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Augen auf Prozess und Bürgerentscheid

Jubiläum: Das LKZ feiert seinen 20. Geburtstag. Geschäftsführer Karl Fischer (rechts) im Gespräch mit der damaligen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und deren Vorgänger Otto Wiesheu beim Staatsempfang in Schloss Herrenchiemsee.
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Jubiläum: Das LKZ feiert seinen 20. Geburtstag. Geschäftsführer Karl Fischer (rechts) im Gespräch mit der damaligen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und deren Vorgänger Otto Wiesheu beim Staatsempfang in Schloss Herrenchiemsee.

Prien – Wieder geht ein Jahr zu Ende. Manche werden es in guter Erinnerung behalten, andere froh sein, dass es vorbei ist.

Für den Ort Prien und seine Bürger hatten die vergangenen zwölf Monate Höhen und Tiefen, gute und schlechte Momente. Die Chiemgau-Zeitung erinnert an einige – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Heute lassen wir das erste Halbjahr Revue passieren.

Stürmischer Jahresbeginn

3. Januar 2018, 11.30 Uhr: Burglind kommt an. Das Sturmtief türmt kurzzeitig im Chiemsee ungewohnt hohe Wellen auf. Die Sorge vor Schäden war im Vorfeld groß. Die staatliche Schlösserverwaltung hatte sogar die Herreninsel gesperrt, aus Sorge, einige der hunderte Jahre alten Bäume könnten umfallen und Menschen gefährden. Prien kommt glimpflich davon, nennenswerte Schäden werden nicht bekannt.

Markenleitbild

Der Anspruch ist hoch: Prien will die „lebenswerteste Seegemeinde im Alpenraum“ werden. So steht es im Markenleitbild, das ein Kreis von 30 Politikern, Touristikern, Unternehmern, Jugend- und Seniorenvertretern in Workshops und über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren entwickelt hat. Nun sollen sogenannte Multiplikatoren das Bewusstsein für die Marke Prien in der Bevölkerung schärfen. Die definierten Werte sollen so um sich greifen.

Mordprozess

Am Landgericht Traunstein beginnt der Prozess gegen Hamidullah M. Der 30-Jährige hatte am 29. April 2017 vor dem Lidl-Markt 16-mal auf seine 38-jährige afghanische Landsfrau Farimah S. eingestochen und sie tödlich verletzt – vor den Augen der beiden jüngeren der vier Kinder von Farimah S. Etwa 40 Zeugen sind geladen.

Am 9. Februar verurteilt das Schwurgericht Hamidullah M. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen heimtückischen Mordes aus niederen Beweggründen und stellt die „besondere Schwere der Schuld“ fest. Das bedeutet, dass der Täter nicht mit einer vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis nach 15 Jahren rechnen kann, sondern frühestens nach 17 Jahren.

Baustelle unter Wasser

Die spektakulärste Baustelle fällt kaum jemandem auf, denn sie liegt im Chiemsee, ein paar hundert Meter vom Priener Ufer entfernt. Im Mai 2017 war die Seeleitung des Chiemsee-Ringkanals, durch den die Abwässer von zehn Gemeinden zur zentralen Kläranlage auf Rimstinger Gebiet fließen, vom Grund des Bayerischen Meeres 40 Meter weit an die Oberfläche getrieben – und wie das Ungeheuer von Loch Ness aufgetaucht. Möglicherweise waren Gase die Ursache.

Seitdem wurde die Leitung täglich durchgespült, um sie unter Wasser zu halten. Nun ist eine Spezialfirma mit schwerem Gerät, schwimmender Arbeitsplattform und Tauchern angerückt. 180 Riesen-Sandsäcke, jeder 400 Kilo schwer, werden wie Satteltaschen über die Rohre gelegt, um sie wieder fest am Seeboden zu verankern.

