Autos und Radler sind Knackpunkte

Unter der Moderation von Pfarrer Karl Wackerbarthstanden Annette Resch (CSU), Claudia Sasse (Grüne), Michael Voggenauer (Freie Wähler Bayern), Sepp Schuster (AfD), Eva-Maria Munkler (Bürger für Prien) und Andreas Friedrich (Überparteiliche Wählergemeinschaft Prien) Rede und Antwort (von links). Co-Moderator war Matthias Rößner (nicht im Bild). berger
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Unter der Moderation von Pfarrer Karl Wackerbarthstanden Annette Resch (CSU), Claudia Sasse (Grüne), Michael Voggenauer (Freie Wähler Bayern), Sepp Schuster (AfD), Eva-Maria Munkler (Bürger für Prien) und Andreas Friedrich (Überparteiliche Wählergemeinschaft Prien) Rede und Antwort (von links). Co-Moderator war Matthias Rößner (nicht im Bild). berger

Sechs auf einen Streich – das bot die Podiumsdiskussion mit den sechs Bürgermeisterkandidaten für die Marktgemeinde durch den Gewerbeverband „PrienPartner“. „Von Politikverdrossenheit oder Demokratiemüdigkeit war dabei keine Spur im Chiemseesaal und Foyer.

Prien – Und eines war dabei von Anfang an für den Vorsitzenden Dr. Herbert Reuther angesichts des aus allen Nähten platzenden Chiemsee-Saals inklusive Foyer mit Videoübertragung ersichtlich: „Von der vielgescholtenen Politikverdrossenheit oder Demokratiemüdigkeit sehe ich angesichts des hohen Besucherandrangs nichts.“ In jeweils zwei Minuten hatten Annette Resch (CSU), Claudia Sasse (Grüne), Michael Voggenauer (Freie Wähler Bayern), Sepp Schuster (AfD), Eva-Maria Munkler (Bürger für Prien) und Andreas Friedrich (Überparteiliche Wählergemeinschaft Prien), um zu den Themenblöcken Verkehr/Ortsentwicklung, Wohnen/Arbeiten/Bezahlbarer Wohnraum, Wirtschaft und Tourismus, Kommunales Miteinander, Generationen, Umwelt und Flüchtlinge Stellung zu nehmen.

Ziele in puncto Verkehr und Ortsentwicklung

Ein Parkhaus in der Ortsmitte hält Annette Resch für unerlässlich. Auch ein zweites Beilhack-Parkdeck ist für sie eine Option, um den Park-Such-Verkehr zu reduzieren. Eine gute Fuß- und Radwegeverbindung zwischen Zentrum und See/Stock führte sie ebenso an, wie als Fernziel eine Ortsumgehung und bessere Gehwege für Senioren und Familien. Generell sprachen sich alle Kandidaten für eine Verbesserung des Radwegenetzes aus.

Claudia Sasse hob besonders die Radwege für Kinder zur Schule und nach Hause hervor. Auch solle es mehr Platz für Kinderwagen und Fußgänger geben. Sie wollte allerdings nur ein temporäres Parkhaus, das später zu einem Geschäftshaus umgewandelt wird und Elektrobusse durch den Ort. Barrierefreiheit war ebenso ein Schlagwort aller Bewerber.

Michael Voggenauer wünscht sich zudem eine autofreie Zone und einen Radwegeausbau bis Prutdorf. Das Bahnhofsumfeld und dessen Verbesserung sowie die Ortsumgehung (in interkommunaler Zusammenarbeit) sprach er ebenso wie Josef Schuster an. Letzterer hält aber einen Tunnelbau als einzige Lösung, um den Lkw-Verkehr aus der Gemeinde zu bekommen. Auch müsse die Umgehung großflächiger – beispielsweise über Pinswang – angelegt werden. Überdies will er kein Parkhaus im Zentrum, sondern auf dem Beilhack-Gelände. Eva-Maria Munkler führte hier eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer an. Auch eine Temporeduzierung und eine Beschränkung genereller Art auf 30 Km/h schwebt ihr vor. Querungshilfen sollen ebenfalls den Fußgängern helfen. Außerdem will sie ein Leitbild im Dialog mit den Bürgern entwickeln.

