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KERSTIN HAFERKORN: „WIR BRAUCHEN VON ALLEN SEITEN GEDULD“

Aus zwei Realschulen in Prien wird eine - Die Schulleiterin im Interview

Nach der Zusammenlegung der beiden Realschulen bleibt Kerstin Haferkorn als Direktorin weiterhin in der Verantwortung.
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Nach der Zusammenlegung der beiden Realschulen bleibt Kerstin Haferkorn als Direktorin weiterhin in der Verantwortung.
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Prien – Zum September 2024 wird die Kommunale Realschule nach ihrem 48-jährigen Bestehen in die Staatliche Chiemsee-Realschule übergeleitet. Die Schulleitung bleibt in der Verantwortung von Kerstin Haferkorn, die seit der Gründung 2012 die Geschicke der Staatlichen Realschule lenkt.

Mit welchem Ziel sind Sie als Rektorin einer zweiten Realschule am Ort damals an den Start gegangen?

Kerstin Haferkorn: Ziel Nummer eins war zunächst, eine neue Schule zu gründen, als Kollegium zusammenzufinden, eine eigene Identität zu finden, ein Schulprofil zu entwickeln,

Gab es Widerstände? Intern wie extern? Aus dem Kollegium, aus dem Elternkreis, aus der Bevölkerung?

Haferkorn: In einem Interview mit der Chiemgau-Zeitung hatte ich damals gesagt, dass die Zusammenarbeit mit der Mittelschule – mit der wir ein Kooperationsmodell eingehen sollten – etwas schwierig werden könnte, weil die Schulzeiten mit 7.10 und 8 Uhr wohl nicht zusammenpassen. Da ging’s aber los: Unter anderem haben Eltern angerufen und deutlich gemacht, dass sie ihre Kinder abmelden würden, sollten wir den morgendlichen Schulbeginn später legen.

Nach dem Neubau an der Schulstraße mussten sich zwei Realschulen ein Dach überm Kopf teilen. Wie hat das funktioniert?

Haferkorn: Viele haben nicht verstanden, dass wir uns in unseren Container-Pavillons so wohl gefühlt haben. Es war einfach eine schöne Zeit mit unserer „kleinen“ Schule. Nach dem Umzug in die neuen Räume in den Weihnachtsferien 2016 haben die Schüler wie auch das Kollegium die vorherige Situation vermisst. Allein schon wegen der räumlichen Übersicht. Alles war jetzt plötzlich anders. Die Schüler waren immer mal wieder desorientiert, weil sie ihre Klassenzimmer nicht fanden, zudem haben wir hier ein anderes Raumklima, auch ich musste mich erst daran gewöhnen, dass hier alles irgendwie anonymer ist, sicherlich ist das ein tolles Schulhaus, der Landkreis hat sehr viel Geld in die Hand genommen…

…und wie hat die parallele Arbeit von Kollegium 1 und Kollegium 2 funktioniert?

Haferkorn: … das hat so funktioniert, dass zwei Schulen sich ein gemeinsames Haus teilen…

…freiwillig und unfreiwillig. Wie hat die unfreiwillige Seite reagiert?

Haferkorn: (zögernd) …hm, sicherlich gab’s hier und da so etwas wie ein misstrauisches Beäugen. Aber die naturwissenschaftlichen Fächer haben sich zum Beispiel gleich die Vorbereitungen geteilt, da gab’s von Anfang an eine Zusammenarbeit der Fachschaften – (lachend) freiwillig oder unfreiwillig, es ist einfach so. Aber bis heute funktioniert es, auch in der gegenseitigen Unterstützung wie bei gesundheitsbedingten Ausfällen im Kollegium.

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Dann kam die Nachricht aus dem Landratsamt… mit welchen Gefühlen haben Sie darauf reagiert?

Haferkorn: Überraschend war für mich die Tatsache, dass es plötzlich doch schneller gehen sollte mit der Zusammenlegung. Bis dahin hatte es keine Sicherheit gegeben, in welchem Zeitraum das Procedere umgesetzt werden soll. Landrat Josef Neiderhell hatte in seiner Amtszeit immer versichert, dass niemand aus dem Kollegium plötzlich auf die Straße gesetzt werde. Und vor dem Hintergrund des aktuellen Lehrermangels hat der amtierende Landrat Otto Lederer aktuell in der Beschlussfassung deutlich gemacht, wenn es eine Chance gebe, Lehrer in den Staatsdienst zu übernehmen, dann jetzt. Das habe es vorher nicht gegeben – werde es auch nicht mehr in einigen Jahren so geben…

Wird das Kollegium der Kommunalen Realschule übernommen?

Haferkorn: Nein. Alle diejenigen, die als studierte Realschullehrer die entsprechende Qualifikation haben, können sich beim Freistaat jetzt auf die Stellen hier bewerben. Dann läuft das ganz normale Einstellungsverfahren, die Staatsexamens-Noten sind dabei mit entscheidende Auswahlkritierien, wie auch der Bedarf und die Nachfrage. Das betrifft auch die Kolleginnen und Kollegen der Kommunalen Realschule.

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Das heißt, es könnte sein, das es für einige von Ihnen bedeuten könnte, sich auch anderweitig zu bewerben…

Haferkorn: …ja.

Werden außerschulische Aktionen und Projekte der Kommunalen Realschule übernommen, die in den vier Jahrzehnten etabliert worden sind?

Haferkorn: Das wird sich in den nächsten drei Jahren zeigen. Wir werden bestimmt nicht dazu in Kürze Beschlüsse fassen. Es wird eher ein Entwicklungsprozess sein mit den Fragestellungen, ob sich zum Beispiel Kollegen finden, die derartige Projekte übernehmen wollen. Wir wollen den Übergang fließend gestalten, ohne dass es irgendwo im Betrieb großes Knirschen gibt… wir brauchen von allen Seiten dafür Geduld.

Bürgermeister Andreas Friedrich:

„Mit der Gründung der Kommunalen Realschule Prien im Jahr 1976 beschritt der Markt Prien völliges Neuland. Niemand konnte damals mit Gewissheit sagen, ob dieser Schritt von Erfolg gekrönt und das „Experiment“ eigene Schule tatsächlich funktionieren würde. Schon bald war die neue Schule nicht mehr aus unserer Bildungslandschaft vor Ort wegzudenken. Auch mit der Übernahme der Trägerschaft durch den Landkreis Rosenheim im Jahr 1990 blieb die Schule hinsichtlich ihrer Ausstattung, den Lehrplaninhalten und ihrer Flexibilität immer auf dem Höhepunkt der Zeit. Ich selbst habe von 2000 bis 2004 die damals noch vierstufige Realschule in Prien durchlaufen, fühlte mich dort von Beginn an sehr wohl und optimal für das Berufsleben vorbereitet. Noch heute erinnere ich mich gerne an meine Zeit an dieser Schule zurück. Für den Übergang von der kommunalen hin zur staatlichen Realschule wünsche ich mir zwei Dinge: Erstens natürlich einen reibungslosen Übergang ohne einschneidender Veränderungen für die Schülerinnen und Schüler. Zweitens die Fortsetzung des Schüleraustausches mit unseren Partnerstädten Graulhet in Frankreich und Valdagno in Italien. Hierfür werde ich mich die kommenden drei Übergangsjahre einsetzen.“

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