Steine aus Tirol

Der Kompromiss ist gut 40 Meter lang und mehrere Meter hoch: Baumängel an der Stützmauer am Brucker Kreisel hatten ein jahreslanges Tauziehen zwischen Gemeinde, Baufirma und Planern ausgelöst. Der Markt Prien hatte das Bauwerk nicht offiziell abgenommen, weil er Fehler an der Entwässerung monierte. Irgendwann hatten sich einzelne Quader gelockert, weil sie hinterspült wurden. Es mussten Stützpfeiler und Alarmschilder vor Steinschlag aufgestellt werden.

Dann einigen sich die Beteiligten doch auf eine neue Mauer. Ihr Bau dauert sechs Wochen, Anfang Mai ist im Brucker Kreisel wieder freie Fahrt.

Rückkehr aus Containern

Die Generalsanierung von zwei Gebäuden des Ludwig-Thoma-Gymnasiums dauert länger und wird teurer als gedacht. 21 Klassen des LTG, Schulleitung und Verwaltung müssen weiter ein Containerdasein fristen. Das Landratsamt als Bauherr nennt statische Mängel in der alten Deckenkonstruktion als wesentlichen Kostentreiber. Seit Anfang 2017 wird in den beiden Häusern gebaut.

Statt 5,2 sind nun 7,8 Millionen Euro Gesamtkosten veranschlagt. Die Fertigstellung verzögert sich um mehrere Monate.

Zwei Demos

Zum Jahrestag des Mordes an Farimah S. rüstet die Polizei zum Großeinsatz. Ein AfD-nahes „Bündnis Chiemgau gegen Gewalt“ hatte zum Gedenken an die Afghanin aufgerufen, die ein Jahr zuvor von einem Landsmann auf offener Straße niedergestochen und tödlich verletzt worden war. Mehrere Gruppierungen riefen zum Protest „Gegen den AfD-Schweigemarsch in Prien“ auf. Die beiden Kundgebungen finden in Sichtweite, nur 200 Meter voneinander entfernt statt. Kurzzeitig wird die Lage brenzlig, als rund 30 teilweise Vermummte versuchen, die Polizeiblockade zu durchbrechen. Die Einsatzkräfte setzen Tränengas ein und können den Zusammenstoß der beiden Lager verhindern.

LKZ wird 20

Weißblauer Himmel, frühsommerliche Temperaturen, 300 illustre Gäste: Der Abend ist wie gemalt für die Feier zum 20. Geburtstag des Logistik-Kompetenz-Zentrums. Zum Jubiläum der Ideenschmiede einer vielschichtigen Wachstumsbranche gibt die damalige bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner einen Staatsempfang im Spiegelsaal von Schloss Herrenchiemsee. Sie lobt das LKZ als „sehr, sehr feste Größe im Alpenraum“, Geschäftsführer Karl Fischer sieht in der Logistik-Branche das Potenzial eines Innovationstreibers und nennt die Digitalisierung als wichtigste Herausforderung auch für sine Branche.

Aus für Jugendherberge

Mit 53,9 Prozent der abgegebenen Stimmen lehnen die Priener den Bau einer neuen Jugendherberge an der Osternacher Straße ab. Das Ratsbegehren zugunsten des Vorhabens, das fünf der sechs Gemeinderatsfraktionen dagegen gesetzt hatten, bekommt nur 47,1 Prozent Ja-Stimmen.

Das Bürgerbegehren der Bürger für Prien und von Nachbarn hatte in den Monaten vor der Abstimmung tiefe Risse im Kommunalparlament verursacht. Die Stimmung war aufgereizt, die gegenseitigen Vorwürfe waren heftig.

Das Deutsche Jugendherbergswerk wird später seine Ankündigung wahr machen, sich im Falle eines Scheiterns des 13,5-Millionen-Projekts mit 200 Betten ganz aus Prien zurückzuziehen. Das 5500-Quadratmeter-Grundstück an der Carl-Braun-Straße, auf dem die alte, längst geschlossene Jugendherberge steht, wird für mindestens drei Millionen Euro zum Verkauf angeboten.

Als sich ein Eigentumswechsel anbahnt, zieht der Marktgemeinderat im November die Reißleine, damit ihm die Entwicklung nicht aus den Händen gleitet, und verhängt eine Veränderungssperre.

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