Andreas Friedrich will den Durchgangsverkehr aus der Marktgemeinde rausbekommen. Ein Einbahnstraßenring, Radwege sowie die Ortsumfahrung waren auch hier die Schlagworte. Hierzu soll ein Verkehrsplaner zu rategezogen werden, um alle Optionen auszuloten.

Wohnraum und Arbeiten in der Gemeinde

Sasse: Als Menschenrecht bezeichnete sie, dass jeder ein würdiges Dach über seinem Kopf verdient habe. Ihre Wege hierzu: innerörtliche Nachverdichtung, wobei alte Bäume erhalten werden sollen. Auch solle darüber nachgedacht werden, ob man nicht auf Supermärkten in draufgesattelten Stockwerken Dienstleitungen und Wohnungen errichten könne.

Voggenauer: Sogenannte Tinyhouse-Siedlungen (Mini-Wohnhaus) und Seniorenwohnungen schweben ihm vor. Er ist für ein Zweiwohnungsverbot und will mit einem runden Tisch, Baugenossenschaften, Ärzteverband und Wirtschaftsförderung zusammenbringen.

Schuster: Sozialer Wohnungsbau anstelle des König-Ludwig-Saals und stattdessen ein neues Veranstaltungshaus im Lechner-Anwesen nahe des Beilhack-Parkplatzes waren seine Ideen. Auch fordert er aus eigener Erfahrung, dass Bauwilligen mehr erlaubt werden soll und statt Ablehnung Optionen aufgezeigt werden sollen.

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Munkler: Die Schaffung einer nicht profitorientierten Genossenschaft, die Wohnraum baut, fordert sie. Zugleich will sie mehr Modelle wie „Eglwies“ und gegen Geschäfte-Leerstand einsetzen.

Friedrich: Die Erhöhung der Zweitwohnungssteuer, ein Satzungsverbot für neue Zweitwohnungssitze, die Gemeinde als Bauherr für Projekte und dadurch staatliche Fördermöglichkeiten abschöpfen waren seine Säulen in diesem Themenblock.

Resch: An die bereits existierende 40-Prozent-Regelung für Einheimischennutzung bei Neubauprojekten wie Eglwies, die auch sie fördern will, erinnerte sie. Aber: Einfach auf der grünen Fläche zu bauen, komme nicht in Frage.

Wirtschaft, Tourismus und Landesausstellung

Das Alleinstellungsmerkmal „Chiemsee“ will Voggenauer in einem Logo besser vermarkten und so auch den Wirtschaftsfaktor Tourismus fördern. Zugleich zähle gerade bei der Landesausstellung ein sauberes Erscheinungsbild und die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes, der Fassaden und des Marktplatzes. Für Schuster wiederum brauche es nicht mehr Beherbergungsbetriebe. Er will besseres W-Lan für die Gemeinde und Hotspots. Zudem würden die reinen Inselbesucher kein Geld im Zentrum lassen. Hier sollte man Anreize schaffen. Qualität statt Quantität war das Credo von Munkler. Wenn Prien schöner würde, würden auch mehr Urlauber kommen. Dies gehe Hand in Hand mit der Ortsentwicklung. Es bedürfe eines Gleichgewichts zwischen Einheimischen und Urlaubern. Friedrichzufolge darf man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen. Man brauche den Tourismus. Ein Runder Tisch mit Vermietern, Hoteliers und Prien Marketing soll hier neue Wege aufzeigen. Die Einzelhändler gezielter zu unterstützen, war Resch ein Anliegen. Auch eine Nutzung auf Zeit schloss sie nicht aus. Sanfte Entwicklung bedürfe es in puncto Tourismus, um attraktiv zu bleiben. Prien zu einem Einkaufs- und Verweilerlebnis zu machen, ist eine ihrer Visionen. Gegen Billigketten und Leerstand war auch Sasse. Mit Bürgerbeteiligungen will sie hohen Mieten zu Leibe rücken. Ihr Fokus liegt dabei auf ökologischer Wirtschaft. Regionales habe Vorrang und ein grünes Siegel für Handel und Betriebe künftig wichtig sei.

