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Hallenbad-Sterben geht weiter

Aus nach fast 50 Jahren: Warum das Schwimmstadl in Reit im Winkl schließt

Der Schwimmstadl in Reit im Winkl: Seine Tage sind gezählt.
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Der Schwimmstadl in Reit im Winkl: Seine Tage sind gezählt.
  • VonJosef Hauser
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1973 gebaut war das gemeindliche Hallenbad von Reit im Winkl eine Institution für Einheimische und Touristen. Das sind die Gründe für den nächsten Akt des Hallenbad-Sterbens in der Region.

Reit im Winkl – Die Schwimmbecken bleiben leer, die Heizung wird nicht mehr hochgefahren: Nach knapp 50 Jahren ist der Schwimmstadl in Reit im Winkl Geschichte. Das Hallenbad wird zum Beginn der kommenden Wintersaison nicht wieder geöffnet. Das hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen.

„Mit der Frage, wie es mit dem Bad weitergehen solle, haben wir uns in den letzten Monaten wiederholt beschäftigt“, erinnerte Bürgermeister Matthias Schlechter (CSU) in der Sitzung. Allen sei dabei bewusst geworden, dass neben einer notwendigen Dachreparatur spätestens ein größerer Schaden im technischen Bereich zwangsläufig zu einer Schließung führen würde.

Ein Bad mit Charme der 1970er Jahre

Mit dem Charme der 1970er Jahre ausgestattet, sei das Bad heutzutage kein großer Anziehungspunkt mehr, sagte Schlechter. Für Touristen und Einheimische sowie Schulkinder, Kindergartenkinder, Senioren und Wasserwacht sei es dennoch eine Institution vor Ort. „Aber der Besuch ist überschaubar und trägt kaum zur Finanzierung der Kosten bei“, fügte er an. Das Bad habe nur eine Besuchsquote von drei bis vier Prozent, gemessen an den Übernachtungen.

Steigerungen der Energiekosten auf das Dreifache befürchtet

Den größten Teil der Kosten mache die Energieversorgung aus. Von den gemeindlichen Liegenschaften sei das Hallenbad Spitzenreiter beim Energieverbrauch. Der gemeindliche Stromversorgungsvertrag ende im Dezember, die neuen Ausschreibungsergebnisse ließen Steigerungen auf das Dreifache befürchten. Auch beim Wärmepreis sei mit bedeutenden Steigerungen zu rechnen. Dazu kämen laufende Aufwendungen für den Unterhalt, sodass mit einem künftigen Jahresverlust von über 300 000 Euro zu rechnen sei.

Eine Komplettsanierung mit geschätzten zehn Millionen Euro scheitere angesichts der anstehenden Pflichtaufgaben der Gemeinde wie Kindergartenbau, Erweiterung des Feuerwehrhauses oder Hochwasserschutz schlicht an den finanziellen Mitteln. Ein Weiterbetrieb des Hallenbades hätte mittelfristig auch eine Erhöhung des Kurbeitrags zur Folge.

Das Dach des Gebäudes sei in einem sehr maroden Zustand, nur die Dachhautsanierung sei mit über 100 000 Euro zu veranschlagen, ohne Reparatur von Dachdämmung oder Dachstuhl. „Die Schwimmbadtechnik ist völlig überaltert, notwendige Ersatzteile stehen nur mehr sehr eingeschränkt zur Verfügung“, beschrieb Bürgermeister Schlechter einen weiteren Mangel.

Frühzeitig Gespräche mit Pächter geführt

Mit Franz Auer, der das Hallenbad über so viele Jahrzehnte erfolgreich geführt und vielen Kindern das Schwimmen beigebracht habe, seien frühzeitig Gespräche geführt und für den Fall einer Schließung Einvernehmen erzielt worden.

Wie bereits seit Jahren während der Schließzeiten praktiziert, sei mit dem Ruhpoldinger Wellenbad der Besuch mit Gästekarte zu einem reduzierten Eintrittspreis von 50 Prozent ganzjährig in Aussicht gestellt. Mit weiteren Bädern der Umgebung werde noch Kontakt aufgenommen. Das Schulschwimmen könne entweder in Ruhpolding oder in den Sommermonaten im Freibad durchgeführt werden, dies sei mit der Schulleitung besprochen worden.

Im Fall einer Schließung müsse die Verwendung des Hallenbadgeländes und -gebäudes ausgelotet werden. Damit würde sich in den nächsten Monaten eine Arbeitsgruppe im Rahmen der Städtebauförderung auseinandersetzen.

Gerhard Grünbacher (Freie Wähler) sprach sich für eine umgehende Schließung des Hallenbads aus. Eine angedachte Reduzierung der Wassertemperatur sei nicht sinnvoll. Stefan Auer (CSU) und Georg Speicher (Freie Wähler) hielten die bei einem Weiterbetrieb anstehenden Betriebskosten für nicht tragbar. Auch Max Weiß (Freie Wähler) hielt eine Schließung für unvermeidbar, weil eine notwendige grundlegende Sanierung beziehungsweise ein Neubau für die Gemeinde nicht finanzierbar sei.

Der Gemeinderat beschloss einstimmig die Aufhebung des Hallenbad-Pachtvertrags mit dem Pächter Franz Auer zum 31. Dezember des Jahres und damit die Schließung des gemeindlichen Hallenbades ab der kommenden Wintersaison.

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