AUS DEM GERICHTSSAAL

Außer Rand und Band

Rosenheim/Prien – Zu einer Geldstrafe hat das Amtsgericht Rosenheim einen 26-jährigen Senegalesen verurteilt, der Anfang März in Prien außer Rand und Band geraten war. Was am Abend des 2. März passiert sei, so erklärte er mit Hilfe der Dolmetscherin vor Gericht, wisse er nicht mehr.

Er schlug einen Freund und bedrohte Sicherheitsbeauftragte (wir berichteten). Der 26-Jährige hatte Schnaps getrunken.

Er könne sich allein daran erinnern, dass er zu viel getrunken habe. Dieser Meinung war damals auch sein Freund, der ihm in der Gemeinschaftsunterkunft in Prien die Schnapsflasche wegnehmen wollte. Das nahm ihm aber der Betrunkene übel und schlug mit der Faust nach ihm. Darauf schritten die Sicherheitsbeauftragten ein. Die bedrohte der 26-Jährige dann mit „I kill you“ und „fuck you“. Die Sicherheitsbeauftragten nahmen die Ausführungen ernst und erstatteten Anzeige wegen Bedrohung und Körperverletzung.

Ihr Vorgehen beeindruckte den Angeklagten nicht sonderlich. Viel mehr zog er wieder los, um sich in einem anderen Lokal weiter volllaufen zu lassen. Dort spürte ihn schließlich eine Polizeistreife auf – und seitdem saß er in Untersuchungshaft.

Mit seinem Freund habe er sich schon längst wieder ausgesöhnt, berichtete der 26-Jährige in der Gerichtsverhandlung. Sein Freund war wegen einer anderen Sache vorübergehend in Untersuchungshaft. Er hatte keinen Strafantrag gestellt. Vielmehr erklärte er, der Angeklagte habe ihn gar nicht richtig getroffen.

Der 26-Jährige hatte zehn Jahre in Italien gelebt, bevor er im Oktober 2015 mit der großen Fluchtwelle nach Deutschland kam. Die „Kasernierung“ in der Unterkunft und die geringen Aussichten auf Asyl in Deutschland ließen ihn wohl zur Flasche greifen. Dass es aber nicht angehe, auf andere loszugehen oder sie zu bedrohen, das sah er nun durchaus ein. Da er bislang völlig unbescholten war, wollte es die Staatsanwaltschaft bei einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen belassen.

Die Verteidigerin, Rechtsanwältin Sabine Distel, erinnerte, dass ihr Mandant 78 Tage in Untersuchungshaft verbracht habe. Die werde ihm ganz sicher eine Lehre sein. Sie hielt eine Geldstrafe für angemessen, wobei 80 Tagessätze hinreichend seien.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Wolfgang Fiedler hielt eine Strafe von 90 Tagessätzen für angemessen. Angesichts des Einkommens von 180 Euro im Monat und einer Tagessatzhöhe von fünf Euro ergibt sich eine Summe von insgesamt 450 Euro. au

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