Kommunales Miteinander nach der Wahl

Hier waren sich alle Kandidaten einig. Prien und seine Vereine seien einmalig, etwas besonderes. Sie stünden für eine lebendige Gemeinschaft und Gesellschaft. Bürgerbeteiligung, Transparenz, Bürgernähe, Mitgestaltung sowie Bürgerwerkstätten lauteten hier Begriffe der Bewerber. Dass man – auch wenn man aktuell gegeneinander antrete – im Gemeinderat das Miteinander pflege, unterstrichen alle. Ebenso die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen.

Generationen miteinander verbinden

Munkler: Ein Mehrgenerationentreffpunkt sowie Ruhebereiche für Ältere und Spielbereiche für Jüngere schweben ihr vor. Zudem brauche es Barrierefreiheit für Menschen mit Handicap. Friedrich wiederum sieht hier eine Chance des Miteinanders. Der Wendelstein-Park sei bereits eine Begegnungsstätte der Generationen. Dessen Belebung liege ihm am Herzen. Aber: Die Gemeinde könne das nicht vorschreiben, sondern nur an das verständnisvolle Miteinander und gegenseitige Rücksichtnahme appellieren.

Mehr zur Wahl finden Sie im Netz unter www.ovb-online.de/buergermeisterwahl-kreis-rosenheim-2020

Resch: Das das Zusammenleben zwischen alt und Jung schon gut funktioniere, untermauerte sie mit dem IST-Mobil (Sammeltaxi), welches aus dem Jugendrat kommt und für Familien und gerade Senioren eine besondere Attraktivität habe. Gleiches gelte für die Beachbar und die Mischung von jungen und alten Bewohnern im Projekt „Eglwies“. Patenschaften umgekehrt, also nicht alt für jung, sondern jung für älteren Menschen sieht Sasse als Verbindungsmöglichkeit der Generationen. Gemeinsame Projekte und gegenseitige Unterstützung sind ihr wichtig. Die Alterspyramide sprach auch Voggenaueran. Durchschnittlich 48 bis 50 Jahre alt sei der Priener. Dabei müsse sich vom Kleinkind bis zum Senioren jeder im Ort wohlfühlen. Ihm schwebt eine Seniorentagesstätte im Lechnerhaus vor, wo Alt und Jung zusammenkommen können. Auch ein reger Austausch mit den Institutionen ist ihm ein Anliegen. In SchustersAugen gibt es für die Jugend „nix“. Deshalb forderte er ein Veranstaltungshaus im Lechnerhaus mit multifunktionalen Einsatzmöglichkeiten. Auch ein Mehrgenerationenhaus kann er sich vorstellen – auf einem Gemeindegrundstück. Einen Ortsbus wie Rimsting findet er sinnvoll.

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Von Zielen bei Umwelt und Klimaschutz

Große Bedeutung kommt diesem Thema laut Friedrich bei. Umweltschutz fange aber im Kleinen an, bei energetischen Sanierungen, Müllervermeidung und -trennung. Das Augenmerk liegt dabei auch auf Schulen. Auch Resch baut auf energetische Sanierungen, Radwege, um den Umstiege vom Auto zu erleichtern, Direktvermarktung sowie regionale Produkte. Zudem hob sie die hohe Bedeutung der Landwirtschaft hervor. Sasse will über alle Vorhaben und Entscheidungen die Signatur „umweltfreundlich und klimaverträglich“ stellen. Auf Kompost statt Tonne setzt Voggenauer. Natürliche Elemente wie Bäume statt Sonnensegel seien in mehrfacher Hinsicht entscheidend. Ein Klimaschutzmanager könnte überdies eingestellt werden. Schuster würde wieder das per Bürgerentscheid abgelehnte Blockheizkraftwerk zur Diskussion stellen – gegebenenfalls an einem anderen Standort. Auch eine Tonne für Plastik für jedes Haus sprach er an. Munkler sprach die Eigenverantwortung eines jeden an, Müll zu vermeiden und korrekt zu trennen. Auch sie will jede politische Entscheidung auf Klimaschutz hin prüfen. Der Mensch brauche die Natur und nicht umgekehrt, betonte sie. Alle waren sich einig: Die Gemeinde müsse dabei als Vorbild fungieren.

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