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Bürgermeister und Notärzte gegen Pläne

Auflösung des Notarzt-Standorts in Grassau? Warum das für die Bürger gefährlich sein könnte

Seit 2015 ist der Notarztstandort im Grassauer BRK-Gebäude in der Staffenstraße untergebracht. Für Bürgermeister Stefan Kattari die ideale Basis für schnelle Einsatzzeiten, denn „jeder Kilometer zählt“.
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Seit 2015 ist der Notarztstandort im Grassauer BRK-Gebäude in der Staffenstraße untergebracht. Für Bürgermeister Stefan Kattari die ideale Basis für schnelle Einsatzzeiten, denn „jeder Kilometer zählt“.
  • Oliver Lang
    VonOliver Lang
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Die notärztliche Versorgung soll künftig zum Teil über ein Tele-Notarztsystem abgedeckt werden, was Einsparungen mit sich bringen könnte. So steht der Standort Grassau laut einer Studie zur Disposition. Es gibt jedoch fundierte Zweifel an der Umsetzbarkeit.

Grassau/Achental – Das Bayerische Innenministerium sorgte Ende 2022 mit einer Studie zu den Notarztstandorten für Verwirrung. In der Analyse schlägt die Regierung vor, mehrere Standorte aufzulösen. Unter ihnen befindet sich auch Grassau. Stefan Kattari (SPD), Bürgermeister der Chiemgau-Marktgemeinde, und dort tätige Notärzte sehen das jedoch kritisch.

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Überrascht und skeptisch

Er sei von dieser Studie überrascht worden und hätte davon erst durch die Zeitung erfahren, sagte Kattari auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Weder vorher, noch seither habe ich irgendeine weitere Information dazu erhalten.“

Der Notarztstandort in Grassau ist im 2015 eröffneten BRK-Gebäude untergebracht. Die Struktur in Grassau sei so, dass sich etliche Ärzte vor etwa zehn Jahren zusammengefunden hätten und eigeninitiativ einen Notarztstandort gründeten. Die Ärzte seien Selbstfahrer, und würden sich ihre Schichten untereinander aufteilen. Das Notarztfahrzeug stünde dabei in der Regel beim diensthabenden Notarzt.

Das bisherige Notarztsystem funtioniert gut

Dr. Felix Jahn, Obmann der Notärzte fürs Achental, versicherte im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen, dass dieses System gut funktioniert: „Wir haben eine ausgewogene Altersstruktur, sodass nicht zu erwarten sei, dass der Standort in Grassau in absehbarer Zeit ins Taumeln gerät“ Auch Ausfallzeiten gäbe es über das gesamte Jahr hinweg nur sehr wenige, so Jahn. In Grassau sind die Notärzte von 18 Uhr bis 6 Uhr morgens im Dienst sowie an den Wochenenden und Feiertagen.

Anstelle von Grassau, so ist der Notarztstudie zu entnehmen, käme eventuell die Nachbargemeinde Übersee als neuer Standort in Betracht. Für Grassau selbst habe das wohl keine größeren Auswirkungen, merkt Stefan Kattari im Gespräch mit unserer Zeitung an, gibt aber zu Bedenken: „Wir befinden uns nicht irgendwo, sondern in einer bergigen Grenzregion.“

Den Grassauer Notarztstandort gäbe es auch deshalb, weil die Einsatzzeiten nach Schleching oder Reit im Winkl sonst zu lange wären. „Jeder Kilometer, den man von den Bergen weggeht, bedeutet für die dahinterliegenden Gemeinden, also die Bürger des Achentals, eine Einschränkung.“

Und noch etwas mahnt Stefan Kattari an und bezieht sich dabei auch auf den ebenfalls infrage gestellten Standort Ruhpolding: „Ich sehe es kritisch, wenn eine Studie hergeht, zwei funktionierende Systeme infrage stellt und gleichzeitig aus zwei Standorten einen machen würde.“

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Die Erfahrung der Rettungskräfte, darunter auch Marktgemeinderatsmitglied und Rettungsdienstler Thomas Hagl (CSU), zeige, dass zu manchen Zeiten sogar der Notarzt aus Kiefersfelden in der Achentalregion im Einsatz ist, um Engpässe zu überbrücken. Daraus schließt Kattari: „Wir haben nicht zu viele Notärzte.“

Erhebliche Fragen werfe ein weiterer Aspekt der Studie auf. Dabei bezieht sich Stefan Kattari auf das Tele-Notarztsystem, das künftig verstärkt genutzt werden soll. Dabei begleitet ein per Video zugeschalteter, erfahrener Notarzt die Rettungskräfte, die unter anderem mit Bodycams ausgestattet sind, in Echtzeit. Doch dafür „reichen die Mobilfunknetze im Alpenbereich nicht aus“. Selbst innerhalb der Marktgemeinde gäbe es Bereiche, in denen man keine stabile Verbindung erhalte.

Tele-Notarztsystem wird kommen

„Das Tele-Notarztsystem wird zwar kommen“, bestätigt Dr. Felix Jahn, „doch wann genau, ist noch ungewiss.“ Es soll – das ist der Studie zu entnehmen – ein Fünftel der Einsätze einsparen. Für die Gemeinden Schleching und Reit im Winkl ginge die Studie sogar davon aus, wirft Bürgermeister Kattari ein, dass sogar die Hälfte der Einsätze eingespart werden könnte. Wie diese „eklatante Abweichung zustande kommt, muss man mir bitte erklären“, kritisiert Kattari.

Für Dr. Felix Jahn und seine Notarztkollegen aus Grassau steht eines fest: „Eine 24-Stunden-Wache in Übersee ist für uns keine Option.“

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