Babakar im Senegal auf Erfolgskurs

Gut in Schuss sind die Gebäude auf dem Hof von Babakar Segnane. Tägliche Arbeit der Frauen ist es, die geernteten Erdnüsse zu schälen. privat

Aus dem Flüchtling von einst ist im Senegal ein Geschäftsmann geworden. Das machen die Berichte und Bilder von zwei Frauen deutlich, die Babakar Segnane kürzlich besucht haben. Und aus dem Priener Helfer-Team rund um Babakar erwächst derzeit zudem ein Verein.

Prien – Es ist erstaunlich, was Carola Thaller und Uta Mewes da in ihrem Vortrag im katholischen Pfarrheim über den 35-Jährigen, der 2017 in seine Heimat zurückgekehrt war, berichten. Zusätzlich zu seinem Lokal „Prime am Kinze“ (wir berichteten) hat er jetzt einen Veranstaltungssaal eröffnet. Die Gebäude auf seinem Hof sind gut in Schuss, die Hühner in dem Stall, den Babakar schon bald nach seiner Rückkehr errichtet hatte, sind gesund und gut im Futter.

Kleine Tochter nach Projekt-Initiatorin Uta benannt

Doch nicht nur geschäftlich, auch privat läuft es für Babakar. Er ist stolzer Vater der kleinen Uta, benannt nach Uta Mewes, die zur Zeit der Geburt im Januar selbst vor Ort war. Und sein Sohn, den er während der zwei Jahre, die er in Prien war, bei der Mutter zurückgelassen hatte, geht inzwischen auf die beste Schule in der nahen Stadt Kaffrine.

Doch zunächst war im Herbst die Münchener Studentin Carola Thaller in den Senegal gereist, um im Rahmen ihrer Bachelorarbeit Babakars Landwirtschaft unter die Lupe zu nehmen. Am Ende ihres reich bebilderten Reiseberichtes zog sie das Fazit: Babakar arbeitet „selbst und ständig“, er hat vor Ort ein zuverlässiges und sympathisches Mitarbeiter-Team um sich, vor allem sein Lokal „Prime am Kinze“ hat viel Potenzial, und die Motivation für weitere Projekte ist bei allen Beteiligten groß.

Die Studentin hatte jedoch nicht nur beobachtet, sondern auch kräftig angepackt. Denn während ihres Aufenthalts lief die Renovierung des Veranstaltungssaals, den Babakar sich als weiteres Standbein zu seinem Lokal in den Kopf gesetzt hatte. So half sie, aus Mosaik-Fliesen den Boden zu legen und die Wände in leuchtend bunten Mustern zu bemalen.

Davon, dass der Saal vom Tag der Eröffnung an auf Erfolgskurs war, konnte sich dann Uta Mewes überzeugen, die mit ihrem Mann über den Jahreswechsel im Senegal gewesen war. Sie hatte das Projekt „Babakar“ damals ins Leben gerufen. „Das war ein irrer Umsatz, und der Saal bumsvoll“, berichtete sie. Da sie bereits ein Jahr zuvor schon Babakars Familie besucht hatte, hatte sie den direkten Vergleich.

Erstaunt sei sie gewesen, dass Babakar ein Manager und „Kontaktemacher“ geworden ist. Vom Händler auf dem Markt bis hin zum Gouverneur, der inzwischen auch schon den Saal gemietet hat – „er kann verhandeln und mit den Menschen sprechen“. Zwar war es Babakars Ziel gewesen, als er nach Europa gekommen war, hier Hilfe zu finden, um die Landwirtschaft seines Vaters und Großvaters wiederaufzubauen. Derzeit, so Mewes Eindruck, entdecke er sber gerade, dass er ein viel besserer Händler als Landwirt ist. Dass die Landwirtschaft in jüngster Zeit wegen der vielen Arbeit mit Restaurant und Saal gelitten hat, sei nicht zu leugnen.

Beeindruckt war das Ehepaar Mewes auch vom Mitarbeiter-Team, das der 35-Jährige eingestellt hat. Besonders die Mitarbeiterinnen, die im Restaurant arbeiten, seien extrem fleißig, aber auch selbstbewusste, im Leben stehende Frauen. „Der macht total viel und macht es gut, aber ohne Hilfe von hier würde er es nicht schaffen“, so Mewes Gesamteindruck.

In ständigem Kontakt mit Babakar steht die derzeitige Projektleiterin Helke Fussell – ihr sendet er fleißig Sprachnachrichten und Fotos. Auch für diesen Abend hatte eine Botschaft geschickt. „Mein Herz und meine Gedanken sind mit Euch“, ließ er ausrichten. Das Projekt sei sehr gewachsen und werde viel geachtet, und er sei den Prienern sehr dankbar für ihre Hilfe.

Und noch eine Nachricht verlas Fussell sehr gerne. So hatte ihr eine Frau, die zu den Präsidentschaftswahlen in Senegal im Februar als EU-Wahlberichterstatterin dort war, geschrieben und dabei das Restaurant „Prime am Kinze“ sehr gelobt.

Jetzt gelte es, das Projekt zu stabilisieren und noch bekannter zu machen, so Fussell in ihrem Ausblick, wie es weitergeht. Babakar sei so weit, dass er kein Geld mehr geschenkt bekommt, sondern nur noch Darlehen. Sie hat guten Einblick in die Bilanzen; wöchentlich lässt ihr ein Buchhalter Babakars diese zukommen.

Um künftig weiteren Rückkehrern mit Unternehmergeist zur Seite stehen zu können, wolle sich das Projekt, das von Beginn an unter dem Dach des Vereins „Moja Kwa Moja“ stand, von diesem lösen und eigenständig werden. „Vision Yamalé sei der Name des Vereins, den es zu gründen gilt – „Yamalé“ steht in der Eingeborenensprache Wolof für „Gleichberechtigung“.

Felix plant seine Zukunft als Schweißer in Nigeria

Zweck des Vereins soll die Förderung von Rückkehr- und Aufbauprojekten in Afrika sein. Einer, der es gerne ebenso wie Babakar mit Hilfe aus Prien in seiner Heimat schaffen möchte, stellte direkt seinen Businessplan vor. Felix, seit 2015 in Prien, möchte zurück nach Nigeria. Mit den Erfahrungen, die er in diesem Beruf bereits in Nigeria und auch in Deutschland gesammelt hat, will er sich in einer Stadt mit drei Millionen Einwohnern im Süden des Landes als Schweißer selbstständig machen.

Kommentare