieben Jahren starb, erbte Babakar mit zwei Schwestern das Land. Doch es fehlte das Geld, da weiterzumachen, wo es der Vater nicht mehr geschafft hat. Deswegen verließ er sein Land.

In Prien hat der Senegalese über den Helferkreis Mitstreiter gefunden. Die Finanzierung eines Hühnerstalls steht. Gebaut wird er, sobald der 32-Jährige vor Ort ist. Salat, Tomaten, Karotten und Erdnüsse möchte er auf den Feldern anbauen.

In Deutschland hat er durch freiwillige Arbeit in der Landwirtschaft sein Wissen erweitert. „Es ist nicht viel anders. Nur dass es hier viele Maschinen gibt, und wir im Senegal alles per Hand machen“, sagt er.

Klein will er anfangen, mit wenigen Leuten. Das Fernziel ist aber, Arbeitsplätze zu schaffen. Mit der Ernte sollen die Dorfbewohner – rund 300 sind es – versorgt werden, der Rest soll in der Hauptstadt Dakar verkauft werden.

Den Traum des Vaters weiterführen

Die „Zentrale Rückkehrberatung“ in Mühldorf hat den Businessplan genehmigt und eine finanzielle Starthilfe geleistet. Viele Freunde und Unterstützer haben kürzlich Babakar mit einem großen Fest im Gemeindesaal der evangelischen Kirche verabschiedet. Und Uta Mewes wartet in Dakar darauf, mit ihm in sein Heimatdorf reisen zu können und die weiteren Schritte einzuleiten.

Helke Fussell ist zuversichtlich, dass Babakar das Projekt stemmt. „Er ist ein Anführer“, sagt sie. „Ich finde es toll, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.“

Der 32-Jährige gibt sich ob des Lobes bescheiden. Es sei ja nicht seine Idee gewesen, sondern die seines Papas. Dieser habe viel Vorarbeit geleistet. „Ich führe nur den Traum meines Vaters weiter“, sagt er. Und hofft, dass es bald soweit ist.

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