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Riesiger Andrang führt zu Problemen

Aufruhr und „wüste Beschimpfungen“ beim Sonderimpftag in Prien

Dieses große Schild am Ortseingang hatte sich nach dem ersten Termin überholt, der zweite findet nicht statt. Dabei war der Andrang riesengroß.
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Dieses große Schild am Ortseingang hatte sich nach dem ersten Termin überholt, der zweite findet nicht statt. Dabei war der Andrang riesengroß.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Zwei Stunden vor Beginn standen die ersten Impfwilligen vor dem Pfarrheim und schon am Vorabend läuteten einige an der Haustür beim Hausmeister. Der Ansturm auf den Sonderimpftag in Prien war riesengroß. Der war für die Organisatoren nur schwer zu bewältigen und es kam sogar zu einem Aufruhr, als Leute abgewiesen werden sollten.

Prien – Hohe Inzidenzen, belastete Kliniken und Lockdown-Maßnahmen haben die Impfbereitschaft in der Bevölkerung offenbar noch einmal kräftig angekurbelt. Beim Sonderimpftag vergangenen Freitag im Katholischen Pfarrheim Prien jedenfalls bildete sich über Stunden hinweg eine lange Warteschlange. Auch Margit Obermaier aus Bernau harrte den ganzen Nachmittag aus, sie holte sich ihre Booster-Impfung ab. Gegenüber den OVB-Heimatzeitungen übt sie Kritik an der Organisation.

Impfung nur gegen gelben Zettel

Sie spricht bei dieser Impfaktion von einem „frustrierenden Erlebnis“. Eine Terminvereinbarung war nicht möglich. Viele Wartende hätten nach teils stundenlangem Anstehen erfahren, dass nur Leute mit einem gelben Zettel geimpft würden. Diese Zettel seien um 9 Uhr morgens ausgegeben worden. „Wer später kam, hatte Pech“, berichtet Obermaier und fährt fort: „Das Team arbeitet natürlich an seiner Belastungsgrenze, aber für sehr viele, teils alte Leute, war das stundenlange Anstehen auch unerträglich.“ Sie meint, dass es zu erwarten gewesen sei, dass der Andrang groß sein werde.

Weiter kritisiert sie, dass ein Mitarbeiter, der immer wieder einmal die Warteschlange durchgezählt habe, nicht gehandelt und nicht informiert habe. Als dann alle Leute, die keinen gelben Zettel hatten, rausgeschickt worden seien, habe es einen Aufruhr gegeben und es seien dann doch noch weitere Personen geimpft worden.

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Donat Steindlmüler von der Hauptverwaltung der Marktgemeinde war beim Sonderimpftag im katholischen Pfarrheim vor Ort und bekam die Wut der Leute persönlich ab: „Ich musste mich wüst beschimpfen lassen“, berichtet er gegenüber den OVB Heimatzeitungen. Gleichzeitig äußert er Verständnis und räumt ein, dass beim nächsten Impftermin sicherlich einiges verbessert werden müsse.

Er bestätigt den riesigen Andrang beim Sonderimpftag. „Schon am Vorabend haben Leute beim Hausmeister geklingelt“, sagt er. Am nächsten Tag seien die Menschen bereits ab 7 Uhr angestanden, obwohl die Impfungen ab 9 Uhr begonnen hätten: „Das war auch so kommuniziert.“ Er habe im Vorfeld der Sonderimpfaktion beim Impfzentrum nachgefragt, was die Marktgemeinde organisieren müsse.

Team hatte keinen Ordnungsdienst dabei

„Es hat geheißen, außer der Ausschilderung und dass wir die Räume zur Verfügung stellen, müssen wir nichts tun.“ Er habe von seiner vorherigen Tätigkeit am Rosenheimer Landratsamt gewusst, dass das Impfteam normalerweise selbst Ordnungspersonal mitbringe. In Prien war dies allerdings nicht der Fall. Steindlmüller spricht davon, dass der Andrang unterschätzt worden sei. „Derzeit stoßen alle an personelle Grenzen“, wirbt er um Verständnis. Er habe ein zweites Impfteam angefordert, das allerdings erst gegen Mittag eingetroffen sei. „Was sicher verbessert werden muss, ist, dass wir im Vorfeld besser informieren, dass mit Wartezeiten gerechnet werden muss und vielleicht nur eine bestimmte Menge an Impfstoff da ist“, gesteht er ein. Auch der Einlass müsse besser koordiniert werden. Ein Impfteam schaffe pro Tag etwa 100 Impfungen.

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Das nächste Mal müsse Ordnungspersonal gestellt werden, vielleicht mit Unterstützung von freiwilligen Helfern. Der Priener Apotheker Dr. Herbert Reuther habe schon seine Hilfe angeboten.

„Wir wollen das nächste Mal wieder mit Platzkarten arbeiten. Wenn jemand zum Beispiel Nummer 60 bekommt und etwa 20 Leute in der Stunde geimpft werden können, wissen die Leute, wie lange sie etwa warten müssen und können in der Zwischenzeit wieder nach Hause gehen.“ Im katholischen Pfarrheim, sei nicht genügend Platz für Warteräume, dafür liege es aber mitten im Zentrum.

Was speziell die älteren Menschen betrifft, sagt Steindlmüller, dass sie sich bevorzugt bei ihren Hausärzten beraten und impfen lassen sollten. Das habe er zum Beispiel einem Mann aus Rottau gesagt, der sich im Nachhinein telefonisch bei ihm beschwert hatte.

Das nächste Problem sei gewesen, dass der Sonderimpftag in Prien eigentlich für Erst- und Zweitimpfungen vorgesehen gewesen sei. Letztlich seien aber 85 Prozent der Personen zur Booster-Impfung gekommen. „Das war den Leuten nicht klar und nicht genügend kommuniziert“, gibt Steindlmüller zu. Und erklärt: „Wir versuchen wirklich zu helfen und die Leute zu impfen.“ Wann es den nächsten Sonderimpftag in Prien gibt, ist derzeit völlig unklar.

Wegen Impfstoffmangel sagt Landkreis Rosenheim weitere Sonder-Termine ab:

Ansprechpartner für Impfzentrum und Sonderimpfaktionen ist die Stadt Rosenheim. Die stellvertretende Pressesprecherin Sabine Lemm erklärt auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen, dass am besagten Tag im katholischen Pfarrheim Prien 237 Impfungen durchgeführt worden seien. Die Koordination vor Ort habe der Markt Prien übernommen.„Die Erfahrung bei der Vorbereitung von Sonderimpftagen zeigt, dass es im Vorfeld nicht erkennbar ist, wie viele Menschen an einer Impfung tatsächlich interessiert sind.

Am benannten Impftag waren bereits vor Beginn der Impfungen circa 100 Personen vor Ort. Deshalb hat die Verwaltung die Reihenfolge der Impfabläufe über die Ausgabe von gelben Zetteln zu steuern versucht.“ Großen Andrang habe es auch bei den Sonderimpfaktionen in anderen Orten gegeben, die bis vor Kurzem stattfanden.

Stadt und Landkreis Rosenheim sagten allerdings in dieser Woche wegen Impfstoffknappheit weitere Termine bis Weihnachten ab. Statt 20 000 bestellter Impfdosen habe der Landkreis nur 1000 erhalten, so die Auskunft. Damit fällt auch der am 17. Dezember in Prien geplante zweite Termin ins Wasser. Die Führungsgruppe Katastrophenschutz habe die Absagen beschlossen, um wenigstens die bereits vereinbarten Termine auf der Loretowiese einhalten zu können.

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