„Ausgerechnet in den Osterferien“: Gastgeber in Gstadt leben mit der Coronakrise

Zwei Fahrräder am Höhenweg bei Gstadt, im Hintergrund die Fraueninsel: Die Corona-Krise hat den Tourismus zum Erliegen gebracht, lediglich Einheimische nutzen derzeit das schöne Wetter für Ausflüge. Tourist Info Gstadt

Ruhige Zeiten für die Tourist-Info in Gstadt. Während draußen am Chiemsee-Ufer vereinzelt Spaziergänger und Radfahrer das schöne Wetter genießen, leiden die rund 50 Gastgeber aus Gstadt und der näheren Umgebung unter dem Verbot, derzeit Übernachtungsgäste aufzunehmen.

Gstadt – „Ausgerechnet jetzt in den Osterferien, wo auch noch das Wetter so toll ist“, bedauert Sophia Müller, Leiterin der Tourist-Info Gstadt.

Bürgermeister Bernhard Hainz macht deutlich, dass die Gemeinde zu rund 90 Prozent vom Tourismus lebt: „Es trifft uns hart.“ Er erlebt die Krise selbst direkt mit. Die sechs Ferienwohnungen, die Hainz´ Familie an Gäste vermietet, sind leer, „es kommen laufend Stornierungen, die Leute sind vorsichtig.“ So wie ihm geht es allen Gastgebern, den Wirten und Kioskbetreibern.

Gastgeber hoffen auf Pfingstferien

Den drei von der Kommune betriebenen Gaststätten habe man ab April die Pachtzahlungen erlassen, Gewerbebetriebe können die Gewerbesteuer zinslos stunden lassen. Wem die Krise an die Existenz geht, das weiß Hainz im Augenblick noch nicht – „mein Eindruck ist, dass es jetzt noch einigermaßen geht, aber an Pfingsten brauchen unsere Gastgeber und Wirte wieder Einnahmen, sonst sieht es für manchen sicher schlecht aus.“ Ein großes Dilemma der Branche sei, dass wer Personal krisenbedingt entlasse, später wieder mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen habe: „Wer weiß schon, wie er dann wieder an gutes Personal kommt?“

Bislang, so Hainz, meisterten alle die Krise couragiert, auch an die Bürger teilt er ein Lob aus: „Wir haben 25 Verbotsschilder im Gemeindegebiet aufgestellt. Ich muss sagen, die Menschen sind sehr diszipliniert und halten sich an die Vorgaben.“ Jetzt hieße es durchhalten.

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Die Tourist-Info indes hat derzeit alle ihre Aktivitäten eingestellt: „Auch die geführten Vogelbeobachtungen in freier Natur“, wie Müller erklärt – um Missverständnissen vorzubeugen, denn der Zeitvertreib draußen ist einzelnen Personen und Familien ja bekannterweise gestattet.

Damit der Kontakt zu den Gastgebern nicht abreißt, hält man bei der Tourist-Info mit E-Mails Kontakt, etwa wenn vonseiten der Regierung oder dem Dachverband Chiemgau Alpenland wichtige Informationen zur Lage eintreffen. „Die Gastgeber können sich auch jederzeit an uns wenden“, so Müller, „wir haben zwar geschlossen, sind aber telefonisch und per Mail erreichbar,“

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Veranstaltungen, etwa im Haus des Gastes, wo die Tourist-Info Ausstellungen koordiniert, sind abgesagt. „Das ist schade für die Künstler, die jetzt dort ihre Werke zeigen würden.“ Termin-Verschiebungen seien gar nicht so einfach, denn die Flächen seien oft lange im Voraus gebucht: „Manche haben deswegen ihre Ausstellung gleich um ein ganzes Jahr verlegt.“ sen

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