DRITTER WECHSEL IN DREI JAHREN

Aus Nepal in die „Alte Post“ in Prien: Neues Gesicht im Caritas-Zentrum

Verena Hinze, die neue Leiterin des Bereichs Gemeindecaritas, an ihrem Schreibtisch in der „Alten Post“ am Bahnhofsplatz.
+
Verena Hinze, die neue Leiterin des Bereichs Gemeindecaritas, an ihrem Schreibtisch in der „Alten Post“ am Bahnhofsplatz.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
    schließen

Das Caritas-Zentrum Prien ist ein wichtiger Pfeiler im dichten sozialen Netz der Marktgemeinde. Jetzt wird die Einrichtung in der Alten Post von einer neuen Fachkraft geleitet. Die 37-jährige Verena Hinze war zuletzt im Himalaya tätig.

Prien – Zum dritten Mal in drei Jahren gibt es ein neues Gesicht an der Spitze des Caritas-Zentrums Prien. Nach dem Abschied von Regina Seipel 2018, die die Priener Caritas über Jahrzehnte geprägt hat, folgte Thomas Miesler aus Traunstein, der die Stelle aber nach nur sechs Monaten auf eigenen Wunsch wieder abgab. Auch Nachfolgerin Christa Kurzlechner blieb nicht lange. Sie wechselte auf eigenen Wunsch innerhalb der Caritas in einen anderen Fachbereich.

Verena Hinze will länger bleiben. Die 37-Jährige leitet von ihrem Büro im Erdgeschoss der „Alten Post“ aus den Bereich Gemeindecaritas im Landkreis Rosenheim und vertritt das Caritas-Zentrum Prien. Zuvor war sie als Programmleiterin für den internationalen Friedensdienst der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) im ehemaligen Bürgerkriegsland Nepal tätig.

Caritas-Erfahrung in Augsburg gesammelt

Der Sprung aus dem Himalaya an die Chiemgauer Alpen hat familiäre Gründe, erzählt Hinze im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Mit ihrem Mann, einem Münchener, den Hinze beim ersten beruflichen Aufenthalt in Nepal kennengelernt hatte, war sie sich einig, dass die beiden Kinder (vier und sechs Jahre) in der oberbayerischen Heimat aufwachsen sollen. Also zog die Familie nach Haag, wo Hinze aufgewachsen ist. Von dort pendelt die Diplom-Sozialpädagogin jetzt dreimal pro Woche nach Prien zu ihrer Teilzeitstelle.

Lesen Sie auch

Priener Familienberaterin über den 2. Corona-Lockdown: Zahl der Hilfesuchenden gestiegen

Caritas-Erfahrung hat die 37-Jährige vor ihren beruflichen Asien-Abenteuern schon fünf Jahre in Augsburg gesammelt. Ihr Schwerpunkt an der neuen Wirkungsstätte in Prien liegt auf der sogenannten Gemeindecaritas. Der Einstieg in die Arbeit ist wegen der Corona-Pandemie mühsam. Denn es gilt, sich mit allen Seelsorgern im Dekanat Chiemsee auszutauschen, bevor gemeinsame Ideen angegangen werden. Das Dekanat, das vom Caritas-Zentrum in Prien betreut wird, reicht von Höslwang bis Sachrang.

Technik-affine Freiwillige sollen als Paten ältere Bürger betreuen

Immerhin hat Hinze, die ein Master-Studium in Entwicklungsarbeit absolviert hat und auch ausgebildete Mediatorin ist, in einer Zoom-Konferenz zumindest schon die meisten Gesichter zu den Namen gesehen, die auf ihrer Kontaktliste noch kein Häkchen haben. Hinzes Aufgabe könnte man als Professionalisierung der kirchlichen Sozialarbeit umschreiben. In Abstimmung mit den Pfarreien und ihren Seelsorgern möchte sie zum Beispiel die Caritas-Ideen und -Angebote jungen Leuten näher bringen. Auch digitale Patenschaften sind ihr ein Herzensanliegen. Technik-affine Freiwillige sollen als Paten ältere Bürger betreuen, damit die Zugang zur digitalen Welt haben. Bei allen Ideen und Führungsaufgaben wie Teamleitung und Finanzen kann sich die 37-Jährige aber auch auf ein funktionierendes Caritas-Angebot in Prien stützen.

Weitere Nachrichten aus dem Chiemgau finden Sie hier.

Die verschiedenen Beratungsangebote werden weitgehend von den Beratern in Eigenregie organisiert. Das gilt unter anderem für den Sozialpsychiatrischen Dienst und für die Sozialberatung. Letztere obliegt Susanne Blöchinger. Sie hat wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie bisher in Prien noch keinen signifikanten Anstieg des Beratungsbedarfs festgestellt, berichtet sie im Gespräch.

Susanne Blöchinger, Leiterin der Chiemseer Tafel mit ihrem Mitarbeiter Uwe Merklein am Tag der Lebensmittel-Anlieferung. Die Zahl der Tafel-Kunden ist durch Corona stark gestiegen.

Ganz anders ist die Situation bei der Chiemseer Tafel mit den Ausgabenstellen in der „Alten Post“ und in Bad Endorf, für die Blöchinger auch verantwortlich zeichnet. Im 16. Jahr ihres Bestehens versorgt die Essens-Ausgabestelle für Bedürftige momentan rund 300 Personen in Prien und Umgebung.

Lesen Sie auch

Chiemseer Tafel: Armut mitten in Prien - viele Kinder betroffen

Wegen des gestiegenen Bedarfs und krankheitsbedingter Ausfälle im ehreamtlichen Team stößt die Tafel-Mannschaft zurzeit an ihre personellen Grenzen. Dringend gesucht werden insbesondere Fahrer.

„Wir haben 60 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die donnerstags die eingehenden Lebensmittelspenden von rund 30 Läden und Wirten überprüfen und sortieren“, erzählt Blöchinger. Freitags ist dann Ausgabetag. Kunden, die nicht zur Ausgabestelle kommen können und niemand haben, der ihnen ein wöchentliches Paket mitbringt, werden von den Ausfahrern beliefert.

Die Chiemseer Tafel ist einmal pro Woche geöffnet

„Vor dem Hintergrund, dass unsere Kunden auf die Tafelware angewiesen sind, wollen wir bis auf Weiteres offenhalten, denn die Zahl der Leute, von deren Rente nach Abzug der Mietkosten kaum noch was übrig bleibt, steigt immer mehr“, erklärt Uwe Merklein, einer der Ehrenamtlichen bei der Tafel. Bis zu drei Tonnen Lebensmittel werden nach gründlicher Prüfung jeden Monat weitergegeben.

Die Chiemseer Tafel ist einmal pro Woche geöffnet, in Prien im Caritas-Zentrum in der Alten Post am Bahnhof freitags von 9 Uhr bis 11 Uhr sowie in Bad Endorf im Katholischen Pfarrheim am Kirchplatz ebenfalls freitags von 10 Uhr bis 11 Uhr. Ansprechpartnerin für Bürger, die ehrenamtlich mithelfen wollen, Bedürftige mit Lebensmitteln zu versorgen, ist Susanne Blöchinger. Sie ist erreichbar per Mail an cb-prien@caritasmuenchen.de oder telefonisch unter 0 80 51/13 23.

Kommentare