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„Kleinkrieg am Uferweg“

Fast täglich Auseinandersetzungen zwischen Radlfahrern und Fußgängern am Chiemseeufer

Trotz Verbot nutzen immer wieder Radfahrer den Weg zwischen Stippelwerft und Polizeibootshaus in Prien. Viele Fußgänger fühlen sich dadurch bedrängt. Das Bild stammt vom März.
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Trotz Verbot nutzen immer wieder Radfahrer den Weg zwischen Stippelwerft und Polizeibootshaus in Prien. Viele Fußgänger fühlen sich dadurch bedrängt. Das Bild stammt vom März.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Dreiste Überholmanöver kennt man eher vom Auto, aber auch Radler halten sich nicht an alle Regeln. So auch am Chiemseeufer in Prien und Rimsting. Vom Kleinkrieg am Uferweg.

Prien/Rimsting – Sie fahren wo sie wollen und so schnell sie wollen. Machen nicht Halt vor Fußwegen oder Naturschutzgebieten. Sie klingeln nicht und unternehmen waghalsige Überholmanöver. Die Rede ist von Radfahrern, allerdings von den besonders rücksichtslosen Exemplaren.

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Einer, der sich über sie aufregt, ist Klaus Deuter aus Rimsting. Er heißt anders, aber er befürchtet, sich in seinen sozialen Kreisen unbeliebt zu machen, wenn er sich öffentlich über rabiate Radfahrer aufregt. Fast jeder fahre schließlich Rad und jeder habe dazu eigene Ansichten.

Kein Rum für Spaziergänger?

Der Anlass für seinen Anruf bei der Chiemgau-Zeitung: „Ich war mit meiner Frau auf dem Fußgängerweg bergab in Richtung Schafwaschen unterwegs, als uns zwei Radfahrer entgegenkamen und uns regelrecht zur Seite zwangen“, erzählt der Rimstinger. Er habe einen von ihnen darauf aufmerksam gemacht, dass sie hier nicht fahren dürften. „Halt die Schnauze, interessiert mich nicht“, habe darauf der Radfahrer gerufen und nicht mal abgebremst.

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Der 63-Jährige sagt, schon öfter ähnliche Situationen erlebt zu haben. Immer wieder treffe er bei Spaziergängen auf Fußwegen Radfahrer, sogar auf dem für diese gesperrten Weg entlang der Stippelwerft. „Spricht man sie an, reagieren sie oft aggressiv, drohen einem sogar“, erzählt Deuter von einigen Erlebnissen. „Ich verstehe diese Rücksichtslosigkeit einfach nicht.“ Es müsse doch auch noch Spaziergänger geben dürfen.

Keine Rücksicht

Deuter und seine Frau sind beide leicht gehandicapt, könnten bei einem flotten Überholmanöver von Radfahrern nicht so schnell ausweichen. „Ich hatte schon mal Angst, in die Büsche springen zu müssen“, berichtet Deuter. Ärgerlich findet er, dass ein Fußgänger keine Möglichkeit habe, einen Radfahrer nach einem negativen Erlebnis zu identifizieren: „Kennzeichen für Radler, das wäre was.“

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Dass sich so etwas durchsetzen lässt, daran zweifelt Michaela Messerschmidt vom Fahrradclub ADFC aus Prien. Sie plädiert eher für mehr Kontrollen durch die Polizei oder Ranger, wie es teilweise schon der Fall sei. Und fürs Miteinander-Reden, wobei sie keine Antwort darauf hat, warum gerade dann manche Radfahrer aggressiv reagieren: „Ich halte das für schwarze Schafe“.

Ein Radler schützt ein Kind (links) auf der Harrasser Straße Anfang Juni, der Rettungswagen muss warten. Zu wenig Platz gibt es für Radfahrer, findet man beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub in Prien.

Zu wenig Platz für beide

Wenn Radler rabiat werden, dann vielleicht, weil sie es manchmal einfach müssten: „Es gibt insgesamt zu wenig Platz für sie. Und auch zu wenig Platz für Fußgänger“, findet sie. Das bestätigen zahlreiche Priener bei einer Befragung, die der ADFC 2019 durchführte. „Es gibt zu wenig ausgewiesene Radwege. Das zwingt, woanders hin auszuweichen und auch, gewisse Risiken einzugehen.“ Ob das die Radler auch rücksichtsloser mache? Für Messerschmidt eine Spekulation. Dabei weiß sie: Es gibt nicht nur zu wenig Radwege, sondern auch immer mehr Radfahrer.

„Kampfradler“

Das beklagte schon 2012 der damalige, aus dem Kreis Traunstein stammende Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und brachte das Wort „Kampfradler“ in die öffentliche Debatte, ebenso die „zunehmende Verrohung“, die mit einer Missachtung von Verkehrsregeln und mangelndem Unrechtsbewusstsein einhergehe. Dem „Kampfradler“ widmet das Internet-Lexikon Wikipedia sogar einen eigenen Eintrag.

Messerschmidt sieht es andersherum, dass viele Radfahrer selbst kämpfen müssten. Sie gibt aber auch eine Art Kampf-Hierarchie auf den Straßen zu: Radler gegen Autos, wobei der Druck dann vom Radler auf die Fußgänger übergehen könnte.

Verzicht auf den Uferweg

Eine Lösung wäre für sie neben Radwegen, dass auch Radler mal entschleunigen: „Das heißt weniger Geschwindigkeit.“ Das senke die Gefahr, Fußgänger in Bedrängnis zu bringen. Hier würde sie gern die E-Bike-Fahrer mehr in die Pflicht nehmen, unter denen auch ungeübte oder Senioren ein Tempo von 20 Kilometern pro Stunde locker erreichen. Klaus Deuter aus Rimsting wird das nicht zufriedenstellen. Er und seine Frau haben ihre Freizeitaktivitäten mittlerweile umgestaltet: „Bei schönem Wetter und am Wochenende verzichten wir schweren Herzens auf den Chiemseeweg, weil man ihn angesichts der Radler nicht genießen kann.“

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