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Über 100 Jahre alt?

„Cheamgau is da Scheenste auf da Welt“: Region sucht nach Ursprung eines alten Chiemgau-Lieds

Der Atzinger Zwoagesang mit Christine Huber und Christian Steiner.
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Der Atzinger Zwoagesang mit Christine Huber und Christian Steiner.
  • Anton Hötzelsperger
    VonAnton Hötzelsperger
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„Da Cheamgau is da Scheenste auf da Welt“, so lautet der Refrain eines vor Kurzem wiederentdeckten alten Loblieds auf die Heimat. Seitdem beschäftigt die Suche nach dessen Ursprung Volksmusik-Forscher im Chiemgau. Einige Erkenntnisse gibt es bereits.

Prien/Breitbrunn/Chiemgau – Irmgard Ritzinger aus Prien-Bachham hatte bei der Sichtung der von ihren Eltern überlassenen Unterlagen ein altes Loblied auf den Chiemgau gefunden. Noten und Text (wahrscheinlich nach einer Dichtung von Josef Rausch) sind gut erhalten, waren aber für Irmgard Ritzinger unbekannt. Deshalb machte sie sich auf die Suche und wurde auch Dank eines Aufrufs der Chiemgau-Zeitung fündig. Dennoch bleiben noch ein paar Fragen offen, deswegen geht ihre Suche weiter.

Irmi Ritzinger selbst weiß zu diesem Cheamgau-Liad: „Meine Mutter, Jahrgang 1919 hieß Loni Frick und war gebürtige Berthold aus Übersee. Sie war Lehrerin in Erlstätt und Rosenheim-Happing, viele Jahre Chorleiterin und früher Sopranistin in St. Lorenz in Kempten.“ Wie sie sich weiter erinnern kann, wurde das Lied vor etlichen Jahren im Seniorensingkreis der Caritas in Rosenheim gesungen, deren Leitung ihre Mutter viele Jahre innehatte.

Das Cheamgau-Liad ist über 100 Jahre alt

Mit diesen Informationen wandte sich Ritzinger an die Chiemgau-Zeitung, worauf sich Dora Schlemer aus Breitbrunn meldete. Bei einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärte die rüstige Breitbrunner Rentnerin (Jahrgang 1934): „Das Lied dürfte über 100 Jahre alt sein, meine Schwestern mit den Jahrgängen 1925, 1927 und 1929 haben es beim Breitbrunner Hauptschullehrer Hans Zierhut gelernt. Auf unserem Bauernhof haben wir es als Kinder beim Stallgehen gesungen.“

In Festschrift wiedergefunden

Wie sie weiter zu berichten weiß, wurde das Lied 1993 anlässlich des Trachtenfestes in Breitbrunn einstudiert. „Das Lied war wegen der zweiten Stimme nicht leicht zu lernen, auch mein Bruder wollte das Lied damals nicht mitsingen, auch ihm war es zu schwierig.“

Wiederentdeckt wurde das Chiemgau-Lied, als in Prien-Atzing 1987 das Gautrachtenfest des Chiemgau-Alpenverbandes gefeiert wurde und der gastgebende Trachtenverein „Daxenwinkler“ eine Festschrift herausgab.

Das Atzinger Vereinsmitglied Josef Koch („Sojer Sepp“) kannte die gesamten Strophen und stellte es dem Verein zur Verfügung. Damalige und nachfolgende Atzinger Gesangsgruppen wie die Wastl-Dirndl (Luise und Traudi Riepertinger) und der Atzinger Zwoagesang (Christine Huber und Christian Steiner) nahmen das Lied jedoch nicht in ihr Stamm-Repertoire auf. Auch Liesi Huber von den Huber-Dirndln und vom Trachtenverein „Die lustigen Wildenwarter“ setzte sich mit dem Liedgut auseinander.

Zum öffentlichen Auftritt und zum Vortrag gekommen ist es laut Dora Schlemer in den letzten Jahren lediglich bei den Rimstinger Sängern.

Gut erinnern kann sich auch noch Irmgard Kurz aus Prien-Munzing: Die 94-Jährige weiß noch, dass sie 1928 beim Schulweg heimwärts das Chiemgau-Lied mitgesungen hat. „Dieses Lied war uns lieber wie andere sogenannte Führer-Lieder, deshalb freut es mich, dass dieses Lied wieder hervorgeholt wird, gerne würde ich es wieder vorgesungen bekommen.“

Das Atzinger Gesangsduo Wastl-Dirndl mit Luise und Traudi Riepertinger.

Leonhard Meixner, Leiter des Volksmusik-Archivs des Bezirks Oberbayern in Bruckmühl gab auf Nachfrage unserer Zeitung folgende Auskunft: „Wir haben versucht, mehr über dieses Lied herauszufinden. Laut dem Notenblatt ist es eine Eigenkomposition, diese ist uns aber im Haus nicht bekannt. Wir halten aber Augen und Ohren offen, vielleicht finden wir noch etwas heraus.“

Auch Ernst Schusser, Vorgänger Meixners, und im Ruhestand in der Volksmusik-Feldforschung tätig, hat sich des Cheamgau-Liads angenommen und sucht nach weiteren Erkenntnissen.

Beim Wirtshaussingen Lied um 1980 gehört

Aus dem Stegreif erinnert er sich, dass er das Lied um 1980 mit weniger Strophen, anderem Text und gleichem Refrain beim Wirtshaussingen gehört habe, dass die Melodie schwer zu singen war und deshalb von Gesangsgruppen eher vorsichtig betrachtet worden sei.

Ein altes Loblied auf den Chiemgau: Die Noten und Textzeilen hatte Irmgard Ritzinger aus Prien-Bachham in Unterlagen ihrer Eltern gefunden. Hötzelsperger

Alle zusammen, die das Lied wieder aufgegriffen und sich an dieses erinnern können, hoffen, dass sich schon bald wieder eine Gelegenheit bietet, bei der das Lied mit seinen fünf Strophen wieder gehört wird – ganz im Sinne des Refrains, der da lautet: „Da Cheamgau, da Cheamgau is da scheenste auf da Welt.“

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